Parlamentskorrespondenz Nr. 774 vom 29.07.2026
Neu im Verfassungsausschuss
Tätigkeitsbericht des Statistikrats für das Jahr 2025
Wien (PK) – Die Statistik Austria hat die besonderen Grundsätze für die amtliche Statistik auch im Jahr 2025 "in hohem Maß erfüllt". Dabei geht es etwa um Relevanz, Genauigkeit, Aktualität und Vergleichbarkeit von Statistiken. Das ist dem Tätigkeitsbericht des Statistikrats über das Geschäftsjahr 2025 zu entnehmen, der dem Nationalrat von Bundeskanzler Christian Stocker vorgelegt wurde (III-355 d.B.). Zwar sieht der Statistikrat nach wie vor in etlichen Bereichen Verbesserungspotenzial, seiner Meinung nach wären aber zusätzliche finanzielle Ressourcen nötig, um Innovationen wie die Entwicklung neuer Methoden und die Nutzung von KI und Big Data voranzutreiben. Außerdem mahnt er eine langfristige Finanzierung zukunftsorientierter Projekte ein. Die hohe Qualität und internationale Reputation der Statistik Austria dürfe nicht aus finanziellen Gründen aufs Spiel gesetzt werden, warnt das aus 16 Mitgliedern bestehende Expertengremium. "Vollständig eingehalten" wurden laut Statistikrat die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit bei der Erstellung von Statistiken, ebenso gibt es ihm zufolge keine Hinweise darauf, dass es zu einer Verletzung der Vertraulichkeit personenbezogener Daten gekommen ist.
Als ein Beispiel für ungeklärte Finanzierungsfragen nennt der Statistikrat das Austria Micro Data Center (AMDC), über das die Statistik Austria der Wissenschaft Datenbestände zu Forschungszwecken zur Verfügung stellt. Mit Stand Oktober 2025 konnten 126 Datensätze aus dem Datenbestand der Statistik Austria und drei weitere aus der öffentlichen Verwaltung genutzt werden. Das Angebot wird laut Bericht auch gut angenommen, wie 64 akkreditierte wissenschaftliche Einrichtungen und 108 Anträge auf Forschungsprojekte zeigen. Allerdings befürchtet der Statistikrat, dass zu hohe Kosten den Nutzerkreis einschränken könnten, sollte die Basisfinanzierung des AMDC nicht erhöht werden. Das würde innovative Forschung behindern. Empfohlen wird vom Statistikrat außerdem, das AMDC sukzessive um weitere Datensätze zu erweitern.
Als besondere Herausforderung für die amtliche Statistik sieht der Statistikrat nach wie vor die nationale Umsetzung der europäischen Rahmenverordnung zur Unternehmensstatistik (EBS). Damit seien weitreichende Implikationen für die österreichische Wirtschaftsstatistik verbunden, hebt er hervor. Die Harmonisierung und die Integration von neun Unternehmensstatistiken seien zwar zu begrüßen, die damit einhergehenden Neuerungen müssten für Nutzerinnen und Nutzer aber umfassend und transparent dokumentiert werden, betont er. Im Bereich der Agrarstatistik könnte seiner Meinung nach die Nutzung von Erdbeobachtungsdaten einen erheblichen Beitrag zur Entlastung der Befragten (Respondentinnen und Respondenten) leisten.
Einfacherer Zugang zu Daten aus privater Hand
Weitere Anliegen sind dem Statistikrat verbesserte Nutzungsmöglichkeiten administrativer Daten sowie ein einfacherer Zugang der Statistik Austria zu Daten aus privater Hand. Die umfassende Nutzung aller verfügbaren Datenquellen stelle eine unverzichtbare Voraussetzung für die Bewältigung der statistischen Herausforderungen kommender Jahre dar, schließt er sich der Meinung der Statistik Austria an. In diesem Zusammenhang begrüßt das Gremium auch die Durchführung innovativer Projekte wie die Nutzung von SMART-Meter-Daten sowie die Nutzung von Mobilfunkdaten zur Qualitätssicherung der Tourismusstatistik.
Darüber hinaus regt der Statistikrat an, auf plötzlich auftretende Themen rascher mit themenspezifischen Statistiken zu reagieren. Als Beispiel nennt er etwa die Anhebung der Zölle durch die USA und deren Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen sowie energie-, preis-, und migrationspolitische Herausforderungen infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
In Bezug auf die Kindertagesheimstatistik würde es der Statistikrat für sinnvoll halten, die Daten mittels bereichsspezifischer Personenkennzeichen zu pseudonymisieren. Damit könnte die komplette Bildungslaufbahn von Kindern und Jugendlichen dargestellt werden, was eine evidenzbasierte Bewertung der Elementarpädagogik ermöglichen würde. Der Statistikrat spricht sich in diesem Sinn dafür aus, die Kooperation mit den Bundesländern zu intensivieren.
Standard-Dokumentationen und Feedback-Gespräche
Allgemein empfiehlt der Statistikrat, der Qualitätsverbesserung weiterhin laufend Aufmerksamkeit zu schenken und die zahlreichen, qualitativ oft hochwertigen Einzelprodukte verstärkt in ein statistisches Gesamtsystem einzubetten oder zumindest eine stärkere Integration von Teilsystemen anzustreben. Ebenso hält er die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Datennutzerinnen und Datennutzern für einen zentralen Aspekt. Bei der Benutzerfreundlichkeit der Datenbank STATcube ortet der Statistikrat zwar Verbesserungen, sieht aber nach wie vor Handlungsbedarf.
Für die Qualitätssicherung wesentlich sind dem Statistikrat zufolge Standard-Dokumentationen und die zugehörigen Feedback-Gespräche. Er drängt daher darauf, die Standard-Dokumentationen auch künftig möglichst lückenlos aktuell zu halten. Ausführliche Feedback-Gespräche wurden im Jahr 2025 dem Bericht zufolge zu folgenden sechs Themenfeldern bzw. Statistiken durchgeführt: Zeitverwendungserhebung 2021/2022, Krebsstatistik/Krebsregister, Preisindex für Ausrüstungsinvestitionen, Gebäude- und Wohnbaustatistik, Konjunkturindikatoren im produzierenden Bereich sowie Tourismus Satellitenkonten. Ziel solcher Feedback-Gespräche ist es, die Qualität der betreffenden statistischen Produkte durch Austausch mit Expertinnen und Experten sowie Nutzerinnen und Nutzern zu verbessern. (Schluss) gs
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