Parlamentskorrespondenz Nr. 892 vom 01.10.2026

Politikwissenschaftlerin Ermela Gianna untersucht das Verständnis von politischer Repräsentation

Neues Forschungsjahr im Parlament hat begonnen

Wien (PK) – Haben Bürgerinnen und Bürger und Abgeordnete ein gemeinsames Verständnis davon, was "gute politische Repräsentation" ausmacht? Und welche Folgen hat es, wenn diese Vorstellungen nicht übereinstimmen? Diesen Fragen will die Politikwissenschaftlerin Ermela Gianna in ihrem Forschungsprojekt "Alignment in Political Representation: Citizens and Representatives in the Austrian Parliament (ALIGN-AT)" in ihrem "Forschungsjahr im Parlament" nachgehen, das heute beginnt. Analysiert werden soll, inwieweit Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Vorstellungen von politischer Repräsentation in weiterer Folge auch die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Parlament beeinflussen.

Ausgangspunkt des Projekts von Gianna ist die These, wonach demokratische Repräsentation grundsätzlich relational ist. Ob Bürgerinnen und Bürger sich angemessen repräsentiert fühlen, hängt also nicht allein von der Gestaltung politischer Institutionen und den inhaltlichen Ergebnissen politischer Entscheidungen ab. Entscheidend ist demnach auch, ob Bürgerinnen und Bürger sowie ihre gewählten Repräsentanten und Repräsentantinnen ein hinreichend übereinstimmendes Verständnis davon haben, was "gute Repräsentation" ausmacht.

Ermela Gianna ist Postdoctoral Research Fellow am Fachbereich Politikwissenschaft der Paris Lodron Universität Salzburg und am Chair for Politics & Gender, Diversity & Equality tätig. Bis September 2026 war sie Post-Track-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Demokratie, politischer Beteiligung und Repräsentation in der Europäischen Union. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit der Rolle der EU-Institutionen und des Europäischen Parlaments.

Wissenschaft trifft auf parlamentarische Praxis

Im Jahr 2023 rief die Parlamentsdirektion eine Reihe von Initiativen ins Leben, um die Vernetzung von Wissenschaft und parlamentarischer Praxis weiter zu vertiefen. Dazu zählen das "Forschungsjahr im Parlament", die "Digitale Bibliographie Parlamentsforschung" und der "Tag der Parlamentsforschung".

Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen sind seither jährlich eingeladen, ihre Projekte für ein "Forschungsjahr im Parlament" einzureichen. Das Forschungsvorhaben muss einen Beitrag zur Weiterentwicklung aktueller wissenschaftlicher Debatten leisten und die für das Projekt gewählten Forschungsfragen sollen für den parlamentarischen Betrieb relevant sein. Bisher wurden drei "Forschungsjahre im Parlament" abgeschlossen. Die Historikerin Bianca Winkler befasste sich 2023/2024 mit Wissenschaftsdiskursen im Parlament und der Politikwissenschafter Josef Lolacher 2024/2025 mit dem Thema Entscheidungsfindung von Abgeordneten. Die Kunsthistorikerin Julia Rüdiger untersuchte 2025/2026 unter dem Titel "Resonanzräume der Demokratie" die Bedeutung von Parlamentsarchitektur. In den nächsten Wochen erfolgt die Ausschreibung für das nächste Forschungsjahr. (Schluss) sox

Hinweis: Mehr Informationen zu Ermela Gianna und ihrem Forschungsprojekt finden Sie auf der Website des Parlaments unter Fachinfos - Parlamentsforschung und in einem Interview mit der Forscherin auf Instagram.


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