Gesetzblätter, Prunkausgaben, Wappentiere

Beschreibung und Verortung der Regalinhalte

Im Regal vor Ihnen sind Ausstellungsobjekte mit Bild- und Textinhalten auf vier Regalebenen verteilt. In der obersten Ebene (Regalebene 1) befinden sich Seiten aus verschiedenen Gesetzesmaterien, wie etwa dem Reichsgesetzblatt oder Bundesgesetzblatt. Sie heben sich unterschiedlich stark von der Wand ab und füllen die Rückwand fast zur Gänze aus. Auf dem Regalboden steht ein Leporello mit drei Bildmotiven und Textinhalten. In der Regalebene 2 darunter befindet sich ebenfalls ein Leporello mit vier Bildmotiven und Textinhalten. In der Regalebene 3 befindet sich der auf der Rückwand gedruckte Einführungstext, rechts daneben mehrere Ausgaben des Bundesgesetzblattes aus verschiedenen Jahrzehnten. In der untersten Regalebene 4 befindet sich ein Easy Reader zum Thema „Bundesgesetzblätter“, rechts daneben ein aufgeschlagener Leporello zum Thema „Wappentiere im Wandel“.

Einleitungstext in Brailleschrift

Ein offener Schuber mit dem Einleitungstext zum jeweiligen Regal in Brailleschrift befindet sich in jedem Ausstellungsregal unterhalb der Braille-Zeile mit dem Titel des Ausstellungsabschnittes. Auf der Oberseite des Faches befindet sich ein QR-Code, über den jeder der Einführungstexte für die insgesamt 30 Ausstellungsabschnitte abrufbar ist.

Einleitung

Damit bundesweite Gesetze verbindlich werden, müssen sie ordnungsgemäß verlautbart werden. Die Kundmachung erfolgt heute in digitaler Form im Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich (BGBl), dessen Vorläufer – das Reichsgesetzblatt – bis ins Jahr 1849 zurückreicht. Der Schmucklosigkeit von Gesetzblättern stehen Prunkausgaben bedeutender Gesetzeswerke gegenüber. Das Parlamentsarchiv besitzt mit dem „Oktoberdiplom“ und dem „Februarpatent“ zwei kostbare Ausgaben früher Verfassungen der Habsburgermonarchie. Die unterschiedliche Ausgestaltung der Wappentiere bezeugt den Wandel staatlichen Selbstverständnisses, festgeschrieben in den „Buchstaben des Gesetzes“.

Regalebene 1

Leporello „Bundesadler im Parlamentsgebäude“

Das prominenteste Wappentier im Parlament ist der 1956 von Rudolf Hoflehner entworfene Bundesadler an der Stirnwand des Nationalratssitzungssaals. Auch die beiden Fahnenmasten vor dem Parlamentsgebäude sind seit jeher vom „König der Lüfte“ (mit unterschiedlichen Attributen) bekrönt. Den Adler im habsburgischen Wappen hat Theophil Hansen im Behang der Kaiserloge antikisierend durch zwei Fabelwesen (Greife) ersetzt.

Regalebene 2

Leporello „Verfassungen“

Über die Jahrhunderte erscheinen Verfassungen in unterschiedlicher Gestalt. Prunkvolle Ausgaben in rotem Samt oder geprägtem Leder kontrastieren mit einfachen, schmucklosen Drucken. Ungeachtet der unterschiedlichen Aufmachung bilden Verfassungen jedoch das Fundament, auf dem die Gesetze gründen.

Regalebene 3

Links befindet sich der auf der Rückwand gedruckte Einführungstext, rechts daneben stehen Ausgaben des Bundesgesetzblattes aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Ausgaben umfassen die Jahre 1958, 1966, 1971, 1988, 1995, 1999 und 2001.

Regalebene 4

Easy Reader „Gesetzblätter“

Gesetzblätter sind amtliche Verlautbarungen, die den Wortlaut von erlassenen Gesetzen oder anderen Rechtsvorschriften (Verordnungen, Richtlinien, Entschließungen usw.) in ihrer verbindlichen Fassung wiedergeben. Das Veröffentlichungsorgan des Bundes ist das Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich (BGBl) und erscheint seit 1997 in einer Dreiteilung: Bundesgesetz (Teil I), ministerielle Verordnung (Teil II), Staatsvertrag (Teil III). Das Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich und die Landesgesetzblätter werden seit 2004 im Rechtsinformationssystem der Republik Österreich RIS (ris.bka.gv.at) in ihrer rechtsgültigen Form elektronisch signiert kundgemacht. 

Ältere Kundmachungen, die noch auf Papier verlautbart wurden, sind gescannt ebenfalls online verfügbar. Im Projekt ALEX der Österreichischen Nationalbibliothek sind auch ältere historische Gesetzestexte Österreichs bis ins Jahr 1740 digital erschlossen. Die historischen Vorläufer des Bundesgesetzblattes wie etwa das Reichsgesetzblatt (1848–1918) sind auch in den nichtdeutschen Fassungen (italienisch, tschechisch, slowenisch, kroatisch, ungarisch, polnisch, rumänisch, ruthenisch) abrufbar.

Leporello „Wappentiere im Wandel“

Die Gestaltung des Wappentiers ist Ausdruck eines sich wandelnden politischen Selbstverständnisses. So grenzt sich die junge Erste Republik vom habsburgischen Doppeladler ab, indem sie zu einem einköpfigen Exemplar wechselt, ihm eine Mauerkrone als Symbol für das Bürgertum aufsetzt und ihm statt Zepter und Reichsapfel Hammer und Sichel als Zeichen der Arbeiter- und Bauernschaft in die Fänge drückt. Nach dem kurzen Intermezzo des Ständestaats, der den Adler in Rückgriff auf die Monarchie mit zwei Köpfen ausstattet, greift die Zweite Republik auf das Vorbild von 1919 zurück und fügt die gesprengten Ketten zwischen den Fängen hinzu, um die Befreiung Österreich 1945 darzustellen.