Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein
"Ohne die vier Toten hätte sich bei uns bei den Roma nichts geändert" – so erinnert sich der 2020 verstorbene Ludwig Horvath in einem Zeitzeugengespräch aus dem Jahr 2008. Das rechtsextremistische Terrorattentat im burgendländischen Oberwart am 4. Februar 1995 – die vier Roma Erwin Horvath, Karl Horvath, Josef Simon und Peter Sarközi wurden durch eine Sprengfalle ermordet – hätte ihn "wachgerüttelt". Für Ludwig Horvath war dies der Beginn seines lebenslangen Engagements für die Sichtbarkeit und Rechte der Volksgruppe der Roma in Österreich. Bereits vor dem Anschlag hatten Vetreter:innen der Roma wichtige Anliegen realisiert: 1989 die Gründung des ersten Roma-Verein Österreichs "Roma Oberwart" oder 1991 die Gründung des "Kulturverein Österreichischer Roma". Ein politischer Meilenstein folgte 1993 – die Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe durch den Hauptausschuss des Nationalrates am 16. Dezember 1993. Damit einher ging die Einrichtung eines Volksgruppenbeirates wie sie im Volksgruppengesetz von 1976 vorgesehen waren. Am 5. September 1995 konnte der Volksgruppenbeirat der Roma zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen.