Überblick
Trotz einer Vielzahl von Studien über hybride Organisationsformen werden die spezifischen Arten von "Hybridität" bislang nicht konsequent voneinander unterschieden. Dies hat dazu geführt, dass der Begriff unscharf verwendet wird und es damit an konzeptioneller Klarheit mangelt. In diesem Beitrag wird Hybridität als das gleichzeitige Auftreten institutioneller Logiken in organisatorischen Kontexten erörtert, und es wird konzeptionell zwischen der parallelen Koexistenz von Logiken, temporären Kombinationen (wobei schließlich eine Logik ersetzt wird) und robusten Kombinationen in Form von Überlagerungen und Vermischungen unterschieden.
Diese konzeptionelle Differenzierung erfolgt mit einer empirischen Studie zur Haushaltsrechtsreform. Im Detail wird der parlamentarische Diskurs illustriert und untermauert. Es wird anhand von zwei großen Reformen des österreichischen Bundeshaushaltsgesetzes in den Jahren 1986 und 2007/2009 untersucht, wie neue Ideen des aus den Verwaltungsreform-Diskursen New Public Management und Public Governance auf dem Diskurs über eine Weberianisch-bürokratische Verwaltung aufbauen und mit diesem in Resonanz gebracht werden. Es wird argumentiert, dass jeder Diskurs einer spezifischen institutionellen Logik folgt. Es werden zwar keine Anzeichen für eine parallele Koexistenz oder eine temporäre Kombination von Logiken gefunden, sondern Hybridität in Form von robusten Kombinationen, und hier vor allem in Form von Überlagerungen.
Tobias Polzer, Renate E. Meyer, Markus A. Höllerer, Johann Seiwald (2016): "Institutional Hybridity in Public Sector Reform: Replacement, Blending, or Layering of Administrative Paradigms", Research in the Sociology of Organizations, Vol. 48B, S. 69‑99.