Fachinfos - Publikationen 01.12.2015

Strategien zur Steigerung der Wirksamkeit der Finanzkontrolle

Überblick

Warum konnte ein Bundes­land Haftungen in Höhe des Zehnfachen seines Jahres­budgets eingehen? Wie konnte in Salzburg ein Millionen­schaden aus risiko­behafteten Wertpapier­spekulationen entstehen? Kann die Entwicklung in bestimmten öffentlichen Ausgaben­bereichen (z. B. im Gesundheits­wesen, bei den Pensionen, durch die Staats­verschuldung) die Stabilität und Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen gefährden? Stellt das gegenwärtige System der Finanz­kontrolle dafür ein ausreichendes Korrektiv dar? Zunächst muss fest­gehalten werden, dass bereits eine Reihe von gesetzlichen und organisatorischen Maßnahmen ergriffen wurde (z. B. die Neuordnung der Banken­aufsicht, ein Spekulations­verbot für die öffentliche Hand, Festlegung von Haftungs­obergrenzen, neue Haushalts­vorschriften und ein neues europäisches System der Banken­abwicklung).

In allen Bereichen der Finanz­kontrolle bestehen jedoch noch ungenutzte Möglichkeiten, deren Effektivität zu steigern. Besonders geeignet erscheinen beispielsweise eine spezielle Warn­pflicht der Kontroll­einrichtungen gegenüber den Allgemeinen Vertretungs­körpern (Nationalrat, Landtage, Gemeinde­räte), die Schließung noch bestehender Kontroll­lücken, die Intensivierung der Zusammen­arbeit zwischen den Einrichtungen der (öffentlichen) Finanz­kontrolle, die Stärkung der Internen Revisionen, die Verankerung eines "Comply-or-Explain-Prinzips" zu Empfehlungen des Fiskalrates, eine verbindliche Regelung des Informations­zugangs des Budget­dienstes sowie die weitere Erhöhung der Transparenz der öffentlichen Finanzen.

Helmut Berger (2015): Strategien zur Steigerung der Wirksamkeit der Finanzkontrolle, ÖHW – Das öffentliche Haushaltswesen in Österreich, Heft 3‑4, S. 1‑15.