LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:13

Das Boudoir der Damen befindet sich rechts neben dem Empfangssalon. Seine Fenster an der Hauptfassade zeigen auf den Ring hinüber zum Volksgarten, jene an der Seitenfront zur Bellariastraße geben den Blick auf das Naturhistorische Museum frei. Als Boudoir bezeichnet man jenen Raum, in den sich die Dame des Hauses zurückziehen oder in dem sie Gäste empfangen konnte. Nach einem Konzert und dem darauf folgenden opulenten Abendessen trafen sich beispielsweise die weiblichen Gäste im Boudoir, während sich die Herren im Rauch- und Spielsalon versammelten. Das Boudoir war in der Regel sehr elegant eingerichtet. Nach 1920 saßen in diesem Raum die PräsidentenInnen des Stadtschulrats für Wien. Auch das Büro des russischen Kommandanten in der Besatzungszeit nach 1945 soll sich hier befunden haben.

Wandschmuck

Farblich wird der Raum vom Weiß der Decke und des prachtvollen Ofens, sowie vom Blau der Tapete dominiert. Die Wandverkleidung, eine blaue Bespannung, ist nicht original, aber sie orientiert sich an den Farben und Farbresten, die man zu Beginn der Restaurierung freigelegt hat.

Für eine originalgetreue Nachbildung der Bespannung wurden keine Unterlagen gefunden. Daher wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt eine Stofftapete gewählt, die dem ursprünglichen Farbton entspricht und den Produkten der damaligen Zeit nahekommt.

Das Muster ist allerdings historisch nicht ganz korrekt.

Eine weitere Besonderheit stellen die Lamperien aus echten Furnieren und Holz dar.

Deckenschmuck

Aus historischen Baubeschreibungen geht hervor, dass die Decke ursprünglich bunt gewesen sein muss. Die wenigen freigelegten Fragmente ließen jedoch keinen Schluss auf die gesamte Deckengestaltung zu, daher wurde auf eine Rekonstruktion basierend auf Spekulationen verzichtet.

Geblieben sind aber die Jahreszeiten-Tondi, Allegorien in den Ecken der Decke. Sie stellen eine Nachbildung von Plastiken des klassizistischen dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen dar, dessen "Alexanderzug" sich – ebenfalls als Kopie – im Wintergarten befindet.

Im Gegensatz zu den anderen Zimmern hängt im Boudoir noch der Originalluster. Erwähnenswert wegen seiner Schönheit ist der Ofen aus weißem Carrara-Marmor, der die Initialen der Familie Epstein zeigt.