LETZTES UPDATE: 14.11.2016; 14:41
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Gedenktag: Jugendliche beschäftigen sich mit NS-Euthanasie

Das Parlament beging den Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus heuer am 4. Mai. Schon im Vorfeld haben sich SchülerInnen und Lehrlinge im Rahmen eines Jugendprojekts mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt. Im Zentrum des bereits dritten Jugendprojekts zum Gedenktag stand das Thema "NS-Euthanasie", dem sich die Jugendlichen in Workshops, Diskussionen und Exkursionen zum Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, zum Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim sowie zur Gedenkstätte "Am Steinhof" näherten.

Ziel des Jugendprojektes ist es, den Jugendlichen über die kritische Beschäftigung mit der Vergangenheit Anknüpfungspunkte im Heute und in ihrem eigenen Leben aufzuzeigen. Ihre Erlebnisse dokumentierten und verarbeiteten die Lehrlinge und SchülerInnen z. B. in Zeitungen, einer Ausstellung und einer Landkarte zur NS-Euthanasie.

NS-Euthanasie in Österreich

Mit dem Begriff "NS-Euthanasie" bezeichnet man die Ermordung von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen sowie psychisch Kranker durch die NationalsozialistInnen. Im Zuge der NS-Euthanasie wurden in Wien in einer der größten "Kinderfachabteilungen" des Deutschen Reiches knapp 800 Kinder mit Behinderung getötet, im von der Pflegeeinrichtung zur Tötungsanstalt umfunktionierten Schloss Hartheim bei Linz 18.269 "unnütze Esser", wie die NS-Machthaber sie bezeichneten, in der Gaskammer getötet.

Jugendliche diskutieren ihre Erfahrungen im Parlament

Am 3. Mai trafen sich die TeilnehmerInnen im Parlament um die Ergebnisse des Jugendprojekts zu diskutieren. Der Zeitzeuge Friedrich Zawrel berichtete den Jugendlichen zudem von seiner Kindheit in der Wiener NS-Kinderfachabteilung "Am Spiegelgrund". Am 4. stand der Besuch der Gedenkveranstaltung auf dem Programm, wobei auch die Ergebnisse des Jugendprojekts präsentiert wurden.

Beteiligt am Jugendprojekt waren heuer SchülerInnen der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am SMZ Ost/Donauspital in Wien und der HTL Steyr sowie Lehrlinge mehrerer Werkstätten von Jugend am Werk. Am 3. und 4. Mai nahm auch eine Gruppe der Hauptschule Hartkirchen an den Veranstaltungen im Parlament teil, die vergangenen Oktober die jährliche Gedenkfeier in Schloss Hartheim mitgestaltet und sich mit Biografien von Opfern befasst hat.

Anknüpfungspunkte im eigenen Leben

Die TeilnehmerInnen am Jugendprojekt versuchten im Zuge ihrer Beschäftigung mit der NS-Euthanasie, diese in Beziehung zu ihrem eigenen Leben und ihrer eigenen Umgebung zu setzen.

So beschäftigten sich die SchülerInnen aus Wien mit der Rolle des Pflegepersonals zur Zeit des Nationalsozialismus und hielten ihre Gedanken zu respektvollem und ethischem Umgang mit PatientInnen in einer Zeitung fest. Die Schüler der HTL Steyr rückten den Widerstand gegen die Euthanasie in den Mittelpunkt und erstellten neben einer Landkarte, die die Heimatorte der Jugendlichen mit den Geburtsorten von NS-Euthanasie-Opfern verknüpft, auch eine Broschüre und Biografien von acht Personen, die Widerstand gegen das Morden leisteten. Die Gruppe der Lehrlinge führte ihre Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus zu Fragen und Problemen unserer Zeit. Ihre Gedanken zu Alltagsrassismus oder dem Wert des Lebens ließen die Jugendlichen in eine kleine Ausstellung sowie die Erstellung von Werkstücken einfließen.

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