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Unterrichtsausschuss befragt ExpertInnen zu "PädagogInnenausbildung neu"

Am Dienstag, den 4. Juni 2013, hat der Unterrichtsausschuss ExpertInnen zur geplanten Neuregelung der PädagogInnenausbildung befragt. Einig waren sich die Sachverständigen darüber, dass das Gesetz viele gute Neuerungen bringen werde. Machen der im Hearing Anwesenden gingen die vorgelegten Pläne jedoch nicht weit genug, auch einige Details standen in der Kritik.

Das von Unterrichts- und Wissenschaftsministerium vorgelegte Gesetz sieht eine Vereinheitlichung der LehrerInnenausbildung vor. So sollen etwa Universitäten und Pädagogische Hochschulen (PH) künftig enger zusammenarbeiten, die Studienpläne aneinander angeglichen sowie einheitliche Aufnahmekriterien eingeführt werden.

Viel Lob von Sachverständigen

Andreas Schnider von der Pädagogischen Hochschule Wien hob in seinen Ausführungen vor allem die Angleichung der PädagogInnenausbildung für die verschiedenen Schulbereiche hervor. So würden Sonder- und Inklusiver Pädagogik von nun an für alle zukünftigen LehrerInnen zu einem Pflichtfach und Zulassungskriterien für ein Lehramtsstudium auf Universitäten und Pädagogischen Hochschulen eingeführt.

Um das Ziel der bestmöglichen Bildung für alle Kinder zu erreichen, sei es notwendig bei den LehrerInnen anzusetzen, erklärte Christiane Spiel vom Institut für angewandte Psychologie, Arbeit, Bildung und Wirtschaft von der Universität Wien. Sie sah in dem neuen Gesetz einen Schritt in diese Richtung, da es die Ausbildung der PädagogInnen in fachlicher und pädagogischer Hinsicht auf wissenschaftlich fundierte Beine stelle und auch Qualitätssicherungsmaßnahmen mit sich bringe.

Arthur Mettinger, Rektor der Fachhochschule FH Campus Wien, erwartete sich eine Steigerung der Qualität der Ausbildung durch eine Kombination der Stärken von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Er gab aber zu bedenken, dass noch viel Arbeit zu investieren sei, so etwa in der Erstellung zukünftiger Lehrpläne oder in der Frage, wo gewisse Leistungen gemeinsam angeboten werden könnten.

Dass das Gesetz mehr Durchlässigkeit zwischen Theorie und Praxis bringen werde, erwartete sich Roland Fischer von der Universität Klagenfurt. Dies sei wichtig, da bisher auf Pädagogischen Hochschulen zu wenig wissenschafts-, auf Universitäten zu wenig handlungsorientiert gearbeitet werde. Das neue Gesetz schaffe nun die Möglichkeit, die Qualität der Ausbildung und nicht die Interessen der Institutionen in den Mittelpunkt zu stellen.

Von Fraktionen geladene ExpertInnen gespalten

Als großen Sprung für Universitäten und Pädagogischen Hochschulen bezeichnete Erwin Niederwieser, Bildungsexperte der Arbeiterkammer Tirol und von der SPÖ geladen, die Pläne der Regierungsfraktionen. Er erwarte sich eine Zusammenarbeit von PH und Universitäten um eine im Kern gemeinsame Ausbildung für alle LehrerInnen zu ermöglichen. Zudem wünschte er sich für zukünftige Reformen die Ausbildung von PädagogInnen im Elementar-Bereich, also für KindergärtnerInnen, auf akademisches Niveau zu heben.

Der Vizerektor der Universität Graz, Martin Polaschek, lobte das nunmehrige Reformvorhaben, sah aber auch viel Arbeit auf die Universitäten und Pädagogischen Hochschulen zukommen. Als schwierig schätzte er z.B. die Zusammenarbeit der beiden Lehrinstitutionen aufgrund unterschiedlicher Regelungen etwa im Bereich der Studieneingangsphase oder der Anerkennung von Abschlussarbeiten ein. Die Bereitschaft der Universitäten, sich der Herausforderung zu stellen, sei jedoch groß, betonte der von der ÖVP nominierte Experte.

Als zu wenig weitgehend bezeichnete Walter Stadler vom Freiheitlichen Lehrerverein Oberösterreich die Reform. Er kritisierte unter anderem die Beibehaltung von Doppelgleisigkeiten im System mit Universitäten und PH. Zudem wünschte sich Stadler die Einführung einer österreichweiten vergleichbaren Ausbildung für alle pädagogischen Bildungseinrichtungen, da diese nicht gegeben und auch im neuen Gesetz nicht ausdrücklich festgehalten sei.

Auch Peter Fischer von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg wollte die Euphorie mancher VorrednerInnen nicht nachvollziehen. So kritisierte er das Fehlen einer echten Gleichstellung von LehrerInnen für den primären und sekundären Bildungsbereich (Volksschule bzw. Mittelschule). In diesem Zusammenhang plädierte der Experte der Grünen für eine gemeinsame Schule für alle Kinder von sechs- bis 14 Jahre und das Zusammenlegen der Zuständigkeiten in einem Ministerium.

Von einer "PädagogInnenausbildung neu" hätte sie sich größeres Eingehen auf die tatsächlichen Probleme der LehrerInnen erwartet, erklärte Andrea Offner-Koller vom Sonderpädagogischen Zentrum der Stadt Villach. Vielfach brächten Kinder heute nicht die Voraussetzungen mit, um ihren Fokus auf den Wissenserwerb zu richten. Aus diesem Grund müsse die sozial-emotionale Kompetenz der Studierenden gestärkt werden, damit sie als LehrerInnen ihre Klassen auch unterrichten können.

Regierungsvorlage gegen Stimmen der Opposition angenommen

Nach dem Hearing stimmten die Abgeordneten über die Regierungsvorlage "Bundesrahmengesetz zur Einführung einer neuen Ausbildung für Pädagoginnen und Pädagogen" ab. Diese fand die Zustimmung von SPÖ und ÖVP, ein Abänderungsantrag der Grünen Ausschussmitglieder fand keine Mehrheit.

Zum Ausschussbericht

Einen detaillierten Bericht zum ExpertInnen-Hearing im Ausschuss entnehmen Sie bitte der Parlamentskorrespondenz.

Parlamentskorrespondenz Nr. 482/2013