LETZTES UPDATE: 14.11.2016; 14:40
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BR-Enquete zum Digitalen Wandel: ExpertInnen sehen Politik gefordert

Das erste iPhone ist vor weniger als 10 Jahren auf den Markt gekommen. Mittlerweile kann man mit Smartphones alles erdenklich Mögliche machen. Und es kostet, großzügig gerechnet, 650 Dollar. 1975 hätte man für ein Produkt mit gleichen Eigenschaften nicht weniger als 65 Mrd. Dollar gezahlt. Und damit doppelt so viel wie für die erste Apollo-Mission. Darauf machte Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende des Halbleiterkonzerns Infeneon Austria, bei einer Enquete des Bundesrats zum Thema "Digitaler Wandel und Politik" aufmerksam. Über Wochen hinweg wurden auf Initiative von Bundesratspräsident Gottfried Kneifel im Rahmen eines Crowdsourcing-Projekts Ideen und Vorschläge zu diesem Bereich gesammelt. Das daraus entstandene Grünbuch bildete die Basis für die parlamentarische Enquete, an der ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft teilnahmen.

Die ExpertInnen sehen vor allem die Geschwindigkeit des digitalen Wandels als enorme Herausforderung. Anders als in der Vergangenheit habe die Gesellschaft nicht mehrere Generationen Zeit, um sich auf revolutionäre Innovationen einzustellen, gab etwa Helmut Leopold, Leiter der Abteilung Digitale Sicherheit am Austrian Institute of Technologie (AIT), zu bedenken. Die Politik agiere einfach zu langsam, meinte nicht nur der Politik- und Wirtschaftsberater Andreas Kovar. IT-Spezialist Bruno Buchberger hält es vor allem für problematisch, dass Österreich als IT-Produzent de facto nicht existiere. Er forderte verstärkte Anstrengungen, um talentierte und kreative Jugendliche aus dem Ausland an die heimischen Universitäten und Forschungsstätten zu locken, und regte an, vibrierende Zentren für technologieaffine junge Menschen zu schaffen.

Von Seiten der Politik hob Bundesratspräsident Kneifel unter anderem die Bedeutung von Bildung hervor. Digitales Lernen müsse bereits im Kindergarten beginnen, ist er überzeugt. In der Diskussion wurde außerdem die Forderung erhoben, digitale Kompetenz – neben Lesen, Rechnen und Schreiben – als vierte Kulturtechnik zu etablieren und in diesem Sinn auch verpflichtend in die Lehrerausbildung zu integrieren. Die Ergebnisse des Grünbuchs sollen nun in die "Digitale Roadmap" einfließen, wie die beiden StaatssekretärInnen Sonja Steßl und Harald Mahrer berichteten. Dabei geht es um die Entwicklung einer übergeordneten Strategie zur Förderung und Begleitung der Digitalisierung.

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