LETZTES UPDATE: 14.11.2016; 15:07
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Wahl 2016: Nicht immer wählte das Volk den Bundespräsidenten direkt

Am Sonntag, dem 22. Mai, sind die ÖsterreicherInnen dazu aufgerufen, den neuen Bundespräsidenten in einer Stichwahl zu küren. Ein gewähltes Staatsoberhaupt gibt es zwar bereits seit der Gründung der Republik 1918. Aber wussten Sie, dass das Volk den Bundespräsidenten 1951 zum ersten Mal direkt wählte? Wie die Träger des Amtes zuvor ausgewählt wurden, erfahren Sie hier!

Das erste Staatsoberhaupt der Republik war Karl Seitz. Er war formell eigentlich kein Bundespräsident. Dieses Amt war mangels einer Verfassung bis dahin noch nicht vorgesehen. Wie aber kam er zu dieser Aufgabe? Für die Antwort darauf, gilt es etwas auszuholen.

Zur Geburtsstunde der Republik bildeten alle Reichsratsabgeordneten der deutschen Wahlbezirke der untergehenden Habsburgermonarchie die Provisorische Nationalversammlung. Bei ihrem ersten Zusammentreten am 21. Oktober 1918 war die zukünftige Staatsform des neu zu gründenden Staates noch nicht klar. Noch vor der einstimmigen Entscheidung der Abgeordneten für die Republik am 12. November wählte die Nationalversammlung aber am 30. Oktober einen Staatsrat: die Regierung.

Kein Bundespräsident, aber Staatsoberhaupt

Dieser bestand aus den drei Präsidenten der Nationalversammlung – einer davon Karl Seitz – und weiteren 20 Mitgliedern aus dem Kreis der Abgeordneten. Der Staatsrat bestellte wiederum aus seiner Mitte einen „Leiter seiner Kanzlei“, also den Regierungschef bzw. Kanzler, und einen Staatsnotar. Gemeinsam mit den drei Präsidenten bildeten sie das Staatsdirektorium. Diesem stand Karl Seitz in seiner Rolle als Präsident vor. Er war somit das erste Staatsoberhaupt der österreichischen Republik und blieb es bis zum 9. Dezember 1920.

Verfassung bringt ersten Bundespräsidenten

Das von der Konstituierenden Nationalversammlung ausgearbeitete Verfassungsgesetz vom 1. Oktober 1920 sah erstmals das Amt des/der Bundespräsidenten/Bundespräsidentin vor. Die Bundesversammlung, die gemeinsame Kammer von National- und Bundesrat, sollte ihn/sie wählen. Die Amtsperiode war damals auf vier Jahre beschränkt. So einigte sich am 9. Dezember 1920 die Bundesversammlung im fünften Wahlgang auf Michael Hainisch. Abermals zum Bundespräsidenten der Ersten Republik wählten ihn die Abgeordneten und Mitglieder des Bundesrates im Jahr 1924. Er blieb bis zum 10. Dezember 1928 im Amt.

Ihm folgte – ebenfalls von der Bundesversammlung gewählt – Wilhelm Miklas nach. 1929 beschloss das Parlament eine Novellierung der Bundesverfassung. Diese führte die Direktwahl des/der Präsidenten/Präsidentin durch das Volk sowie die Verlängerung der Amtszeit auf sechs Jahre ein. Die nächste Wahl zum höchsten Amt im Staat hätte also 1934 stattfinden sollen. Die Machtübernahme des Dollfuß-Regimes und die Bildung des autoritären Ständestaates verhinderten dies. Freie Wahlen gab es nicht mehr. Wilhelm Miklas blieb dennoch bis zum sogenannten „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutschland am 13. März 1938 im Amt.

Direktwahl will nicht sofort gelingen

Erst nach der Niederwerfung des „Dritten Reichs“ durch die Alliierten und der Wiedererrichtung der nunmehrigen Zweiten Republik im Jahr 1945 sollte wieder ein Bundespräsident gewählt werden. Die Direktwahl durch das Volk war jedoch auch diesmal noch nicht möglich: Es gab zwar einen neu gewählten Nationalrat, der das Bundes-Verfassungsgesetz von 1929 wieder in Kraft setzen wollte. Die Alliierten behielten sich jedoch die Kontrolle über Gesetzesbeschlüsse vor und erkannten dies zunächst nicht an. So wählte die Bundesversammlung erneut den Bundespräsidenten: Diesmal war es der bis dahin als provisorischer Staatskanzler amtierende Karl Renner. Er sollte das Amt bis zu seinem Tod am 31. Dezember 1950 ausüben.

In Vertretung folgte ihm Bundeskanzler Leopold Figl bis zur Angelobung des ersten direkt gewählten Bundespräsidenten der Republik nach. Am 21. Juni 1951 war es soweit: Theodor Körner war nach zwei Wahlgängen als Sieger hervorgegangen. Er blieb bis zu seinem Tod am 4. Jänner 1957 im Amt.

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