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Parlamentskorrespondenz Nr. 649 vom 05.07.2006

Themenfelder:
Parlament allgemein/Epstein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Veranstaltungen/Kurt Schubert

Auszeichnung für Kurt Schubert im Palais Epstein überreicht

Doyen der Judaistik mit dem Sir Sigmund Sternberg Award ausgezeichnet

Wien (PK) – Im Rahmen der Jahrestagung des Internationalen Rates der Christen und Juden, die derzeit in Wien stattfindet, überreichte heute die Generalsekretärin der Nationalfonds, Hannah Lessing, in Vertretung von Nationalratspräsident Andreas Khol im Palais Epstein den "ICCJ Sir Sigmund Sternberg Award" an Univ.Prof. Dr. Kurt Schubert. In Anwesenheit prominenter VertreterInnen des christlich-jüdischen Dialogs hielt Prof. Dr. Stefan Schreiner die Laudatio. In seiner Dankrede sagte Schubert, seine "selbstverständliche katholische Christlichkeit" und seine Liebe zum Judentum seien "wie zwei Zahnräder, die einander bewegen", nie habe es dabei Spannungen gegeben. Er erinnerte daran, dass es ihm 1945 im Palais Epstein gelungen war, von den sowjetischen Befreiern die Wiedereröffnung der Universität Wien zu erreichen.

Das Palais Epstein bot den im mehrfacher Hinsicht geeignetsten Rahmen für die Überreichung des Preises an Kurt Schubert, den Doyen der judaistischen Studien in Wien: Im Auftrag des jüdischen Wiener Bankiers Gustav Epstein von Theophil Hansen, dem Architekten des benachbarten Parlamentsgebäudes, erbaut, ist es Zeugnis einer wechselvollen Geschichte. Im April 1945, die sowjetischen Befreier hatten kaum in dem Palais ihre Zentralkommandantur eingerichtet, verhandelte Kurt Schubert hier mit dem russischen Stadtkommandanten über die Wiedereröffnung der Wiener Universität. Schubert, der sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten betätigt hatte, trug eine rot-weiß-rote Armbinde. Auf den weißen Streifen angesprochen, da doch der rote genügen würde, antwortete Schubert, er habe gegen Hitler für den weißen Streifen gekämpft und würde auch weiter dafür kämpfen. Darauf gratulierte ihm der Kommandant und sagte ihm seine Unterstützung zu – letztlich mit dem Ergebnis der Wiedererrichtung der Wiener Universität.

1948, im Alter von 25 Jahren, erhielt Schubert die "venia legendi" und widmete sich mit Energie der Etablierung judaistischer Studien in Wien. So war Schubert der erste, der in deutscher Sprache über die Schriftrollen von Qumran publizierte. Aber erst im Jahr 1959 wurden Lehrstuhl und Institut für Judaistik eingerichtet. Schubert rief den Koordinationsausschuss für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ins Leben, war auch Gründer des Jüdischen Museums in Eisenstadt und engagierte sich in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit im Sinne einer größeren Ökumene.

Sir Sigmund Sternberg, nach dem der Preis benannt ist, gründete 1981 in London das Sternberg Centre for Judaism, das größte jüdische Kulturzentrum Europas, und ist eine der maßgeblichen Persönlichkeiten des jüdisch-christlichen Dialogs. So war er an der Vorbereitung des ersten Besuchs eines Papstes in einer jüdischen Synagoge beteiligt und trug zum Aufbau diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl bei.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments im Fotoalbum: www.parlament.gv.at (Schluss)

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