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Parlamentskorrespondenz Nr. 447 vom 05.05.2011

Themenfelder:
Parlament allgemein
Sachbereich:
Festsitzungen, Gedenkveranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Gedenktag/Klüger

Gedenktag - Ruth Klügers Gedicht aus Auschwitz

Respekt vor den Opfern, Sprache statt Gerede, Trauer statt Rührung

Wien (PK) - "Ich will über Kinder sprechen", sagte die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger am Anfang ihrer Rede zum heutigen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus. Denn sie und die anderen Überlebenden "der großen jüdischen Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts, die heutzutage die Shoah oder der Holocaust genannt wird", waren damals Kinder.  

Im Mai 1945, gleich nach Kriegsende, berichtete Ruth Klüger, habe sie zwei Gedichte, die sie im Konzentrationslager verfasst hatte, an die "Hessische Post" geschickt. Im Begleitbrief vermerkte sie stolz, "sie sei erst dreizehneinhalb Jahre alt, hätte jedoch schon mehr erlebt als andere mit fünfzig". Reime und Strophen nach dem Vorbild der klassischen deutschen Lyrik zu verfassen, lernte Ruth Klüger 1941 - "vor der Verschickung" - in Wien, als sie gezwungenermaßen schulfrei hatte und sich die Zeit in ständig wechselnden Wohnungen, "die mit verängstigten Erwachsenen vollgestopft waren", mit dem Auswendiglernen von Versen vertrieb". Im Konzentrationslager verfasste sie dann Gedichte - mangels Schreibmaterial im Kopf - und sagte sie manchmal vor anderen Häftlingen auf. "Mit der sprachlichen Kontrolle, die in solchen Kompositionen steckt", meinte sie zeigen zu können, dass sie "kein verschrecktes, bewusstloses Opfer gewesen war, sondern eine, die sich über Wasser halten und aufmerksam beobachten konnte. Also eine, die man ernst nehmen sollte und die in Zukunft mitreden wollte", erinnerte sich Ruth Klüger.

Es war das erste Mal, dass die Rednerin eines der beiden Gedichte aus dem Jahr 1944 laut vortrug. Bis heute habe sie es "vor dem salbungsvollen Mitleid bewahren wollen, das dem gesprochenen Wort zuteilwird, mehr als dem gedruckten", sagte Ruth Klüger.

DER KAMIN

Täglich hinter den Baracken

Seh ich Rauch und Feuer stehn.

Jude, beuge deinen Nacken,

Keiner hier kann dem entgehn.

Siehst du in dem Rauche nicht

Ein verzerrtes Angesicht?

Ruft es nicht voll Spott und Hohn:

Fünf Millionen berg' ich schon!

Auschwitz liegt in meiner Hand,

Alles, alles wird verbrannt.

Täglich hinterm Stacheldraht

Steigt die Sonne purpurn auf,

Doch ihr Licht wirkt öd und fad,

Bricht die andre Flamme auf.

Denn das warme Lebenslicht

Gilt in Auschwitz längst schon nicht.

Blick zur roten Flamme hin:

Einzig wahr ist der Kamin.

Auschwitz liegt in seiner Hand,

Alles, alles wird verbrannt.

Mancher lebte einst voll Grauen

Vor der drohenden Gefahr.

Heut' kann er gelassen schauen,

Bietet ruh'g sein Leben dar.

Jeder ist zermürbt von Leiden,

Keine Schönheit, keine Freuden,

Leben, Sonne, sie sind hin,

Und es lodert der Kamin.

Auschwitz liegt in seiner Hand,

Alles, alles wird verbrannt.

Hört ihr Ächzen nicht und Stöhnen,

Wie von einem, der verschied?

Und dazwischen bittres Höhnen,

Des Kamines schaurig Lied:

Keiner ist mir noch entronnen,

Keinen, keine werd ich schonen.

Und die mich gebaut als Grab

Schling ich selbst zuletzt hinab.

Auschwitz liegt in meiner Hand,

Alles, alles wird verbrannt.                            

Was in den Lagern vorging, war ihr und den anderen Kindern klar, berichtete Ruth Klüger. "Wir Kinder waren hellwach, vielleicht nie wieder so hellwach wie damals." – Es verringere den Respekt vor den Kindern und lenke von der Ungeheuerlichkeit dessen ab, was sie erlebten, wenn man von "verlorener Kindheit" oder "geraubten Spielplätzen und Spielsachen" spricht. Die Rednerin verwahrte sich auch gegen die Unterstellung, "wir hätten gar nicht gewusst, was los war, oder es sei gar nicht so arg gewesen, da man ja die Mutter dabei hatte". Solche Reaktionen reichten nicht an das Gefühl der Zwölfjährigen in Auschwitz-Birkenau und der Dreizehnjährigen in Groß-Rosen heran, das Klüger mit folgenden Worten ausdrückte: "Ich hab ein Leben, es ist meins, es hat erst angefangen, nehmt es mir nicht, es gehört mir; was ihr alles sonst genommen habt, die Wohnung, aus der wir rausgeschmissen wurden, das Geld der Eltern in der Bank und alle unsere Sachen, der schöne Garten der Großeltern, das könnt ihr alles haben, wer will das schon, ihr könnt es behalten, es ist egal, aber dieses Leben, ich gebe es nicht auf, ich hab Angst, ich will noch was lernen - und auch eine große Wut habe ich. Das war das Grundgefühl". Und wenn ich heute von Respekt rede, fügte Ruth Klüger hinzu, "meine ich nicht Respekt, den Sie vor mir, der Erwachsenen, Altgewordenen, haben sollten – den müsste ich mir schon durch eigene Leistung verdienen -, sondern den ich vor dem Kind bewahre, das ich damals war und das ganz gut denken konnte und sich trotzig bewährte und bestand."

Ihr Gedicht erschien dann verkürzt, in seiner Aussage verstümmelt und mit einer Zeichnung illustriert, "die nicht ich war, sondern der Sammelbegriff, wie so ein Kind auszusehen hatte, mit weitaufgerissenen Augen, vermutlich schreiend". In einem larmoyanten und unlogischen Kommentar hieß es in der Zeitung: "Einzelne Strophen eigneten sich nicht zur Veröffentlichung", denn sie eröffneten das ganze unbeschreibliche Elend, in das die Seele eines Kindes gestoßen wurde. – Sie hatte "auf ein Wort der Anerkennung gehofft, nun genierte sie sich aber und kam sich durch diese Veröffentlichung vereinnahmt, ja sogar an den Pranger gestellt vor", erzählte Ruth Klüger.

Frühe Holocaust-Bewältigung: Gerede und Rührseligkeit statt Trauer

Für die Überlebende des Holocaust ist es eine Verdrehung des Geschehens, "wenn man die Zeugen nicht befragt, oder, wenn man sie befragt, ihnen dann nicht zuhört, sobald sie ausführlich werden wollen, sondern den eigenen Gefühlen den Vorrang gibt." Noch lange nach dem Krieg seien selbst die erwachsenen Überlebenden und mehr noch die Kinder für unzuverlässig gehalten worden, weil angeblich zu sehr geschädigt durch das Erlebte. "Mit meinem Ärger und meiner Beschämung über diese erste Veröffentlichung hatte ich etwas Richtiges erfasst. Das Desinteresse an der Autorin, die nur eine Quelle war für die Erschütterungsfähigkeit der Herausgeber, war nicht zufällig, sondern typisch. Kinder hatten keine rechte Identität, deshalb musste man sich auch nicht für ihre Beiträge bedanken, schon in dieser frühen Phase der Erinnerung war mehr Gerede als Sprache und nicht so sehr Trauer als rührseliges Gewäsch", konstatierte Ruth Klüger.  

Während und nach dem Krieg, führte Ruth Klüger weiter aus, "hat man die Ermordung einer ganzen nichtpolitischen Zivilbevölkerung wenn nicht beiseitegeschoben, so doch irgendwie komprimiert, vielleicht weil der Gedanke unerträglich war, aber vielleicht auch, weil man mit Trauer über die Gefallenen und mit Stolz über die Politischen, die Widerstandskämpfer im KZ, reden konnte - aber was ließ sich schon über jüdische Hausfrauen und Kinder sagen, als dass sie Pech gehabt hatten?"

Wie starb Anne Frank?

"Als dann in den fünfziger Jahren mit Anne Frank ein ermordetes Kind lebhaft vor das Auge der Öffentlichkeit trat, musste sich mit ihr niemand auseinandersetzen, weil sie keine Überlebende war. Man musste sich nicht einmal mit den KZ-Erfahrungen Anne Franks auseinandersetzen, denn das Tagebuch handelt nicht davon, sondern vom Versteck vor ihrer Verschleppung. Der enorme Erfolg des Buches hing vom Wissen ab, dass Anne Frank ein Opfer des Massenmords war, aber gerade das machte es möglich, ihre überaus scharfsinnigen Aufzeichnungen zu sentimentalisieren. Sie war ein Opfer, vor dem man nicht zurückschrecken musste. Was ihr nach dem Versteck im Amsterdamer Hinterhaus zustieß, wurde erst Jahre nach der Veröffentlichung des Tagebuchs recherchiert und die Details, die zu ihrem Tod führten, wurden nie so bekannt und hatten nie dieselbe Ausstrahlung wie ihre eigenen Worte über das enge Zusammenleben vor der Entdeckung. Man konnte sie beweinen und man konnte bereuen. Die Vorstellung ihrer Verschickung und ihres frühen Todes konnte man dazu denken oder auslassen, mit so vielen oder so wenigen Einzelheiten, wie man wollte. Von ihr kam keine Gegenrede mehr - und doch hat sie es mit ihrem schriftstellerischen Talent und ihrer akuten Beobachtungsgabe allen Kindern von damals leichter gemacht zu sprechen und gehört zu werden."

Wie Unfassbares verdrängt wird     

"Vergessen", "erinnern", "verzeihen" seien die Wörter, "die uns immer einfallen, wenn wir über das Gedenken an die Shoah sprechen", sagte Ruth Klüger und zitierte – hier in Wien – Sigmund Freud, um "versuchsweise" ein anderes Wort einzuführen. Freud hat die "Verdrängung" als einen Prozess beschrieben, in dem "ein Mensch, der mit dem, was ihm oder ihr zugestoßen ist (oder was er getan hat) nicht zurechtkommt, es auf eine Weise beiseiteschiebt, die es nicht etwa zerstört – denn das geht nicht – es aber so aufbewahrt, dass es sich nicht dem Bewusstsein und der in solchen Fällen hilflos gewordenen Vernunft zur Verfügung stellt".

Aber nicht nur der Einzelne, auch eine Gesellschaft kann Teile ihrer Vergangenheit verdrängen, meinte Ruth Klüger. Der Versuch, das Geschehene zu vergessen, gelinge nicht, weil das, was geschehen ist, nicht verschwindet, "es geistert nur", formulierte die Autorin. Man leugnet und verdrängt, womit man nicht fertig wird, schiebt es beiseite, das Beiseitegeschobene bleibt aber "nachbarlich anwesend". Streitet man es pauschal ab, wird man entlarvt, daher waren die Holocaustleugner von Anfang an unglaubwürdig, sagte Klüger, weil das Beweismaterial überwältigend war. "Der Massenmord war keine verborgene Leiche im Keller. Er war nicht zu übersehen".

Aber auch jene, die die Faktizität des Geschehenen anerkennen, versuchen, es so zu deuten, dass es erträglich wird, verfälschen und entschärfen es, zum Beispiel durch Sentimentalisieren. Das betreffe vor allem Kinder, tote wie überlebende. "Ein weinerliches, rückgewandtes Mitgefühl nimmt dem Entsetzen über das Vorgefallene den Stachel und verwandelt es in eine Stärkung der eigenen moralischen Überlegenheit".

Zeugen wurden verfremdet und angefeindet, berichtete Ruth Klüger. "Wenn wir Kinder die Geschichte unserer Jahre unter den Nazis anders erzählten, als es sich die Erwachsenen zurecht gelegt hatten oder unerwünschte Fragen über das Verhalten eben dieser Erwachsenen stellten, dann wurde man, wenn man Glück hatte, nicht ernst genommen und beiseite geschoben ("verdrängt"), mundtot gemacht, weil man annahm, dass wir nicht genug wissen konnten und sowieso keine Meinung zu haben hatten; oder wir wurden sogar beschimpft: "Du hast’s faustdick hinter den Ohren", sagte mir eine Deutsche verächtlich noch in den frühen fünfziger Jahren, berichtete Ruth Klüger. Man hat die Opfer seither zu Märtyrern stilisiert. Daran dachte man anfangs noch nicht. Auch das nannte Ruth Klüger "eine Form der Verdrängung, indem man der äußersten Sinnlosigkeit einen Sinn abgewinnt."

Die Motive der Massenmörder: Menschenhass und Menschenverachtung

Eine andere Art der Bewältigung, die der Verdrängung Vorschub leistet, ist die Relativierung. "Wir reihen das Verbrechen ein, finden ihm einen Platz in der Geschichte der Untaten. Doch das Ausmaß des Holocaust sprengt alle Rahmen und Raster", hielt die Zeitzeugin demgegenüber fest. Dabei wies sie auf das "Euthanasieprogramms" hin, das "am Anfang des großen Blutbads stattfand und es von anderen Massakern durch den Aspekt der nationalen oder völkischen Selbstzerfleischung unterscheidet". Seine Opfer wurden in die unerhörte Kategorie "unnütze Esser" eingestuft. Die ersten experimentellen Gaskammern kann man in der Gedächtnisstätte Hartheim bei Linz besichtigen, wo Behinderte aus dem eigenen Volk, Deutsche und Österreicher, von ihren Landsleuten beseitigt wurden, darunter auch viele Kinder, behinderte, autistische oder auch nur schwer erziehbare Kinder, die Krach in der Schule gemacht haben.

"Unnütze Esser": Man habe den eigenen Kindern den Bissen im Mund nicht gegönnt. Entgegen dem normalen Instinkt, Kinder zu beschützen und ihnen zu helfen, wurden während der Naziherrschaft nicht nur "andersrassige" Kinder getötet, sondern auch sehr viele eigene Kinder. Hier setzt Ruth Klügers Verständnis aus. Denn Schoßhunde waren auch unnütze Esser, wurden im Nazi-Europa aber nicht vernichtet. Haustiere waren nicht verboten – obwohl man ihnen zu essen geben musste. Was sich als Sparsamkeit und notwendige Maßnahme zur Erhaltung der Rassenzucht tarnte und in den Massenmord an Zivilisten mündete, war laut Klüger "in Wahrheit Menschenhass und Menschenverachtung, die man mit Schlagwörtern wie 'niemals wieder', mit Mahnmalen, Sühnezeichen oder Gedenktagen, wie wir hier einen abhalten, nicht in den Griff bekommt". 

Das schöne und berühmte jüdische Sprichwort "Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt" gelte nicht angesichts des Massenmords, den sie als eine von wenigen überlebt hat. "Unzählige tapfere Menschen haben gefährdete Kinder gerettet und verdienen es, dass wir sie ehren und feiern, aber eine Welt, in der ein Kind leben bleibt und neunhundertneunundneunzig Kinder mit voller Absicht ermordet werden, eine solche Welt ist nicht 'gerettet'", hielt Ruth Klüger entschieden fest. Sie kenne keine Erleichterung - ihr Überleben wiegt das Grausen am Mord ihrer Altersgenossen nicht auf und widerlegt es nicht. "Solche Widersprüche bleiben für meinesgleichen im Gedächtnis eintätowiert".

Der Völkermord bleibt unbegreiflich und unerklärbar

"Wie kam es zum Völkermord?" - Der Kern der Sache bleibt für Ruth Klüger unbegreiflich. Wir brauchen all die nüchtern  wissenschaftlichen und passioniert dichterischen Analysen, die  seither erschienen sind. Aber sie genügen nicht. Wirtschaftliche Gründe reichten nicht hin, denn es gab ärmere Länder, wo so etwas nicht passierte. Unwissenheit erklärt die Handlungsweise der Täter nicht, denn sie hatten ein relativ hohes Bildungsniveau. Sie waren keine Analphabeten und hatten entweder eine religiöse oder eine humanistische Erziehung gehabt, die leider nicht standhielt. Dass sie aus einer Gesellschaft kamen, die fünfzehn oder zwanzig Jahre zuvor einen Krieg verloren hatte, erklärt diese Umkehrung aller Werte mitten in Europa nicht, denn Verlierer gibt es in jedem Krieg.

"Weder andächtiges Schweigen noch Reue, Andacht oder auch Hass und Verachtung geben uns Antwort auf die Fragen, die die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts uns stellt. Und so belassen wir es bei der festen Überzeugung, dass jetzt alles anders ist. Das stimmt sogar, ich muss mich nur umschauen und das Wien meiner Kindheit denken", sagte Klüger. "Es war eine düstere, feindselige Stadt, wo man als Jude wie in einem Belagerungszustand vegetierte, wo ich alles verlor, auch den Vater und den Bruder und schließlich in den Tod abtransportiert wurde, dem ich dann ausnahmsweise entging, bin ich heute hier willkommen, ich darf sogar im Parlament darüber sprechen." Dennoch bleiben für Ruth Klüger viele Fragen offen: Wo und was sind die Quellen des Damals und des Jetzt? - Was hat sich im Denken geändert? - Was der Ursprung des Genozids war und wie der Holocaust möglich war, bleibt für Ruth Klüger ein ungelöstes Rätsel.

Das Zwiespältige der menschlichen Freiheit

Die Autorin spricht vom Rätsel der menschlichen Freiheit: "Wir sind nicht vorprogrammiert, ein Rechtsstaat bleibt nicht unbedingt ein Rechtsstaat, seine Bewohner können ihre Vorstellungen und Absichten jederzeit auch anders überlegen. Meistens sind wir stolz auf dieses Selbstbestimmungsvermögen und meinen, es führt zum Fortschritt und zum Guten. Manchmal führt es ins abgrundtief Böse. Der Holocaust gähnt wie ein schwarzes Loch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Ich habe im Laufe eines langen Lebens einiges darüber gelesen, auch ein bisschen darüber geschrieben, bin aber zu keinen Schlussfolgerungen gekommen und fand gewiss keinen Trost."

Am Schluss ihrer Rede zum Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus und Rassismus entlässt Ruth Klüger die Zuhörer dennoch nicht ohne Hoffnung, "dass weiteres Forschen, Dichten, Nachdenken und Diskutieren zu einer Erhellung unseres Tuns und Lassens und der Möglichkeiten und Grenzen unserer zwielichtigen, zweideutigen und zwiespältigen menschlichen Freiheit" führen mögen.

Die Autorin, Essayistin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger

Die international renommierte Autorin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger wurde 1931 in Wien geboren. Sie stammt aus einer jüdischen Familie, wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft deportiert, überlebte die Internierung in verschiedene Konzentrationslager und wanderte 1947 in die USA aus, wo sie Anglistik und Germanistik studierte und an mehreren Universitäten deutsche Sprache und Literatur unterrichtete.

Ruth Klüger wurde vor allem durch ihre in viele Sprachen übersetzte Biographie "weiter leben. Eine Jugend" (Göttingen 1992) bekannt. Sie schrieb auch "Frauen lesen anders. Essays", "Katastrophen. Über deutsche Literatur", "Gemalte Fensterscheiben. Über Lyrik", "Gelesene Wirklichkeit. Fakten und Fiktionen in der Literatur", "unterwegs verloren. Erinnerungen", "Was Frauen schreiben" und vieles mehr. Ruth Klüger ist Trägerin zahlreicher Auszeichnungen.

(Schluss Gedenkveranstaltung)

HINWEIS: Fotos von diesem Besuch/dieser Veranstaltung finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at) im Fotoalbum.