BundesratStenographisches Protokoll814. Sitzung / Seite 48

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Vizepräsidentin Mag. Susanne Kurz: Als Nächste gelangt Frau Bundesrätin Mag. Duz­dar zu Wort. – Bitte.

 


11.14.19

Bundesrätin Mag. Muna Duzdar (SPÖ, Wien): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen! Bei diesen heuti­gen Tagesordnungspunkten geht es um eine Reihe von Kulturabkommen, die wir be­schließen und die in Wirklichkeit dazu dienen, den kulturellen Austausch zu vertiefen, aber es geht vor allem auch um die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verleihung von Kulturgütern und Kulturschätzen.

Konkret – es ist schon gesagt worden – geht es dabei um ein Abkommen mit Mexiko, und es ist eben sehr erfreulich, dass wir mit diesem Abkommen heute einen langjäh­rigen Streit zwischen Österreich und Mexiko beilegen, bei dem es um die sogenannte Federkrone des letzten Hohepriesters der Azteken geht. Und wenn heute gesagt wurde, dass diese Krone Österreich gehört, so muss man schon auch dazusagen, dass das historisch umstritten ist, das ist eine Frage für Historiker. Tatsache ist, dass es natürlich schon seit Jahren ein Anliegen von Mexiko ist, diese Krone auch in den dortigen Museen ausstellen zu dürfen.

In diesem Zusammenhang hat es ja in den letzten Jahren schon viele Diskussionen gegeben. Vonseiten meiner Fraktion ist man auch immer dafür eingetreten, dass man diese Krone zurückgeben soll, weil sie eben auch für die Ureinwohner Mexikos eine sehr starke und spirituelle Bedeutung hat. Und ich glaube, dass wir dabei auch nicht vergessen dürfen, dass Mexiko das erste Land war, das 1938 gegen die Okkupation Österreichs durch Nazi-Deutschland protestiert hat. Ich denke, dass das bei unserer Beurteilung und Bewertung auch eine Rolle spielen sollte.

Es ist daher begrüßenswert, dass sich eben beide Regierungen jetzt einmal auf ein vorbildhaftes Rahmenabkommen geeinigt haben, das den gegenseitigen befristeten Leihverkehr von Kulturgütern regelt.

Dieses Abkommen wird bestimmt auch in vielen anderen Ländern internationale Auf­merksamkeit auf sich ziehen, denn wie Sie ja wissen, ist es in vielen europäischen Staaten so, dass sich in den dortigen Museen Objekte befinden, die – das muss man offen dazusagen – unter teils sehr fragwürdigen Umständen in deren Besitz gelangt sind. Wir wissen, dass – historisch gesehen – europäische Staaten in vielen Teilen der Welt Kolonien hatten – in Afrika, in Asien beispielsweise – und Kulturschätze aus die­sen Teilen der Welt oftmals ohne Zustimmung der dort lebenden Bevölkerungen weg­gekommen sind. Insofern ist es eben sehr begrüßenswert, dass wir heute mit diesem Kulturabkommen Vorbildwirkung haben.

Bei dem Kulturabkommen mit Albanien geht es um einen ähnlich gelagerten Sachver­halt. Hier hat Albanien das Schwert – das ist vom Kollegen Köberl schon gesagt wor­den – und den Helm des albanischen Nationalhelden Skanderbeg gefordert, und der Herr Staatssekretär hat angekündigt, dass wir eben das Schwert und den Helm für die 100-Jahr-Feier der Unabhängigkeit Albaniens für eine Ausstellung in Tirana als Leihga­be zur Verfügung stellen. Das ist äußerst begrüßenswert. Der Prunkhelm wird daher von der Wiener Hofjagd- und Rüstkammer für die Feierlichkeiten an Albanien verliehen werden.

Dies ist, glaube ich, ein Abkommen, das für die europäischen Länder sehr vorbildhaft ist. Man kann damit auch klar und deutlich zeigen, dass man mit Konflikten dieser Art so umgehen kann, dass Kulturschätze eben beide Staaten, die diese Kulturschätze für sich beanspruchen, nutzen können, und dass solche Kulturgüter Anlass sein können für Kooperationen, von denen letztlich beide Staaten etwas haben. – Insofern wird mei­ne Fraktion dieses Kulturabkommen und die anderen dieser Reihe von Kulturabkom­men natürlich mittragen.

 


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