BundesratStenographisches Protokoll830. Sitzung / Seite 19

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das habe ich schon beantwortet –, dass Ärztinnen und Ärzte gute Bedingungen vor­finden, ihren ärztlichen Beruf auch in der Region auszuüben. Das braucht mehr als nur eine Maßnahme.

Es ist zunächst auf der Ebene der Ausbildung wichtig, dass die Ärzte für diese Aufgabe vorbereitet sind.

Das Zweite, das notwendig ist, scheint mir zu sein, dass wir gerade in der Primärver­sorgung die Kooperationsform für gute gesundheitliche Versorgung der Menschen in der Region sicherstellen können. Da gibt es Antworten auch aus der Gesundheits­reform dahin gehend, die Primärversorgung zu stärken. Aus meiner Sicht ist es auch wichtig, die Lebensqualität insbesondere im ländlichen Raum für Akademikerinnen und Akademiker zu verbessern. Das braucht Anstrengungen in vielerlei Hinsicht. Das be­ginnt beim Kindergarten und geht auch in die Richtung, gute Schulen und dergleichen anzubieten, eine gute Infrastruktur vor Ort zu haben.

Es sind viele Ebenen, die hier angesprochen worden sind, und ich sage es noch ein­mal, denn das ist schon etwas Besonderes: Ich will nicht die Kommunikation der Ärzte­kammer nachbeten. Wir haben in Österreich im internationalen Vergleich eine hohe Ärztedichte! Wir haben auch eine hohe Krankenhausdichte. Das heißt, diese pauscha­le Formulierung, wir hätten einen Ärztemangel, kann man so generell nicht nachvoll­ziehen.

 


Präsident Michael Lampel: Da ich annehme, dass eine Zusatzfrage gewünscht wird, bitte ich Sie, diese zu stellen.

 


Bundesrätin Dr. Heidelinde Reiter (Grüne, Salzburg): Seekirchen hat eine gute Kin­derbetreuung, hat entsprechende Schulen und eine Infrastruktur, die es Ärzten durch­aus ermöglichen sollte, auch ihre Kinder zum Beispiel entsprechend zu versorgen, und trotzdem gelingt es dort nicht, eine Hausarztstelle zu besetzen.

Deshalb meine Frage: Wie schaut es konkret mit Modellen wie Jobsharing oder Anstel­lung von Ärzten aus? Also ganz konkret: Welche Möglichkeiten gibt es dort, für den Hausarzt die berufliche Situation zu verbessern?

 


Präsident Michael Lampel: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Gesundheit Alois Stöger, diplômé: Es gibt viele Modelle. Job­sharing-Praxen sind möglich, sind auch schon vorgesehen, und es gibt damit gute Erfahrungen. Ich glaube, wir brauchen einen Mix aus vielen Maßnahmen, wo wir Ärz­tinnen und Ärzten die Chance geben, dort auch Gemeinschaftspraxen zu haben. Ich habe hier ja die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessert, sodass solche Modelle möglich sind. Vor allem aber sollte da die Ärztekammer mehr tun als nur jammern, sie sollte auch den jungen Ärztinnen und Ärzten etwas anbieten. Zum Beispiel wäre es auch sinnvoll, Räume für Praxen anzubieten. Da kann man viel tun.

Ich glaube, dass das Instrument mit den Gesamtverträgen, dass Ärztekammer und Krankenkassen miteinander in Kenntnis der regionalen Situation sich bemühen, hier Angebote zu schaffen, der bessere Weg ist.

Letztendlich brauchen wir Ärztinnen und Ärzte, die bereit sind, in die Allgemeinmedizin zu gehen. Wir brauchen Ärztinnen und Ärzte, die nicht nur für die Forschung ausgebil­det sind – auch das ist wichtig. Wir brauchen aber auch Ärztinnen und Ärzte, die bereit sind, für chronische Erkrankungen ein ärztliches Angebot zu leisten. Das aber ist in der Ausbildung, vor allem auch in der wissenschaftlichen Ausbildung zu kurz gekommen.

Ich habe mich und werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass wir an den Uni­versitäten das Thema Versorgungsforschung verstärkt in den Vordergrund stellen, dass wir die Rolle der Allgemeinmedizin insgesamt stärken. Ein kleiner Beitrag wird die


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