wir wollen, stellen wir eigentlich nie die Frage: Wollen wir unsere Kinder vielleicht selbst erziehen?
Ganz lange Zeit haben die Feministinnen versucht, die Frauenpolitik über die Familienpolitik mit zu beeinflussen. Sie haben lediglich danach gefragt, wie die Frau frei werden kann. Das bedeutet, sie muss so schnell wie möglich wieder auf den Arbeitsmarkt zurück, berufstätig sein, dann ist sie finanziell unabhängig und auch vom Mann unabhängig. Wie sieht es zum Beispiel heute aus? Heute – das haben Sie auch sehr eindrücklich gesagt – spielt die Arbeitsmarktpolitik eine große Rolle, die mit in die Familienpolitik hineinspielt. Heute ist es so, dass wir uns die Frage stellen sollten: Wie bringen wir das alles unter einen Hut? Wann bringen wir die Kinder auf die Welt – es ist nach wie vor so, dass das nur die Frauen können –, und wie können dem Arbeitsmarkt so schnell wie möglich die Fachkräfte, die mittlerweile auch die Frauen sind, wieder zur Verfügung stehen? Das heißt: Kind bekommen, das Kind so schnell wie möglich in Erziehungsobhut geben, um so schnell wie möglich wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.
Der Wunsch, Kinder in den ersten drei Lebensjahren zum Beispiel selbst zu erziehen, bei den Kindern zu Hause zu bleiben – und das freut mich ganz besonders; ich komme aus einer eher kleineren Gemeinde, einem kleineren Bundesland, wo dieser städtische Bereich nicht so stark verankert ist –, ist bei den jungen Frauen wieder ganz, ganz stark vorhanden. Sie wollen auch nicht nur ein Kind, sondern mehrere Kinder, und auch die jungen Männer sind durchaus bereit, sich mit einzubringen. Der Wunsch ist wieder da. Ohne dass Sie jetzt das Gesicht verziehen, Frau Kollegin (in Richtung Bundesrätin Schreyer), es ist so, dass es Frauen gibt, die gerne Kinder bekommen, die ihre Kinder gerne zu Hause erziehen möchten, und für diese Kinder haben wir ebenfalls zu sorgen, für diese Familien haben wir ebenfalls zu sorgen. Diese Familien müssen wir finanziell genauso absichern wie die Betreuungseinrichtungen, die, um das noch einmal zu wiederholen, selbstverständlich wichtig und notwendig sind.
Wenn man nach Deutschland schaut, dann weiß man, dass dort zum Beispiel für Kinder ab dem ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch besteht, einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen. Dieser Krippenplatz kostet zirka 1 200 €, und im Laufe der Zeit, bis ein Kind quasi in die Schule kommt, werden pro Kind zirka 100 000 € in Krippenplätze, in Betreuungseinrichtungen investiert. Es gibt ganz klar Familien, die sagen: Gebt dieses Geld jenen Familien, die sich entscheiden, die Erziehung selbst zu Hause in die Hand zu nehmen, und lagert die Erziehung unserer Kinder nicht oder nicht nur aus!
Ich glaube, auch das wäre ein Ansatz, um eventuell vielleicht wieder ein anderes Gesellschaftsgefühl, ein Pro-Kind- oder Pro-Familien-Gefühl zu vermitteln. (Beifall bei der FPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)
10.28
Präsident Michael Lampel: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Bundesrat Schreuder. Ich erteile es ihm.
10.28
Bundesrat Marco Schreuder (Grüne, Wien): Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Besucher und Besucherinnen! Wenn wir über Familienpolitik sprechen, dann gibt es natürlich ein so weites Feld an Besprechbarem, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen und aufhören soll. Wenn man nur 5 Minuten Zeit zur Verfügung hat, weil dann schon dieses Lamperl leuchtet, dann weiß man erst recht nicht, wo man den Schwerpunkt setzen soll.
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