Ich möchte in diesem Zusammenhang dem Herrn Bundesminister auch für die unaufgeregte und sachliche Art danken. Du hast es auch in deinem früheren Job schon so gemacht. Wir kennen das von dort, nicht erst seit deinem Eintritt in die Bundesregierung. Du stehst eigentlich immer für eine lückenlose Aufklärung und auch für transparente Vorgänge und Vorgehensweisen. Das hast du früher schon so gemacht und das bestätigst du auch jetzt wieder. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)
Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, wir sind also in keiner Staatsschutzkrise. Keine Aufregung! Das BVT leistet auch hervorragende Arbeit. Überhaupt arbeiten unsere Sicherheitsbehörden täglich im Interesse und für die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher. Um noch einmal auf den englischen Philosophen zurückzukommen: mehr Wissen, weniger Hitze und weniger Aufregung. – Danke. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)
15.29
Vizepräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Martin Weber. – Bitte, Herr Bundesrat.
15.30
Bundesrat Martin Weber (SPÖ, Steiermark): Werte Frau Präsidentin! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer derzeit den Atem anhält, weiß ich nicht, kann ich nicht beantworten und ist fürs Thema auch nicht so relevant. Ich hoffe, dass jeder trotzdem Luft bekommt. (Ruf bei der ÖVP: Ja, gut sogar!)
Lieber Magnus! Aber es geht bei diesem konkreten Thema nicht nur um den Verdacht oder um den Vorwurf des Löschens oder des Nichtlöschens von Daten. Was sich in den letzten zwei Wochen in Österreich abgespielt hat, war ein spektakulärer, hochspannender Krimi; zumindest die Bestandteile davon hat es gegeben. In Wahrheit ist es ein Höhepunkt eines eskalierten Polizei- und leider auch Justizskandals. (Bundesrat Krusche: Wieso? Hat es Tote gegeben?) Dieser Skandal gefährdet die innere Sicherheit Österreichs und erschüttert auch massiv im Besonderen das Ansehen des Rechtsstaats Österreich. (Zwischenrufe bei der ÖVP.)
Liebe Damen und Herren! Es geht dabei um einen unverhältnismäßigen, beispiellosen Polizeieinsatz. Der Vorredner hat gesagt (Bundesrat Rösch: Was genau?), es war ein ganz normaler Vorgang. (Bundesrat Rösch: Was genau?) Rund 60 angeblich schwer bewaffnete, mit schusssicheren Westen ausgestattete Beamte stürmen ein Amtsgebäude der Exekutive und mehrere Privatwohnungen (Bundesrätin Mühlwerth: Also was jetzt? Angeblich oder wirklich? – weitere Zwischenrufe), eine unzuständige angebliche Rambo-Truppe laut Medienberichten (Bundesrat Rösch: Das ist alles beantwortet worden!), die für dieses Thema gar nicht zuständig ist. (Bundesrat Krusche: Wie viele Tote hat es denn gegeben? – Heiterkeit bei der FPÖ.)
Bei diesen Hausdurchsuchungen wurden zahlreiche Datensätze und Ordner (Bundesrat Rösch: Die Rede ist schon alt!) beschlagnahmt, mitgenommen und kopiert; auch Daten – und das ist hochinteressant – über Rechtsextreme und auch Daten über einen aktuellen Neonazifall wurden dabei angeblich beschlagnahmt.
Besonders hochbedeutend ist: Mitgenommen wurden dabei nicht nur Daten von Beschuldigten in dieser Causa, auch nicht nur Material, das in Zusammenhang mit diesen Verdachtsmomenten stehen könnte, beschlagnahmt wurden auch private Daten einer Leiterin des Extremismusreferats. Sie wird in diesem laufenden Verfahren lediglich als Zeugin geführt, nicht als Beschuldigte. Bei ihr laufen von Amts wegen fast sämtliche Fälle betreffend Rechtsextremismus, und hierbei vor allem auch zu den Burschenschaften und zu den Identitären, zusammen. Man könnte sagen, diese Referatsleiterin ist die oberste Nazijägerin in Österreich.
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