BundesratStenographisches Protokoll883. Sitzung, 883. Sitzung des Bundesrates am 12. Juli 2018 / Seite 20

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gruppe, deren Anbringung ich mir erlaubt habe in der Wirtschaftskammer zu beantra­gen, was dankenswerterweise auch umgesetzt wurde.

An dritter Stelle der Aktualität ein Forscher aus den Geisteswissenschaften, um zu zei­gen, dass auch Geisteswissenschaften Publizitätskraft haben: der Vielschreiber und in­ternational hoch angesehene Fakultätsvorstand im Institut Osteuropäische Geschichte Oliver Jens Schmitt, der vor Kurzem eine Monographie über Albanien verfasst hat, die sogar die albanische Regierung zu Repliken veranlasst hat. Er hat über Skanderbeg geschrieben und hat diesem Skanderbeg praktisch das Kleid ausgezogen. Seine Mo­nographien und wissenschaftlichen Aufsätze sind wie gesagt ein Beispiel dafür, dass die Geisteswissenschaften sehr wohl Potenzial haben und international auch als Grund­lagenforschung apostrophiert werden können.

Zum Schluss darf ich sagen, der Wissenschaftsstandort Österreich als Erfolgsmodell bedarf ständiger Aufmerksamkeit und muss selbst zum permanenten Innovator im Schum­peter’schen Sinne werden. Zugleich ist ein funktionierender Wirtschaftsstandort auch identitätsstiftend – für Österreich als kleines Land ganz wichtig. Alle Voraussetzungen für einen Erfolg sind vorhanden. Alles Gute, Herr Minister! (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

9.45


Präsidentin Inge Posch-Gruska: Danke schön.

Für eine erste Stellungnahme hat sich der Herr Bundesminister für Bildung, Wissen­schaft und Forschung zu Wort gemeldet. – Bitte sehr.


9.45.18

Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung Dr. Heinz Faßmann: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Mitglieder des Bundesrates! Sehr geehrte Vorrednerinnen und Vorredner! Herzlichen Dank für Ihre Statements. Frau Mag. Schulz, danke für Ihre elegante Weiterleitung der Wünsche der Johannes Kepler Universität. Ich glaube, Sie sind eine gute Vertreterin Ihres Bundeslandes, und die Botschaft, die Sie hier gesendet haben, ist auch angekommen. (Heiterkeit und Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Sehr geehrte Frau Präsidentin, danke auch für Ihre Einleitungsrede. Ich teile vollkom­men Ihren Stolz auf die Entwicklung der österreichischen Bildungslandschaft. Wir ha­ben flächig verteilte Volksschulen, die für eine solide Grundlage der Qualifikationsent­wicklung unserer Kinder sorgen. Wir haben hervorragend aufgestellte berufsbildende mittlere und höhere Schulen, die nicht nur für eine theoretische Ausbildung sorgen, sondern auch für eine praktische Ausbildung. Wir haben ein gut entwickeltes duales System der gewerblichen Ausbildung, welches für eine vergleichsweise niedrige Ju­gendarbeitslosigkeit in Österreich sorgt und gerade für Jugendliche mit Migrationshin­tergrund das Hineinwachsen in die Mehrheitsgesellschaft erlaubt und fördert. Wir ha­ben unsere Gymnasien, die – das sage ich offen – vergleichsweise billig sind und für ausgezeichnet ausgebildete Absolventen und Absolventinnen sorgen. Wir haben unse­re Fachhochschulen, denen es auch hervorragend gelungen ist, eine neue Form der akademischen Ausbildung zu entwickeln. Und wir haben unsere Universitäten, die so­wohl in der Grundlagenforschung als auch in der Lehre ihr Bestes geben und auch in der Vergangenheit für eine erhebliche soziale Mobilität gesorgt haben.

Ich finde kein Argument, um in den Chor jener einzustimmen, die manchmal den Abriss unseres Bildungssystems und eine Neuerrichtung fordern. Ich bin für das Renovieren dort, wo es notwendig ist, aber nicht für das, was eben aufgrund eines manchmal vor­herrschenden politischen Populismus so leicht über die Lippen geht: Alles ist schlecht, es gehört abgerissen und neu errichtet! Das, glaube ich, trifft nicht auf das österreichi­sche Bildungssystem zu. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

 


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