BundesratStenographisches Protokoll886. Sitzung, 886. Sitzung des Bundesrates am 6. Dezember 2018 / Seite 84

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Galerie! Herr Kollege Mag. Pisec, wenn Wien so schlecht ist – und die Korrektur hat Herr Reinhard Todt richtig gemacht –, warum bleiben Sie denn dann in Wien? Warum arbeiten Sie hier in Wien und sind nicht längst schon woanders? (Rufe bei der FPÖ: Trotz der SPÖ! – Bundesrätin Mühlwerth: Ja, weil wir’s ja besser machen wollen!) Ja, das glaube ich Ihnen sogar. (Anhaltende Zwischenrufe bei der FPÖ.) – Dass Sie wol­len, glaube ich, aber Sie werden die Möglichkeit nicht erhalten. (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Beim Tourismus- und Freizeitbericht 2017 handelt es sich natürlich um einen Erfolgsbericht, Frau Ministerin. Das ist richtig. Es sind tüchtige Leute am Werk. Es geht um diese Felder der Landschaft, unserer Angebote und um das Feld der Arbeit, des Arbeitsmarktes, der Unternehmer und der Beschäftigten. Wir haben von den Vorrednern schon Zahlen und Fakten erhalten. Man kann aber bei all diesen Feldern natürlich auch noch etwas dazusagen. Der Mensch im Tourismus ist sehr wichtig. Die ÖsterreicherInnen oder auch diejenigen aus den benachbarten Län­dern, die mithelfen, machen hier in Österreich in den Betrieben, in der Freizeitwirtschaft einen guten Job, ansonsten könnten wir diese Bilanz im Jahr nicht ziehen.

Gastfreundschaft wird in Österreich sehr großgeschrieben und auch hochgehalten. Ich glaube, das ist in Österreich auch eines der wichtigsten Dinge für den Erfolg dieser Branche, die wahrscheinlich nicht ganz abgrenzbar ist. Man darf es aber nicht unter­schätzen, denn 8,6 oder 8,7 Prozent des BIP, des Bruttoinlandsprodukts, sind schon ein großer Beitrag hier in unserem schönen Österreich.

Schlimm ist die Auswirkung, dass – und das haben die Kollegen bereits gesagt – von den rund 210 000 Beschäftigten im Tourismus nur etwa die Hälfte Österreicher sind. Kollege Novak hat schon ausgeführt, dass man darüber wirklich nachdenken muss, und ich glaube, dass in dem Masterplan auch einiges drinnen ist und beraten wird, wie man etwa junge Menschen in diese Branche bringt, aber dann auch später in dieser Branche halten kann. Es gibt vieles, das schon angesprochen wurde, aber das Schlimmste bei uns ist wirklich – man erfährt das, wenn man etwa mit Menschen in der Hotelfachschule Bad Gleichenberg spricht, und es wurde auch hier schon gesagt –: Wir haben eine Topausbildung, wenn aber viele von diesen jungen Menschen sofort in eine andere Branche wandern, ist das ein Problem.

Wir haben bei den Beschäftigten einen sehr, sehr hohen Frauenanteil und – besorgnis­erregend – einen großen Anteil an geringfügiger beziehungsweise prozentueller Be­schäftigung. Die Maßnahmen, die gesetzt wurden, zielen darauf ab, dass man das ein bisschen regeln kann. Es gibt Betriebe im ländlichen Bereich, die davon stark betroffen sind, aber es gibt auch Betriebe, die ihr Bettenangebot nicht zur Gänze ausnutzen kön­nen, weil das Personal fehlt. Das heißt, die Umstände sind sehr, sehr gut, dass wir noch mehr im Tourismus erwirtschaften könnten, wir haben aber das Personal dafür nicht. Das ist eine sehr, sehr dringende Frage, die zu lösen ist.

Das zweite Problem sehen wir im ländlichen Bereich, wo es viele Gemeinden gibt, in denen überhaupt keine Gaststätten mehr sind – eine Gemeinde mit 3 000, 4 000 Ein­wohnern, eine kleinere Gemeinde und keine Gaststätte mehr! Das heißt, wir haben ein großes Problem bei der Übergabe von Betrieben von den Älteren an die Jugend. Auch dieser Faktor muss – das ist ganz, ganz wichtig – durchleuchtet werden: Welche Ver­einfachungen können stattfinden, damit die Menschen in dem Betrieb und damit auch zu Hause bleiben und arbeiten? Nichts Schlimmeres kann im gesellschaftlichen Leben passieren, als dass man in einer Ortschaft manche Dienstleistungen nicht mehr hat. (Bundesrat Seeber: Richtig, da hat er recht!)

Es ist immer witzig, die Diskussion in den Tourismusverbänden mitzuverfolgen. Ich bin lange im Tourismusverband gewesen, sogar Regionalchef von drei Bezirken. Wir ha­ben in der Steiermark ein Gesetz, dass jeder Betrieb, jedes Unternehmen mitzahlen


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