Sonderbericht der Volksanwaltschaft „Keine Chance auf Arbeit – Die Realität von Menschen mit Behinderung“ (III-697-BR/2019 d.B. sowie 10342/BR d.B.)
Vizepräsident Michael Wanner: Wir gelangen nun zum 12. Punkt der Tagesordnung.
Berichterstatterin ist Frau Bundesrätin Claudia Hauschildt-Buschberger. – Ich bitte um den Bericht.
Berichterstatterin Claudia Hauschildt-Buschberger: Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich bringe den Bericht des Ausschusses für BürgerInnenrechte und Petitionen über den Sonderbericht der Volksanwaltschaft „Keine Chance auf Arbeit – Die Realität von Menschen mit Behinderung“.
Der Bericht liegt Ihnen in schriftlicher Form vor; ich komme daher gleich zur Antragstellung.
Der Ausschuss für BürgerInnenrechte und Petitionen stellt nach Beratung der Vorlage am 2. Juni 2020 den Antrag, den Sonderbericht der Volksanwaltschaft „Keine Chance auf Arbeit – Die Realität von Menschen mit Behinderung“ (III-697-BR/2019 d.B.) zur Kenntnis zu nehmen.
Vizepräsident Michael Wanner: Wir gehen in die Debatte ein.
Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Heike Eder. Ich erteile es ihr.
Bundesrätin Heike Eder, BSc MBA (ÖVP, Vorarlberg): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Volksanwälte! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher daheim vor den Bildschirmen an diesem so intensiven Plenartag! Im Alter von 18 Jahren hatte ich als Skirennläuferin einen folgenschweren Skiunfall. Seither bin ich inkomplett querschnittgelähmt, und ich werde mein Leben lang mit einer körperlichen Behinderung leben. Ich habe nach meinem lebensverändernden Unfall die Matura absolviert, studiert und anschließend immer in Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen gearbeitet. Was ich mit meinem persönlichen Beispiel sagen möchte, ist: Es gibt Chancen für Menschen mit Behinderung in Österreich. (Allgemeiner Beifall.)
Für Menschen mit Behinderung ganz besonders wichtig sind Anker, Anker wie Familie und Freunde, aber auch Anker, die Sinn stiften, wo man Kraft schöpfen kann und Wertschätzung für das, was man macht, bekommt. Das ist zum Beispiel Sport, aber ganz besonders eine sinnstiftende berufliche Tätigkeit.
Was ich anhand meiner Arbeit im Vorarlberger Behindertenbeirat als Arbeitnehmerinteressenvertreterin und durch mein privates Engagement im Behindertensportbereich festgestellt habe, ist, dass Einschränkungen und Behinderungen extrem heterogen sind und nicht miteinander verglichen werden können. Manche haben, so wie ich, durch einen Unfall oder eine Erkrankung im Laufe ihres Lebens eine körperliche Beeinträchtigung erhalten oder erlitten, andere wiederum sind seit ihrer Geburt geistig und/oder körperlich eingeschränkt. Jede Behinderung ist anders, sie kann nicht in einen Raster gefasst werden. Das macht es für uns auch so schwierig, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, bei diesem Thema große Schritte in Richtung inklusiven Arbeitsmarkt, in Richtung Lohn statt Taschengeld, aber auch in Richtung gleichgestelltes Leben zu machen.
Ich war in Vorbereitung auf die heutige Sitzung mit dem Inklusionskoordinator einer renommierten Vorarlberger Behindertenwerkstätte in Kontakt. Er begleitet Menschen mit Behinderung und vermittelt sie in den Ersten Arbeitsmarkt. Er sagt, jeder Mensch hat seine speziellen Talente und Fähigkeiten, und wir müssen jedem und jeder die Möglichkeit geben, diese auch zu zeigen. Was es braucht, ist ein Umdenken in unser aller Köpfe.
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