BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 125

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Vizepräsident Dr. Peter Raggl: Der von den Bundesräten Andrea Michaela Schartel, Kolleginnen und Kollegen eingebrachte Entschließungsantrag betreffend „Sicherstellung eines regulären Unterrichts nach den Semesterferien“ ist genügend unterstützt und steht demnach mit in Verhandlung.

Als Nächste zu Wort gelangt Frau Bundesrätin Doris Berger-Grabner. Ich erteile ihr die­ses.


16.47.19

Bundesrätin Mag. Dr. Doris Berger-Grabner (ÖVP, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Herr Bundesminister! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Werte Damen und Herren, die Sie von zu Hause aus zuse­hen! Nichts polarisiert derzeit anscheinend mehr als das Thema Schulschließungen. Das ist offenbar ein Thema, bei dem es keinen politischen Konsens gibt. In einem Punkt sind wir uns aber vermutlich einig: Wir wollen so viel Unterricht für so viele Schüler und Schü­lerinnen wie möglich. Die Frage, die hier aktuell die Gemüter erhitzt, sollte ja auch nicht nur eine politische, sondern vor allem eine technische sein: Wie und unter welchen Vo­raussetzungen können wir diesen Anspruch erfüllen?

Ich bin Mutter zweier Kinder im Volksschulalter, Vollzeit berufstätig, Professorin an einer Hochschule, wo die Lehre in meinem Bereich zur Gänze mit Distancelearning erfolgt. Ich sage Ihnen, wir brauchen hier auch gar nichts schönzureden, auch ich bin schon einige Male an meine Grenzen gestoßen. Und ganz ehrlich: Wer von uns nicht?

Auch mir hat es wahnsinnig leidgetan, als ich heuer zu Weihnachten meine Tochter nicht beim Weihnachtstheater auf der Bühne stehen gesehen habe. Mir tut es für sie und viele weitere Klassen leid, wenn es keine Möglichkeit mehr geben wird, die beliebte Projekt­woche nachzuholen. (Zwischenruf der Bundesrätin Hahn.) Ich und auch Sie wissen aber, weshalb es so ist, wie es ist, und das kann auch ganz banal in einem Satz zusam­mengefasst werden, nämlich damit Schüler und Schülerinnen nicht andere anstecken und dieses Virus mit nach Hause nehmen und ihre Familien anstecken. (Zwischenruf des Bundesrates Schennach.)

Es gibt unzählige Studien, einige wurden ja bereits von meinen Vorrednern zitiert. Eine der statistisch validesten, weil sie auch alle wissenschaftlichen Gütekriterien erfüllt, ist eine einer Forschungsgruppe der Universität Oxford. Diese kam zu dem Ergebnis, dass Schulschließungen eine der effektivsten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapan­demie sind. (Zwischenruf der Bundesrätin Hahn.)

Ein Argument, welches Sie auch gebracht haben, sind mögliche Bildungsungleichheiten. In der Tat ist es aufgrund der langen Distancelearningphasen notwendig, dass Lernlü­cken und Bildungsverlusten entgegengewirkt wird. An dieser Stelle ein Dankeschön an Bildungsminister Faßmann! Er hat kürzlich ein umfangreiches Förderpaket – wir haben es auch bereits gehört – für alle Schulstufen im Volumen von rund 200 Millionen Euro vorgelegt. Damit können bis Februar 2022 bis zu drei Millionen zusätzliche Förderstun­den ermöglicht werden.

Wichtig ist mir, zu sagen, dass der Einsatz digitaler Tools auch helfen kann, Bildungsun­terschiede auszugleichen, und zwar dann, wenn sie beispielsweise dazu eingesetzt wer­den, individuell zu fördern, begleitend zur Arbeit unserer Lehrkräfte.

Die Coronapandemie hat auch dazu beigetragen, dass unsere Kinder den Umgang mit digitalen Tools gelernt haben und es zu einer Beschleunigung in Richtung Digitalisierung gekommen ist. Für Digitalisierungsmaßnahmen, insbesondere die Umsetzung des Acht­punkteplans für den digitalen Unterricht, stellt das Bundesministerium für Bildung, Wis­senschaft und Forschung 235 Millionen Euro zur Verfügung – eine wichtige und zu­kunftsweisende Maßnahme.

 


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