Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 64. Sitzung / Seite 17

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Elisabeth Gehrer: Diese Frage muß noch eingehend im Hinblick auf die Berechtigung, welche ein junger Mensch mit einer mittleren Reife hat, geprüft werden. Das ist mit der Wirtschaft und mit anderen Institutionen abzuklären. Ich glaube, wir haben zurzeit derart große Durchstiegsmöglichkeiten und Möglichkeiten der weiterführenden Bildung, daß sich die Frage stellt, ob die Einführung eines neuen Abschlusses wirklich zielführend ist.

Präsident Dr. Heinz Fischer: Danke. Damit kommen wir zur 4. Frage. Es ist auch da Frau Abgeordnete Motter am Wort. Bitte, die Frage 101.

Abgeordnete Klara Motter (Liberales Forum): Frau Bundesministerin! Meine Frage lautet:

101/M

Welche Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Supervision für LehrerInnen, werden Sie setzen, um der vermehrt auftretenden psychischen Gewalt von LehrerInnen gegenüber SchülerInnen, die die jüngst erschienene Studie von Universitätsprofessor Volker Krumm belegt, entgegenzuwirken?

Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte, Frau Bundesministerin.

Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Elisabeth Gehrer: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Ich möchte zu derartigen Studien folgendes feststellen: Ich halte es für notwendig und wichtig, Studien zum Klima an Schulen oder zum Verhalten von Lehrern zu erstellen. Ich halte jede Studie als Feedback für wichtig, als Anlaß, darüber nachzudenken, was wir verbessern können. Eines aber sage ich hier klar und deutlich: Ich lehne es ab, wenn eine Studie auf diese Art präsentiert und in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Ich frage mich, was es bringen soll, wenn man ohne hinreichende sachliche Grundlage, ohne Kenntnis der gesamten Studie, einseitig in der Öffentlichkeit diskutiert und ein negatives Bild von Lehrern und Lehrerinnen zeichnet. Ich frage mich, was es bringen soll, wenn diejenigen, die unsere Jugend erziehen müssen, täglich verunsichert werden und täglich in den Zeitungen darüber geschrieben wird, wie schlecht unsere Lehrer seien. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich meine, daß wir ein Schulwesen haben, das sich sehen lassen kann, und eine überwiegende Anzahl von Lehrern und Lehrerinnen, die äußerst positiv arbeiten. Ich frage mich weiters: Wo ist die Verantwortlichkeit der Gesellschaft im gesamten Erziehungsbereich, und wo ist die Verantwortlichkeit der Eltern? Alles wird einseitig an die Schule delegiert. Die Schule muß alle Probleme bewältigen.

Ich stelle hier ganz klar fest: Wir haben eine gute Lehrerschaft. Wir sollten sie motivieren und nicht demotivieren.

Der zweite Punkt ist die Erkenntnis aus den bekanntgewordenen Teilen der Studie. Ich kenne die gesamte Studie noch nicht. Herr Professor Krumm sagt selbst in der heutigen Ausgabe von "News", diese Teile seien erst der quantitative Teil, die Zahlen gewesen und er müsse einen qualitativen Teil, nämlich ein Hinterfragen, anfügen. Das ist, glaube ich, das Wichtige: der qualitative Teil.

Ich habe aber bereits die bisherige Diskussion in der Öffentlichkeit zum Anlaß genommen, um den Schulpsychologen ganz klar zu sagen, daß verstärkte Maßnahmen ergriffen werden müssen, wo es notwendig ist, nämlich im Bereich der Supervision, im Bereich der Lehrerausbildung und im Bereich der Lehrerweiterbildung. Was überdies notwendig ist: Wir brauchen eine lebendige Schulpartnerschaft! Die Schulpartnerschaft muß gestärkt werden, denn die Probleme können nur vor Ort anhand von spezifischen Fällen wirksam aufgearbeitet werden. Dazu brauchen wir eine angstfreie, partnerschaftliche Basis an der Schule.

Präsident Dr. Heinz Fischer: Danke. Zusatzfrage? Bitte.


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite