Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 74. Sitzung / Seite 80

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Wo ist da bitte die Logik? Auf der einen Seite wollen Sie höhere Erträge pro Hektar erzielen, aber auf der anderen Seite werden die Bauern gezwungen, einen Teil ihrer Felder brachliegen zu lassen. Ich glaube, wir sollten uns wirklich einmal eingehend über die derzeitige Agrarpolitik unterhalten. (Abg. Aumayr: Ein Chaos!)

Meine Damen und Herren! Es darf nicht sein, daß österreichische Bauern durch die nationale Gesetzgebung gegenüber ihren Kollegen in den anderen EU-Staaten benachteiligt werden. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Die nationale Gesetzgebung verantwortet der Herr Minister Molterer mit seinen Freunden von der ÖVP. Das sage ich Ihnen ganz deutlich. (Neuerlicher Beifall bei den Freiheitlichen.)

Kollege Schwarzböck! Kommen Sie Ihren Forderungen  Ihren vorgetäuschten Forderungen, möchte ich sagen , die auch in dieser schönen Zeitung festgehalten sind, betreffend stabile Rahmenbedingungen sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene endlich einmal nach! Sie lachen. Ich weiß schon, die Bauern interessieren Sie nicht. Das ist mir schon klar. Sie interessieren ein paar multinationale Konzerne, aber nicht der österreichische Bauer. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Sie fordern hier brav stabile Rahmenbedingungen. Diese stabilen Rahmenbedingungen, die den Bauern vor dem EU-Beitritt versprochen wurden, haben Sie, Herr Minister Molterer, gemeinsam mit Ihrer Partei verraten. Sie haben die Bauern verraten und verkauft. Sie haben 15 000 Bauern hierher, nach Wien, gebracht, um Druck zu machen, damit sie ihre Gelder erhalten. Wir Freiheitlichen haben Sie in dieser Frage unterstützt. Aber Sie sind jetzt gemeinsam mit den Kollegen der SPÖ den Bauern schändlich in den Rücken gefallen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

13.41

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sophie Bauer.  Bitte.

13.41

Abgeordnete Sophie Bauer (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geschätzten Damen und Herren! Mein Debattenbeitrag bezieht sich auf den Antrag der Abgeordneten Reichhold und Genossen bezüglich der Abwanderung in der Landwirtschaft. Man muß zuerst einmal die wirklichen Ursachen festhalten. In der Zeit von 1990 bis 1996 ist in der Steiermark die Zahl der Vollerwerbsbauern um 9 Prozent und die Zahl der Nebenerwerbsbauern um 7 Prozent gesunken. In meinem Bezirk betrug der Rückgang bei den Vollerwerbsbauern 10 Prozent, bei den Nebenerwerbsbauern 4 Prozent.

Wenn man sich die unterschiedlichen Gründe für die Abwanderung anschaut, muß man ganz klar sagen und das ist auch die Meinung der Bauern selbst , daß eine soziale Absicherung daran nichts ändern würde.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es gibt genug Bauern, die keine finanziellen Probleme haben, deren Kinder aber auch nicht zu Hause bleiben, weil sie studieren oder einen anderen Beruf ergreifen wollen beziehungsweise lieber in der Stadt leben.

Bei den Nebenerwerbsbauern gibt es ebenfalls verschiedene Gründe für eine Abwanderung, so zum Beispiel Arbeitsplatzveränderungen, partnerschaftliche Probleme aufgrund von Interessen der Frau oder des Mannes im Bereich der Freizeitwirtschaft oder Probleme im Zuge der Hofübergabe, also wenn etwa eine Aufteilung oder Auszahlung erfolgen muß.

Es gibt in unserem Bezirk jedes Jahr in der ersten Maiwoche eine Leistungsschau. Bei dieser Leistungsschau bieten auch die Bauern ihre selbsterzeugten Produkte zur Verkostung an. Das Interesse ist natürlich sehr groß, und es werden auch sehr viele Fragen gestellt. Ich bin am Sonntag den ganzen Vormittag in dieser Koje gestanden und habe mit den verschiedensten Bauern über das Problem Abwanderung gesprochen. Auch die Bauern selbst sind der Meinung, daß dann, wenn es den Eltern nicht gelingt, die Kinder davon zu überzeugen, daß die Freude an der Arbeit am Bauernhof ausschlaggebend ist, die Kinder zu diesem Beruf keine Beziehung


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