Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 83. Sitzung / Seite 32

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Wie ist Ihre Erfahrung bei Ihren Außenhandelskontakten, bei Ihren Auslandskontakten, ist die Außenhandelsstelle wirklich nur für den Mittelstand da, oder wird sie sehr wohl auch von der Industrie genützt? Gerade unsere heimische Großindustrie bedient sich der Außenhandelsstellen. Wie sehen Sie das?

Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Bundesminister, bitte.

Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten Dr. Hannes Farnleitner: Frau Abgeordnete! Diese Frage hat mich schon in meiner früheren beruflichen Position beschäftigt. Wir sind dabei auf ein höchst interessantes Phänomen gestoßen: Die Mitarbeiter, die zum Teil Marketingmanager sind und mit Hilfe der Außenstellen Märkte bearbeiten, Geschäfte aufreißen, wie wir sagen, berichten in den seltensten Fällen ihren Generaldirektoren, daß sie es mit Hilfe der Außenhandelsstelle gemacht haben, sodaß der Generaldirektor das Gefühl hat, das sei überhaupt unter Ausschluß der Außenorganisation geschehen. Ich glaube, es geht in diesem Zusammenhang um eine verbesserte Informationstätigkeit.

Wir haben das firmenweise überprüft und sind tatsächlich zu diesem Ergebnis gekommen. Diese Firmenchefs erheben diese Vorwürfe auch nicht mehr.

Präsident Dr. Heinz Fischer: Danke.  Zusatzfrage: Mag. Peter, bitte.

Abgeordneter Mag. Helmut Peter (Liberales Forum): Herr Bundesminister! Ich sehe mittelfristig das größte Exportwachstum in den Reformstaaten und auch den GUS-Staaten. Sehen Sie das auch so, und sind Sie bereit, einen besonderen Schwerpunkt Ihrer Exportoffensive diesen Staaten zu widmen?

Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Bundesminister, bitte.

Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten Dr. Hannes Farnleitner: Ich habe gestern das World Economic Forum in Salzburg dazu verwendet, mit praktisch allen Ministern der benachbarten Staaten, die anwesend waren, erneut auch über diese Frage zu reden. In meinem Referat habe ich gesagt: Fast 15 Prozent unserer Exporte gehen in diese Länder, und ich nehme an, daß wir in den nächsten fünf Jahren eine weitere Steigerung auf ungefähr 20 Prozent unseres Außenhandels erzielen können, vor allem weil eine jüngst von uns erarbeitete und noch nicht publizierte Studie zeigt, daß die Länder zwischen Slowenien und Südpolen im Laufe eines Dezenniums um etwa 4 bis 8 Prozent real wachsen können und wahrscheinlich auch werden. Daher müßte dort auch unser Schwergewicht liegen.

Präsident Dr. Heinz Fischer: Danke.  Kollege Dietachmayr, bitte.

Abgeordneter Helmut Dietachmayr (SPÖ): Herr Bundesminister! In letzter Zeit haben Kinderarbeit und der Einsatz völlig rechtloser Arbeiter in Ländern der sogenannten Dritten Welt beziehungsweise in den Schwellenländern stark zugenommen. Können Sie sich vorstellen, bei künftigen Verträgen im Rahmen der WTO, also der Welthandelsorganisation, die Vertragspartner zu verpflichten, nur mit Produkten zu handeln, bei denen Kinderarbeit ausgeschlossen ist?

Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Bundesminister, bitte.

Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten Dr. Hannes Farnleitner: Herr Abgeordneter! Diese Frage wurde von mir bei der WTO-Konferenz angesprochen. Wir haben es dabei mit einem eher diffizilen Problem zu tun. Das Durchschnittsalter liegt in den meisten großen Entwicklungsländern dieser Welt heute unter 20 Jahren, in Indien etwa zwischen 12 und 14 Jahren, je nachdem, welche Bevölkerungsstatistik man heranzieht. Man kann nicht generell davon ausgehen, daß diese Länder überleben können, ohne daß Kinder etwa in der Landwirtschaft, in traditionellen Gewerbebetrieben wie bisher immer mitarbeiten.

Ich glaube, das Problem, auf das es einzugrenzen ist, sind Zwangskinderarbeiten, der bewußte Einsatz von Kinderarbeit in gefährlichen Berufen wie Färbereien, Gerbereien. Da sehen wir je


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