Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 85. Sitzung / Seite 42

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erfunden werden können. Der Film ist sowohl als Kunst- wie auch als Kommerzprodukt eine extrem verwertbare Vermittlungsform der kulturellen Darstellung eines Landes. Daß wir auf dieses Medium noch nicht wirklich aufgesprungen sind, weist die Verantwortlichen im günstigsten Fall als schrullige Nostalgiker der Kunstförderung aus.

Wie auch immer: Wir behandeln gerade ein Filmförderungsgesetz. Ich glaube, wir verhandeln es ganz gut. Wir von der ÖVP legen Wert auf eine effizientere Referenzmittelförderung. Wir rennen diesbezüglich bei unserem Staatssekretär offene Türen ein. Wir meinen, Erfolg soll sich wieder lohnen. Auf der Entscheidungsebene soll es eine klare Zuordnung geben, wer für den Film beziehungsweise für die Finanzierung eines Films verantwortlich ist. Die Zielvorgaben müssen klar formuliert sein und auch klar von der Leitung angenommen werden: Verdoppelung des Marktanteils und Verdoppelung der erfolgreichen Präsenz auf wesentlichen Festivals und auf dem Gebiet des künstlerischen Films.

Blinkt mein Licht?

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Herr Abgeordneter! Sie haben eine freiwillige Redezeitbeschränkung. Sie können noch über 3 Minuten reden, dann müssen Sie allerdings aufhören.

Abgeordneter Franz Morak (fortsetzend): Der Herr Bundeskanzler und Kunstkanzler hat in Bregenz, wo ich allerdings vergeblich die Kunstsprecher gesucht habe  ich sehe jetzt auch nicht alle  , gesagt: Film wird ein Schwerpunktthema sein.  Wenn ich mir dann allerdings anschaue, was das ÖFI alles leisten soll, nämlich Drehbuch-Nachswuchsförderung, Marketing im In- und Ausland, Synchronisation, zweisprachiger Dreh und so weiter, dann wird mir klar, daß wir dem ÖFI diese Aufgaben nicht mit einem Mehrbudget von 20 Millionen Schilling zuschustern können.  Wenn der Herr Bundeskanzler sagt  und das glaube ich ihm jetzt einmal , daß Film ein Schwerpunktthema ist, dann muß zu dieser Summe von 20 Millionen eine zweite Null. Woher er das Geld nimmt, das weiß ich nicht, aber er wird es schon wissen!

Ich komme zu den Bundestheatern. Ganz kurz: Es ist eine Erbsünde passiert. Zu dem Zeitpunkt, zu dem sich die Volksoper des Direktors entledigt hat  das heißt, nachdem er ans Burgtheater gegangen ist , hätte man verhandeln müssen, wer dort der Nachfolger wird, und zwar gleichzeitig. Zu diesem Zeitpunkt wäre nämlich Herr Wopmann noch frei gewesen, wenn man nicht herumgetrödelt hätte.

Es stellt sich die Frage, ob dieser Zustand nicht bewußt herbeigeführt wurde, und zwar vom zuständigen Generalsekretär, um sich selbst bei der Kandidatensuche dann als Lösung zu präsentieren. Wer aber präsentiert sich da?  Es handelt sich um jenen Mann, der in seiner gesamten Amtszeit den größten Kostenfaktor an den Bundestheatern, nämlich die Kollektivverträge, nie ernsthaft verhandelt hat. Es präsentiert sich einer, von dem der Opernchef gesagt hat, er könne nur mit Betriebsvereinbarungen überleben, weil der Kollektivvertrag ihm das Überleben dort nicht sichert. Dieser Mann hat das Chaos am Burgtheater nicht nur still geduldet, er hat es vielmehr gerade durch diese Duldung ermöglicht. Dieser Mann steht an der Spitze des Generalsekretariats, und der Opernchef sagt, daß es ohne dieses Generalsekretariat besser ginge. Daß der Staatsoperndirektor ihn loswerden möchte, das verstehe ich schon, denn ohne ihn geht es leichter. Aber Weihnachten kommt erst; außerdem sind die Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat, vorbei.

Ich meine, Georg Springer ist ein Mann, der als Generalsekretär seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Wenn das Empfehlung genug ist, ihn an die Volksoper zu transferieren, dann wünsche ich dem Herrn Bundeskanzler dazu viel Glück! (Beifall bei der ÖVP.)

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Herr Abgeordneter! Die 20 Minuten sind abgelaufen. Sie müssen den Schlußsatz sagen.

Abgeordneter Franz Morak (fortsetzend): Wir hätten noch gut 20 Minuten weiter tratschen können. Wie ich sehe, war das Vergnügen nicht einseitig.  Ich danke Ihnen vielmals. (Anhaltender Beifall bei der ÖVP.)

11.06


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