Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 135. Sitzung / Seite 75

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Ich möchte Ihnen, Herr Kollege Smolle, weil Sie da sind (Abg. Smolle: Ich bin da! Ja!), folgendes sagen: Sie versuchen immer wieder, die Gewerbeordnung als großes Hemmnis der Wirtschaft darzustellen. (Abg. Smolle: Das stimmt! Das ist wahr!)  Herr Kollege Smolle! Bitte lassen Sie mich ausreden.

Es hat sich einiges im Laufe der Geschichte verändert. Und gerade Herr Dr. Kier, der so viel von neuen Ideen hält, sollte zum Beispiel auch die Zeitschrift oder das Magazin "Konturen" lesen. Wir haben dieses zugesandt bekommen, und in der Nummer 8 ist ein sehr guter Beitrag von Professor William Bridges enthalten, in dem es um Job-shift geht. Dieser Beitrag stammt zwar vom Oktober 1997, ist also schon einige Zeit her, aber trotzdem interessant. Darin wird folgendes festgehalten: Die Zeit der regelmäßigen Fulltimejobs hat von 1840 bis 1990 gedauert, und diese Zeit ist nun vorbei. Es hat sich etwas ganz Neues entwickelt, und in dieser Entwicklungsphase, in dieser Umorientierung befinden wir uns jetzt.

Es geht nicht mehr darum, daß Beschäftigung geschaffen wird, sondern darum, daß man die Arbeit, die liegt, aufnimmt und auch bewältigt. Es geht nicht nur um Arbeitszeitverkürzungen. Kollege Marizzi hat gesagt, daß es in den verschiedenen Bereichen der Industrie unterschiedliche Arbeitszeitmodelle gibt. Aber eine generelle Arbeitszeitverkürzung ist nicht der richtige Weg, denn gerade William Bridges sagt: Geistige Arbeit ist schwieriger zu teilen als körperliche Arbeit.

Wir wissen, daß sich seit 1970 das Ausmaß am Dienstleistungssektor, und zwar am Tertiärsektor gewaltig gesteigert hat. 1970 lag der europäische Durchschnitt beim Dienstleistungssektor noch bei 36 Prozent, jetzt, 1998, sind es 50 Prozent. Das zeigt uns, wie rasch die Veränderungen vonstatten gehen. Das heißt, daß sich auch die Mentalität verändern muß, daß wir eine andere Mentalität im Bereich Dienstleistung brauchen, die wir in Österreich noch nicht oder nur zum Teil haben.

Wir sollten uns das chinesische Sprichwort "Wenn man nicht lächeln kann, soll man kein Geschäft aufmachen" zu Herzen nehmen, denn man kann auch mit Lächeln und mit menschlicher Verbundenheit Geschäfte machen, ja sogar nur dann. Es wird dies also für die Zukunft notwendig sein, denn gerade in Europa wird die körperliche Arbeit immer weniger, und die geistige Arbeit tritt immer mehr in den Vordergrund. In diesen Bereichen haben wir also für die Zukunft einige Aufgaben vor uns.

Die österreichische Bundesregierung hat heute nur den Bericht zur wirtschaftlichen Lage vorgelegt. Die Zukunftsaussichten haben wir in anderen Papieren bereits diskutiert, und es ist noch einiges zu tun. Wir sind auf dem richtigen Weg. Auch mir geht manches, Herr Finanzminister, zu langsam, aber vielleicht ist das da und dort der richtige Weg, um schneller ans Ziel zu kommen.

Ich glaube, daß Österreich mit all seinen Auseinandersetzungen, die wir da und dort haben, doch auf dem richtigen Weg ist, diesen Umschwung zum tertiären Sektor leichter zu schaffen, als das vielleicht in anderen Ländern der Fall ist. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

13.26

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Öllinger.  Bitte, Herr Abgeordneter.

13.26

Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Werter Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich werde mir das zu Herzen nehmen, was Frau Kollegin Tichy-Schreder gesagt hat: Nur wer gut lächeln kann, kann auch ein Geschäft aufmachen. Ich werde versuchen, den Herrn Finanzminister schön anzulächeln, natürlich auch Sie, Frau Kollegin Tichy-Schreder, aber ob daraus ein Geschäft wird, darüber bin ich mir noch nicht sicher. (Bundesminister Edlinger: Das halte ich gar nicht aus!)

Mein Geschäft in dieser Debatte wäre nämlich, etwas von der aktiven Arbeitsmarktpolitik einzufordern, Herr Bundesminister, aber ich fürchte, da wird mir das Lächeln nichts helfen. Ich hoffe,


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