Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll183. Sitzung / Seite 223

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17.53.03

Bundesministerin für Familien und Jugend MMag. Dr. Sophie Karmasin: Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Antrag von Kolle­gen Franz, über den wir diskutieren, klingt im ersten Augenblick durchaus diskussions­würdig, aber ich glaube, wir haben jetzt verstanden, was eigentlich dahintersteht, nämlich dass die Beratungen, die gefordert werden – die ja in Österreich ohnehin schon seit 40 Jahren flächendeckend umgesetzt und finanziert werden –, nicht objektiv und neutral zu erfolgen hätten.

Man höre und staune: Offensichtlich sollen Frauen überzeugt werden, manipuliert werden, in eine Richtung gedrängt werden, eine ungewollte Schwangerschaft auszu­tragen. – Das zum einen. Zum Zweiten soll mit diesen Beratungsleistungen offen­sichtlich die Geburtenrate gesteigert werden. Ich glaube, wir verfügen über ganz andere, viel zielführendere und vor allem familienfreundlichere Instrumente, um die Geburtenrate zu steigern. Im Übrigen tun wir das schon seit zwei Jahren erfolgreich: Wir konnten die Geburtenrate wieder nachweislich signifikant steigern. Das ist, glaube ich, nicht Ausdruck einer veränderten Beratungspolitik – in diesem Zusammenhang –, sondern der Umsetzung von verschiedenen familienpolitischen, zukunftsweisenden Instrumenten. (Beifall bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ.)

Ich möchte auf die sehr umfangreichen Beratungen, die in Österreich zum Thema Familienfragen, Schwangerschaft und Empfängnisverhütung stattfinden, nämlich mittlerweile in 380 Familienberatungsstellen mit rund 500 000 Beratungsgesprächen und Investitionen meines Ressorts im Umfang von rund 13 Millionen € pro Jahr, hinweisen. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Beratungen freiwillig sind, dass sie neutral sind und über Vor- und Nachteile eines Schwangerschafts­abbruches umfassend aufklären. Das ist gut und richtig so.

Ich möchte keine verpflichtenden Beratungen, weil die, wie man aus der Bera­tungspraxis und -wissenschaft weiß, ja auch gar nicht zielführend, sondern maximal vielleicht manipulationsverdächtig sind. Also ich bin froh und überzeugt, dass es richtig ist, freiwillige, objektive und neutrale Beratung zur Verfügung zu stellen und selbst­verständlich keine Manipulation.

Letztendlich geht es darum, dass wir wirklich darüber nachdenken sollten, warum es überhaupt immer noch ungewollte Schwangerschaften in Österreich gibt, und da möchte ich alle unterstützen und bekräftigen: Wir brauchen sehr wohl mehr Sexual­erziehung in den Schulen, jugendgerecht, kindgerecht, mit umfangreichen Erklärungen, Materialien und natürlich Gesprächen im Unterricht oder auch in der Jugendarbeit. Das ist, glaube ich, der Ansatzpunkt, den wir gegebenenfalls verstärken sollten, aber sicher nicht die Beratungen, die in dem Umfang gut aufgestellt sind und freiwillig und neutral geleistet werden. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS.)

17.56


Präsident Karlheinz Kopf: Zum zweiten Mal zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Kitzmüller. – Bitte.

 


17.56.21

Abgeordnete Anneliese Kitzmüller (FPÖ): Herr Präsident! Frau Minister! Frau Abge­ordnete Schwentner, Sie sagen, Sie wollen die Gründe wissen, warum nicht verhütet worden ist und verlangen mehr Beratung, damit verhütet wird. Genau darauf zielt mein Antrag auf Einführung einer Statistik ab. Warum wird abgetrieben? – Weil sie unwis­send sind, weil sie nicht wissen, wie sie verhüten sollen, und da wollen wir ansetzen. (Abg. Schwentner: Deswegen braucht es kostenlose Verhütung und einen besseren Zugang dazu!) – Das ist ja wieder etwas anderes, das hat ja mit dem Antrag nichts zu tun. Kostenlose Verhütung hat mit einer Statistik nichts zu tun. Ich will wissen, warum


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