Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll197. Sitzung / Seite 107

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erbung von Bildungschancen ein ganz, ganz wichtiges Thema ist, das wir in den nächs­ten Jahren mit weiteren Schritten angehen müssen.

Wir haben das jetzt vor wenigen Wochen mit dem Autonomiepaket begonnen, indem wir entsprechenden Freiraum, der wichtig ist, schaffen. Wir wollen die Ganztagsschule. Die entsprechenden finanziellen Mittel, um die Ganztagsschule zu fördern, sind auch schon auf den Weg gebracht worden. Die Ganztagsschule ist ganz wichtig, um die Kin­der entsprechend zu unterstützen. Auch Modellregionen wurden auf den Weg gebracht.

Wir müssen in den nächsten Jahren beim Kindergarten, schon vor der Schule anset­zen. Wir wollen unbedingt noch schaffen, dass den Kindern nicht nur ein Jahr, sondern ein zweites Jahr gratis zur Verfügung steht. Das ist eine wichtige Förderung in dieser frühkindlichen Phase. Dieses Jahr soll allen Kindern, nicht nur den Kindern, bei denen Sprachdefizite festgestellt werden – die übrigens nicht immer nur Migrationshintergrund haben –, zur Verfügung stehen. Das ist wichtig für die Kinder. Alle Kinder sollen geför­dert werden.

Wir wollen mehr Lehrer, und diese Lehrer wollen wir auch durch die Nutzung der Ak­tion 20 000 unterstützen und sie ein bisschen von administrativen Tätigkeiten entlas­ten, damit sie sich mehr den Kindern widmen können. Es wäre viel mehr zu sagen, die Zeit ist kurz; ganz wichtig ist es aber, die politischen Kräfte zu stärken, die in den nächs­ten Jahren den Kindern stärker Chancen vermitteln wollen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Peter Wurm: ... die jetzt alles versemmelt haben!)

14.29


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dr. Töchter­le. – Bitte schön, Herr Abgeordneter. (Abg. Weninger: Ich habe mir gedacht, Kollege Rädler ist jetzt dran, weil der redet ...!)

 


14.29.53

Abgeordneter Dr. Karlheinz Töchterle (ÖVP): Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Regierung! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Erlauben Sie mir zwei kurze Repliken, bevor ich in meine Argumentation eintrete.

Frau Kuntzl, in der schwarz-blauen Koalition ist immerhin in Sachen Bildung zum Bei­spiel das UG 2002 beschlossen worden, das die Universitäten einen gewaltigen Schritt vorwärts gebracht hat und das international ein Vorbild für Universitätsreformen in an­deren Ländern war. Also so schlecht war es da um die Bildung auch nicht bestellt. (Bei­fall bei der ÖVP.)

Die zweite Replik geht an Kollegen Walser, der sich ja zum Korrektor von Texten an­derer Parteien aufschwingt. Da möchte ich einfach fragen, was er meint – ich könnte ein paar Fälle aus seinem Text zitieren, aber ich will es nur für einen wissen –, wenn auf Seite 5 im drittletzten Absatz von einem Bildungsstandrad die Rede ist. Ist das ein neues Fitnessgerät, oder was ist das? Also ich kenne das Wort schlicht nicht. (Abg. Rädler: Das ist ein Wortbewegungsmittel!)

Jetzt aber zu ernsteren Dingen: Herr Kollege Steinhauser, Sie haben beklagt, dass un­ser Fächerkanon 100 Jahre alt sei. Er ist nicht 100 Jahre alt, sondern in seinen Grund­zügen zweieinhalbtausend Jahre alt, weil er nämlich wie jeder Fächerkanon, wie jede Schule natürlich ein Ergebnis der Interferenz zwischen Schule und Gesellschaft ist. Die stärkste Interferenz in unserer Bildung hat zuerst die platonische Philosophie und dann deren christliche Rezeption gezeitigt. Durch diese starken geistigen Bewegungen hat es in unserem ganzen Bildungssystem eine sehr eindeutige Hierarchie gegeben, die es bis heute gibt, nämlich eine Aufwertung geistiger Tätigkeiten und eine Abwertung kör­perlicher Tätigkeiten. Für Platon und die Christen ist Geist gut und Körper schlecht – ich verkürze natürlich –, und deshalb sind geistige Arbeiten edel und körperliche schlecht.

 


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