Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll197. Sitzung / Seite 119

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Daran allein sehen Sie schon, wie falsch es sein wird. Da muss man diesen Menschen auch sagen, wie man es in Österreich durch Anständigkeit, Leistung, Anstrengung und Disziplin tatsächlich zu etwas bringen kann. Die Schule muss dafür unterstützend wir­ken. (Anhaltende Zwischenrufe bei SPÖ und Grünen.) Die Schule ist ein Bildungsins­titut und kein Sozialinstitut, so wie Sie es wollen, wo die Kinder nur verdummt und ver­dodelt werden. (Beifall bei der FPÖ.)

15.09


Präsidentin Doris Bures: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Mag. Jar­mer. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


15.10.18

Abgeordnete Mag. Helene Jarmer (Grüne) (in Übersetzung durch eine Gebärden­sprachdolmetscherin): Sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin! Sehr geehrte Frau Mi­nisterin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zum Thema Bildung: Ich wünsche mir eine Bildung für alle. Bildung, inklusive Bildung für behinderte Kinder, chronisch kranke Kinder, für Kinder, die durch Legasthenie eine Förderung brauchen, für alle Kinder.

Jedes Kind hat die beste Möglichkeit der Förderung verdient. In Wirklichkeit ist es aber so, dass viele behinderte Kinder maximal die Pflichtschule abschließen können. Die be­hinderten Kinder, die auch die Matura absolvieren können, sind nur so weit gekommen, weil sie von der Familie unterstützt wurden.

Ich bin ein Beispiel für diese Situation. Ohne meine Familie hätte ich es nie geschafft, die Matura zu machen. Meine Eltern waren beide gehörlos, aber zum Glück bin ich mit der Gebärdensprache zweisprachig aufgewachsen. Mein Vater hat ein Studium abge­schlossen. Das war wirklich ein Glück für mich, da ich wusste, wenn meine Eltern das schaffen konnten, kann ich es auch schaffen. Mein Vater ist immer in die Gehörlosen­schule gegangen und hat sich angeschaut, was die gehörlosen Kinder lernen. Dort war jeden Tag einfach das Gleiche zu wiederholen, und er wusste: Diese Schule will ich nicht für meine Tochter, und hat gesagt: Okay, Helene, du gehst in die Schwerhörigen­schule, obwohl ich völlig gehörlos war.

Ich bin dann durch das Lippenablesen relativ weit gekommen. Ich konnte keine Hör­übungen mitmachen – da hat man ein Blatt Papier vor den Mund halten müssen, und ich hätte abhören sollen, was die Leute sagen. Von den Lippen ablesen war nicht mög­lich, und so kam es, dass ich wieder zur Gehörlosenschule zurück sollte, weil ich ja ge­hörlos war. Mein Vater hat verhandelt, und es war dann möglich, dass ich in der Schwer­hörigenschule bleibe, unter der Bedingung, dass ich in den Zeugnissen nur Einser und Zweier habe. Mit einem Dreier hätte ich in die Gehörlosenschule zurück müssen.

Dies war möglich, weil meine Eltern wirklich bereit waren, viel Zeit zu investieren. Sie haben mir ohne Ende geholfen. Ich hatte keine Zeit zum Spielen, da wir am Nachmit­tag gemeinsam geübt haben, wofür ich ihnen im Nachhinein wirklich dankbar bin, denn ich bin die Einzige der Klasse, die Matura gemacht und auch studiert hat.

Es gibt drei konkrete Probleme, die ich ansprechen möchte. Es gibt die Regelschule auf der einen Seite und die sogenannte Sonderschule auf der anderen. Viele Eltern wissen nicht, dass in der Regelschule der normale Lehrplan unterrichtet wird und man dort ei­ne gute Förderung bekommt. In den sogenannten Sonderschulen aber wird nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet, der – egal, ob für blinde Kinder, körperbehinderte Kin­der, gehörlose Kinder – Förderungen vorsieht, die sie teilweise völlig unterfordern.

Das zweite Problem besteht im Hinblick darauf, dass alle sagen: Wir treten für die Wahlfreiheit ein! In Österreich gibt es Wahlfreiheit für die Schule, und dennoch gibt es keine echte Wahlfreiheit. Meine Eltern hatten keine Wahlfreiheit in Bezug darauf, in welche Schule ich gehen konnte. Auch jetzt hat sich die Situation für behinderte Kinder


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