Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 101

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eine Erholung unserer Wirtschaft zu ermöglichen. Es geht uns weiterhin darum, den Standort Österreich und unsere Unternehmen zu schützen.

Natürlich kommen mit dem zweiten Lockdown erhebliche Schäden auf die heimische Volkswirtschaft zu. Diese sind laut IHS aber geringer als im Frühjahr, und ohne diesen Lockdown wären die Schäden vermutlich noch größer. Die Staatshilfen werden auf alle ausgeweitet, die aufgrund des erweiterten Lockdowns ihren Betrieb schließen mussten. Wir haben einen Mix aus Rettungs- und Hilfsmaßnahmen und diese sind absolut notwendig.

Es gibt kein Land in Europa, das so viel Geld wie Österreich in die Hand nimmt. Wie die Experten beim Budgethearing mitgeteilt haben, wirken die Maßnahmen – sonst würde es mehr Insolvenzen geben und die Arbeitslosigkeit wäre viel höher. Mit Investitionen in Digitalisierung, Bildung, Sicherheit und den Arbeitsmarkt wollen wir Österreich wieder auf guten Kurs bringen. Die Experten gehen davon aus, dass das zweite Quartal 2021 besser als das heurige dritte Quartal werden wird. Eine Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es ab Jänner wieder Tourismus gibt. Wir sind ein Tourismusland, und deshalb kann Österreich nicht mit Deutschland, das ja angeblich wirtschaftlich besser als wir durch die Krise kommt, verglichen werden. Deutschland hat viel weniger Tourismus als wir. Die Experten sagen auch, dass vielleicht erst in zwei oder drei Jahren absehbar sein wird, welche Länder besser aus der Krise kommen werden.

Mittelfristig müssen wir aber wieder auf einen nachhaltigen Budgetpfad zurückkommen. Das heißt, wir müssen unseren Haushalt ordentlich führen und die Schuldenquote wieder beträchtlich senken. Dass das funktioniert, haben wir mit dem Budget 2018 und 2019 bewiesen. Es geht darum, wichtige Reformen, die wir schon vor der Krise angehen wollten und die auch im Regierungsprogramm stehen, umsetzen zu können. Das geht nur mit einem ordentlichen Haushalt.

Im Jahr 2015 hatten wir eine Staatsverschuldung von 85 Prozent des BIPs. Anfang 2020 lag die Verschuldung bei 70 Prozent. Bis Ende des Jahres wird sie wahrscheinlich wieder auf 85 Prozent ansteigen. Man sieht: Den in den Vorjahren erwirtschafteten Budgetüberschuss können wir jetzt in der Krise sehr gut gebrauchen. Man kann es auch mit den Worten von Joschi Kirschner sagen: Man muss „rechtzeitig drauf schauen, dass man’s hat, wenn man’s braucht“. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Ernst-Dziedzic.)

11.59


Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Josef Schellhorn. – Bitte.


11.59.18

Abgeordneter Josef Schellhorn (NEOS): Frau Präsident! Geschätzter Herr Vize­kanzler! Liebe Regierungsmitglieder! Herr Finanzminister! Da es mehrere Abgeordnete der ÖVP gegeben hat, die mich zitiert haben, aber offensichtlich Angst haben, meinen Namen auszusprechen – erst Kollege Kopf hat es gesagt –, stehe ich nicht an (Zwischenruf bei der FPÖ), zu sagen: Es hat schnell geklappt und es hat gut geklappt. Ich stehe auch nicht an, zu sagen, dass ich jetzt schon das Geld auf dem Konto habe.

Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: zum einen jenes des Unternehmers, der sagen muss: Endlich ist einmal etwas schnell gegangen, endlich ist einmal etwas kom­pakt und flüssig gegangen, ohne großen Bürokratieaufwand. – Das stimmt, da muss man auch Anerkennung zollen. (Beifall und Bravoruf bei der ÖVP.)

Jetzt aber will ich zum nächsten Punkt kommen – wie Sie, Herr Finanzminister, es auch immer wieder gesagt haben –, nämlich dass das Budget in Zahlen gegossene Politik ist. Diesem Budget, das Sie vorgelegt haben, fehlt die Komponente Zukunft. Und zur Kom­ponente Zukunft: Auch betreffend Einnahmen und Ausgaben brauchen wir Zukunft.


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