Deshalb führen wir jetzt den FrühstarterInnenbonus ein, mit dem eine sehr viel breitere Personenzahl profitieren wird als bislang: Viermal so viele Personen, 60 Euro im Monat, 840 Euro pro Jahr – das führt zu mehr Verteilungsgerechtigkeit, das führt zu mehr Geschlechtergerechtigkeit, und das ist gut so und dringend notwendig. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Kollege Muchitsch, Sie haben am Vormittag behauptet, wir würden mit der neuen Regelung Frauen gegen Männer ausspielen. Das müssen Sie mir bitte erklären. Wie genau, Herr Muchitsch, spielen wir Ihrer Meinung nach Frauen gegen Männer aus, wenn wir aus einer Regelung, die bislang ausschließlich – ausschließlich! – Vorteile für Männer gebracht hat, eine solche machen, von der Frauen und Männer gleichermaßen profitieren? Wen spielen wir da bitte gegeneinander aus? Das müssen Sie mir erklären. Bitte erklären Sie mir das! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Vor die Wahl gestellt, ob wir ein Privileg von wenigen Männern weiterbestehen lassen wollen oder ob wir die dafür verwendeten Mittel aufwenden, um Altersarmut zu bekämpfen, um niedrige Pensionen zu erhöhen, entscheiden wir uns sehr klar und deutlich für die Bekämpfung von Altersarmut. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)
17.03
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter. – Bitte.
Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause vor den Bildschirmen! Kinderarbeit ist ja in Österreich Gott sei Dank schon länger abgeschafft. Es stellt sich nämlich die Frage: Wann hätte denn eine Frau, die bis vor Kurzem mit 60 Jahren in Pension geschickt wurde, zu arbeiten beginnen sollen, um in den Genuss einer abschlagsfreien Frühpension zu kommen? Mit zehn Jahren? Mit zwölf Jahren?
Wenn eine Frau vielleicht gleich nach der Volksschule zu arbeiten begonnen hätte, dann könnte sich das knapp ausgehen, aber auch nur dann, wenn sie nicht zu viel Zeit mit Kinderbetreuung verbracht hätte. (Zwischenruf des Abg. Wurm.)
Sie finden, dass das ein absurdes Gedankenspiel ist? – Ich finde, das zeigt vielmehr, wie absurd diese Debatte um die Frühpensionsgeschenke ist. Die Frühpension hilft nicht den von Altersarmut bedrohten Menschen (neuerlicher Zwischenruf des Abg. Wurm), sie trägt nichts dazu bei, Wohlstand zu sichern, sie löst keines der Probleme unseres Pensionssystems. Diese Frühpension ist ein Geschenk an jene, die das Glück einer ununterbrochenen und geradlinigen Berufslaufbahn hatten (Zwischenruf der Abg. Herr), und sie ist ein Geschenk an Männer. (Abg. Drozda: Ein „Geschenk“, ja!)
Frauen kommen nämlich, wie wir heute schon mehrmals gehört haben – aber man kann es nicht oft genug betonen –, nicht in den Genuss dieser Regelung. Frauen werden früher in Pension geschickt, ob sie wollen oder nicht. Derzeit ist ja das Frauenpensionsantrittsalter um fünf Jahre niedriger als das von Männern, nur ein Jahr länger zu arbeiten würde aber die Pension von Frauen um bis zu 9 Prozent erhöhen – das ist ja nicht nichts. Frauen wird also die Möglichkeit genommen, mit einem besseren Gehalt am Ende ihrer Berufslaufbahn noch einmal ihre Pension aufzubessern.
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