Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 414

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12.51.42UG 14: Militärische Angelegenheiten


Präsidentin Doris Bures: Wir kommen zur Untergliederung 14: Militärische Angelegen­heiten.

Ich begrüße sehr herzlich Frau Bundesministerin Klaudia Tanner in unserer Mitte.

Als erstem Redner erteile ich Herrn Abgeordnetem Robert Laimer das Wort. – Bitte, Herr Abgeordneter.


12.51.55

Abgeordneter Robert Laimer (SPÖ): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Meine Damen und Herren! Hand aufs Herz, Frau Ministerin, die marginale Budgeterhöhung von 5 Prozent in Bezug auf Österreichs Landesverteidigung für 2021 ist ein Pyrrhussieg. Laut der Budgetvorschau werden schon die Folgejahre mit einer kontinuierlichen Budgetkür­zung einhergehen, und unsere verfassungsmäßige Einrichtung, das Bundesheer, wird weiterhin finanziell ausbluten.

Von der ehemaligen Zielvorgabe 3 Milliarden Euro sind Sie meilenweit entfernt, Frau Minister! Der budgetäre Offenbarungseid wird auf 2022 verschoben.

Meine Damen und Herren! Vieles liegt in der Amtszeit unserer Ministerin im Trüben und muss rasch aufgeklärt werden. Die aktive Luftraumüberwachung ist mit dem Ausschei­den der Saab 105 Unterschallflugzeuge nicht mehr gesichert. Ab 2021 sollen die teuren Eurofighter sozusagen Exklusivrecht über unseren Luftraum haben. Die geplanten 1 500 Flugstunden für 2021 lassen eine Überwachung so löchrig wie Schweizer Emmen­taler Käse erwarten.

Die verfassungsmäßige Verpflichtung wird nicht mehr ausreichend erfüllt und die Mehr­kosten für 2021 sind exorbitant, kosten doch Flugstunden der Schüssel-Flieger das Zehnfache der ersatzlos gestrichenen Saab 105; das bedeutet 900 Prozent Mehrkosten pro Flugstunde für das Eurofighter-Monopol.

Übrigens sind die mittlerweile in die Jahre gekommenen Eurofighter außerdem einem Upgrade zu unterziehen, was natürlich mit hohen Zusatzkosten verbunden ist. Diese unsägliche politische Schüssel-Erbmasse war und ist ein gutes Geschäft für Airbus, denn wie es aussieht, wird der größte Korruptionsskandal leider keiner für die Steuer­zahlerInnen gerechten Lösung zugeführt, da die Republik auf den teuren Kosten sitzen bleiben wird.

Eine weitere Grauzone, die uns bevorsteht, ist der BIG-Deal mit der Bundesimmobilien­gesellschaft oder der Ausverkauf des österreichischen Bundesheeres. Wir werden ge­nau darauf schauen, wer zum Beispiel bei der geplanten Veräußerung der Liegenschaf­ten – die sogenannten Filetstücke in Wien – den Zuschlag bekommt, ob da nicht potenzielle Wahlkampfspender des Bundeskanzlers – natürlich völlig objektiviert über die BIG – zum Zug kommen. Das wäre dann sozusagen wieder einmal ein Big Deal unter Freunden. (Abg. Steinacker: ... ausgerechnet der BIG mangelnde Objektivität zu unter­stellen!)

Geschätzte Damen und Herren! Unter den veröffentlichten Risikobildern für Österreich sind neben hybriden Bedrohungen, Pandemien, vor allem auch Blackoutszenarien rele­vant. Die reale Gefahr eines Blackouts darf nicht unterschätzt werden und die Vorbe­reitung für die nötige Resilienz in der gesamten Gesellschaft muss ein Gebot der Stunde werden.

Auch die Cyberabwehr steckt in Österreich leider noch in den Kinderschuhen, wird aber zu einer unverzichtbaren Staatsaufgabe werden. Da befinden wir uns in einem Wettlauf mit der Zeit. Daher sind dafür Experten auszubilden, die sicher nicht vor Ihrem Amtssitz


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