Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 502

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Heute haben viele Existenzängste. In den letzten 30 Jahren haben circa 50 Prozent der Höfe zugesperrt. Warum? – Sie haben vor den Niedrigpreisen, vor den hohen Flächen­preisen kapituliert (Zwischenrufe bei der SPÖ) und auch wegen der Bürokratie resigniert. Der Handel führt – gestatten Sie mir den Ausdruck! – einen grausamen Preiskampf. Notfalls werden die Waren aus dem Ausland importiert. (Neuerliche Zwischenrufe bei der SPÖ.) Wir wissen nicht, wie sie genau produziert werden, aber Hauptsache, sie sind dann billig im Regal zu kaufen.

Verbraucher erwarten Höchstleistungen zu Tiefstpreisen. Der Grill darf kosten, was er will, das Fleisch soll möglichst gratis sein. Medien und Öffentlichkeit sehen in der Landwirtschaft den Sündenbock der Nation. Die Landwirtschaft ist für viele der Klima­killer, der Wasserverpester, der Insektentöter und so weiter und so fort. Jeder glaubt zu wissen, wie es geht, und verlangt das von uns. Die Preise zahlen letztendlich die Bauern, die Familien, das Land. Wenn wir ehrlich sind, zahlen wir das Ganze letztendlich alle selber. Wie würde Österreich ohne unsere Höfe aussehen?

Zur Wahrheit gehört dann aber noch etwas, und zwar fühlen sich unsere Bauern vom Markt zerrieben, von der Gesellschaft geächtet, von der Politik teilweise verlassen, das haben wir gestern eindeutig gehört – ich erinnere an den gestrigen Tag, an die Rede von Herrn Kollegen Wimmer.

Alles, was unsere Bauern brauchen, sind faire Rahmenbedingungen. Gott sei Dank haben wir eine Ministerin – Elisabeth Köstinger ist ja so eine (Zwischenruf bei der SPÖ) –, die für unseren Bauernstand noch kämpft, in den Ring steigt und ein entsprechendes Budget auf die Beine stellt, damit wir doch noch positiv in die Zukunft blicken können. (Neuerlicher Zwischenruf bei der SPÖ.)

In diesem Sinne: Danke für dieses Budget, und den Bauern alles Gute! – Danke. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

17.36


Präsidentin Doris Bures: Frau Abgeordnete Irene Neumann-Hartberger ist die nächste Rednerin. – Bitte.


17.36.36

Abgeordnete Irene Neumann-Hartberger (ÖVP): Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Herr Bundesminister! Allein die Tatsache, dass ich als 34. Rednerin zum Tagesordnungspunkt Landwirtschaft, Regionen und Tourismus spreche, zeigt uns, wie komplex dieser Bereich ist. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Trotzdem sind es nur mehr 3 bis 4 Prozent der Bevölkerung, die in der Landwirtschaft tätig sind. Von ihren Leis­tungen profitieren aber alle Österreicherinnen und Österreicher, denn die Landwirtschaft schafft viele Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich.

Ich weiß, dass jedem in diesem Saal bewusst ist, dass alle kulinarischen Genüsse, die wir tagtäglich zu uns nehmen, in der ureigensten Form Produkte unserer Landwirtschaft sind und es eine Selbstverständlichkeit ist, dass die Regale heutzutage rund um die Uhr gefüllt sind. Die Landwirtschaft war und ist jetzt auch wieder durch den fehlenden Absatz im Tourismus mit massiven Preiseinbußen in vielen Bereichen konfrontiert, aber einige haben die Krise als Chance gesehen, sich spezialisiert und gehen neue Wege in der Vermarktung.

In die gleiche Kerbe schlägt das von unserer Ministerin geführte Netzwerk Kulinarik mit dem weiterentwickelten AMA-Genuss-Region-Siegel. Weil Qualität auch Kontrolle braucht, haben sich bereits rund 1 600 Gastronomiebetriebe, Direktvermarkter und Manufakturen zertifizieren lassen und damit zum Ausdruck gebracht, dass ihnen regio­nale Produkte, qualitäts- und herkunftsgesichert, ein Anliegen sind.

 


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