Wir gehen das Problem jetzt aber an, und zwar mit einem wirklich großen Sprung – die 235 Millionen Euro wurden ja schon erwähnt. Ich werde jetzt historisch ein bisschen ausholen, damit man sich der Dimension dieser Sache ein bisschen bewusst wird.
Wie war denn das in den Sechzigerjahren in Österreich? – Da gab es in den Schulen die bürgerlichen Kinder. Sie kamen mit ordentlichen, festen Schuhen in die Schule und saßen mit sauberen Heften und neuen Büchern in der Klasse, weil sich ihre Eltern diese Bücher leisten konnten. Und dann gab es die Kinder, die man manchmal die Schmuddelkinder genannt hat. Wir haben ja vorhin gerade von den Bauern geredet, Werner Kogler erzählt das auch immer ganz gerne: Er stank halt immer, wenn er in die Schule kam, noch ein bisschen nach Stall. Diese Kinder hatten in den Sechzigerjahren die zernudelten Bücher, die die Lehrer irgendwo aus der Lade hervorgezogen haben, denn die waren aus dritter Hand und wurden immer weitergegeben.
Was macht das mit Kindern? – Das ist ein Signal, gerade auch, wenn wir an die höheren Schulen denken: Du gehörst mit deinen zernudelten Büchern eigentlich nicht hierher!
Warum sage ich das? – Schauen Sie sich an, wie Kinder heute mit Laptops arbeiten und wie da die Unterschiede sind! Das ist genau dasselbe wie damals mit den Büchern! (Zwischenruf des Abg. Kollross.) Da gibt es die einen, die alle zwei Jahre ein neues Apple-Modell haben, es gibt die anderen, die nur die Handys mit dem kaputten Display haben, und die vielen, die irgendeinen Uraltlaptop haben. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Kollross.) Den hat vielleicht die Arbeitskollegin der Nachbarin gespendet, weil der Akku nicht mehr so gut funktioniert. (Zwischenruf bei der SPÖ.)
Wenn man sich einmal historisch betrachtet überlegt, was wir da mit diesem Geld und mit dem dauerhaften Programm, das wir aufsetzen, machen, dann stellt man fest: Wir machen nichts anderes als das, was die Schulbuchaktion in den Siebzigerjahren gemacht hat. Das ist doch eigentlich etwas, auf das Sie stolz sein sollten!
Was wir machen, ist: Wir sorgen für dieselben, für neue, einheitliche hochwertige Geräte für alle Kinder, damit alle Kinder in unserem Schulsystem dieselben Chancen haben. Das ist zumindest einer der großen und großartigen Brocken in diesem neuen Budget, in diesem Budget für das nächste Jahr. – Vielen Dank. (Beifall bei Grünen und ÖVP.)
17.58
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina Künsberg Sarre. – Bitte.
Abgeordnete Mag. Martina Künsberg Sarre (NEOS): Frau Präsidentin! Herr Minister! Hohes Haus! Zuerst einmal: Hut ab, Herr Minister Faßmann, dass zumindest Sie als Einziger in dieser Bundesregierung letzten Samstag bis zum Schluss dafür gekämpft haben, dass die Schulen offen bleiben, gemeinsam mit vielen Expertinnen und Experten, mit der Coronakommission, die sich auch gegen die Schließung ausgesprochen hat, mit den Oppositionsparteien und auch mit den Bildungsreferenten der Länder. Wie wir sehen, hat das aber nichts genützt, weil offensichtlich nur einer in dieser Bundesregierung etwas zu sagen hat, nämlich der Bundeskanzler.
Wenn ich mir das Bildungsbudget anschaue, dann sehe ich: Es ist mutlos und visionslos. Es ist eine Fortschreibung des Bestehenden, und bis auf die von Frau Kollegin Hamann gerade angesprochenen und großgemachten 235 Millionen Euro für die Digitalisierung ist de facto nichts Neues da. (Abg. Salzmann: Geh! ... ist komplett neu!)
Die Digitalisierungsoffensive – ich glaube, darin sind wir uns alle einig – kommt jetzt, also im nächsten Jahr, weil die Not durch Covid so groß war. Diese Zeit hat uns vor Augen geführt, dass die Digitalisierung in Österreich verschlafen wurde. Sie können jetzt
HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite