österreichischer Religionssoziologe, und Hamed Abdel-Samad diskutieren über die Frage, ob der Islam noch zu retten ist; interessanterweise in 95 Thesen. – Wir wissen, warum. Kurze Antwort: Der eine sagt Ja, der andere sagt Nein. Ein wichtiger Satz lautet: „Wie Sie ja wissen, halte ich persönlich den Islam an sich für nicht reformierbar. Allerdings glaube ich sehr wohl an die Reformierbarkeit des Denkens von Muslimen“, sagt Hamed Abdel-Samad.
Dort müssen wir ansetzen, aber wir müssen auch hier bei uns in den Schulen ansetzen. Wir müssen in den öffentlichen Debatten ansetzen und da unsere Werte und die europäischen Werte verteidigen, über die hier auch gesprochen wurde.
Ein wichtiger Punkt ist auch – das sagt eben dann der Religionssoziologe –: Das Problem bei vielen Muslimen ist, dass sie den Koran wörtlich nehmen.
Ich bin wirklich gegen jede hasserfüllte, bösartige Ausdrucksweise gegen den Koran – das möchte ich den Kollegen von der FPÖ auch sagen –, aber er sagt ganz richtig: Man darf ihn nicht wörtlich nehmen. – Das ist ja auch eine Errungenschaft von christlichen Kirchen, dass sie eben das, was in der Bibel steht, nicht wörtlich nehmen.
Ein zweiter Punkt: Ich bin auch gegen jede Form von christlichem Fundamentalismus und ich bin auch dafür, dass wir Kirche und Staat hier im Parlament trennen. Ich war schockiert über die Veranstaltung, die hier stattgefunden hat. Ich sitze im Nationalrat neben Bedrana Ribo von der grünen Fraktion. Sie musste mit elf Jahren aus Travnik in Bosnien flüchten. Ihre besten Freundinnen waren eine kroatische Katholikin und ein orthodoxes Mädchen, sie selbst ist Muslimin. Sie musste flüchten, weil dieser Hass auch über Religion erzeugt und weil die Gesellschaft gespalten wurde. Ich sitze hier neben ihr, wir unterhalten uns und ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch miteinander in ein Gebetshaus, in ein Gotteshaus gehen – beten, singen ist im Moment ja nicht angeraten ‑, dass jeder seine Vorstellung hat, dass uns das zusammenführt.
Die Veranstaltung, die hier stattgefunden hat, hat die Menschen gespalten. Ich bitte wirklich dringend, dass wir damit aufhören, dass wir das nicht tun. Es gibt genug anderes in der Gesellschaft, das ohnehin spaltet, und wenn ich nur vermuten würde, dass Absicht dahintersteht, dann müsste ich noch viel radikalere Worte gebrauchen.
Ein letztes Wort, weil es aktuell ist, zum Kopftuchverbot: Selbstverständlich auch da die Trennung von Kirche und Staat, selbstverständlich muss es auch da die Möglichkeit der Religionsausübung geben, aber es führt mich zum Anfang zurück. Das ist das Thema, über das wir mit den Menschen, auch mit Musliminnen und Muslimen sprechen müssen. Lasst die Kinder in Ruhe! Erzählt den Kindern nicht, was sie tun müssen! Das gilt aber auch für christliche Fundamentalisten. Angesichts dessen, was manche Leute, die hier auftreten, erzählen, wie gefährlich es für einen Mann ist, eine Frau anzuschauen, sehe ich nicht viel Unterschied zu dem, was muslimische Fundamentalisten sagen.
Deswegen wirklich mein Appell: Versuchen wir es, jeder für sich, privat, soll religiös leben, wie er will. Dort, wo es zu Gemeinsamkeiten führt, machen wir das bitte, aber hören wir bitte auf damit, die Gesellschaft mit Religion zu spalten! – Danke. (Beifall bei den NEOS sowie des Abg. Bürstmayr.)
18.35
Präsidentin Doris Bures: Als Nächste gelangt Frau Abgeordnete Andrea Kuntzl zu Wort. – Bitte.
Abgeordnete Mag. Andrea Kuntzl (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Lieber Kollege Brandstätter, ich kann so gut wie jeden Satz unterschreiben, den du gesagt hast, verstehe aber nicht, dass ihr diesen konkreten Antrag unterstützt. Selbstverständlich sind wir – so wie du das ausführst – dafür, gegen jegliche Art von Fundamentalismus,
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