Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll71. Sitzung, 11. Dezember 2020 / Seite 352

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Die Rollenden Engel mit ihrer Wunscherfüllung arbeiten ganz intensiv mit der Hospiz- und Palliativversorgung zusammen, und dieses Beispiel zeigt schon, wie vielfältig und wie individuell diese Aufgaben sind. Hospiz- und Palliativeinrichtungen bieten Pflege, ärztliche Versorgung, Verbesserung der Lebensqualität von Schwerkranken, und das ist eine ganz wertvolle Unterstützung für Familien in einer persönlich sehr, sehr schwierigen Zeit. Besonders belastend ist es für die Familien, wenn das eigene Kind schwer erkrankt, und in solch schlimmen Zeiten braucht es eine intensive Stütze für die Familienangehö­rigen, um nicht in die Isolation zu geraten oder völlig auf sich selbst gestellt zu sein.

Sehr geehrte Damen und Herren, über alle Fraktionen hinweg sind wir uns einig: Hospiz- und Palliativeinrichtungen leisten sehr, sehr wertvolle Arbeit. Wir als SPÖ unterstützen daher den gemeinsamen Antrag sehr gerne. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordne­ten von ÖVP und Grünen.)

21.46


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Rosa Ecker. – Bitte.


21.46.19

Abgeordnete Rosa Ecker, MBA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geschätzte Frau Minister! Pallium bedeutet Mantel: ein Mantel, der sich um einen Patienten legt und aus dem er sich jene Unterstützung nehmen kann, die er in dieser Situation gerade braucht. Das Wort palliativ interpretieren wir in erster Linie als Sterbebegleitung, pallia­tive Therapie und Medizin beginnt aber bereits mit der Diagnose einer unheilbaren Er­krankung – eine Situation, in der nichts mehr so ist wie vorher; und stellen Sie sich das bei einem krebskranken Kind vor!

Die Kernkompetenz von palliativer Therapie ist die Schmerzbehandlung, aber auch re­den, offen über die Krankheit sprechen, psychische Betreuung, Geschwistertherapie, und natürlich auch Trauerbegleitung und Seelsorge. Das leisten stationäre Konsiliar­dienste, mobile Palliativteams, Tageshospize, stationäre Hospize und natürlich Palliativ­stationen.

Sehr geehrte Damen und Herren, gerade für Kinder und Jugendliche ist aufgrund der Schwere der Krankheitsverläufe und der besonderen emotionalen Belastung eine pal­liative Betreuung zu Hause bei den Familien anzustreben, und da brauchen Eltern und Familien natürlich bestmögliche Unterstützung und Entlastung. Palliative Betreuung bei Kindern setzt viel früher ein und sie umfasst oft jahrelang verschiedene Betreuungs­phasen.

Österreich hat Konzepte, aber noch keine flächendeckende Versorgung. Wir brauchen mindestens ein mobiles Kinderpalliativteam und ein Kinderhospizteam in jedem Bundes­land. Es wären auch stationäre Kinderhospize oder pädiatrische Palliativbetten in jeder Kinder- und Jugendabteilung ganz wichtig – das wären etwa 50 in Österreich. Die jährli­chen Kosten dafür würden etwa 400 Millionen Euro betragen, dazu gibt es Berechnun­gen. Die Leistung, die der einzelnen Patient dafür bekommt, ist aber unbezahlbar: eine menschliche, würdevolle, schmerzfreie Versorgung von sterbenden Menschen und die Begleitung von Angehörigen in eine ungewisse Zeit, und diese soll unkompliziert und kostenfrei möglich sein.

Darum ist die Regelfinanzierung im Rahmen der Pflegereform so rasch als möglich um­zusetzen, denn bisher werden die bestehenden Leistungen eben nur teilweise mit öffent­lichen Mitteln finanziert. Das bedeutet, nicht nur zu reden, sondern die beiden größten Hindernisse aus dem Weg zu räumen, nämlich Zuständigkeit und Finanzierung. Unser aller Ziel muss es sein, dass Hospiz- und Palliativversorgung allen, die sie brauchen, zur Verfügung steht, denn niemand weiß, wer aus unserer nähesten Familienumgebung,


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