Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll71. Sitzung, 11. Dezember 2020 / Seite 354

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im Spital betreut werden können, was die Lebensqualität der Kinder erhöht. Sie unter­stützen aber auch die Eltern, die oft schweren Belastungen ausgesetzt sind. Die Eltern können sich in dieser Zeit verstärkt um die Geschwister kümmern, die aufgrund der he­rausfordernden Zeiten manchmal zu kurz kommen.

Die Familien leisten Unglaubliches, und gerade in diesen Zeiten der Covid-19-Pandemie sind pädiatrische Hospiz- und Palliativeinrichtungen sehr wichtig und wertvoll für die Fa­milien, um nicht ganz in Isolation zu geraten und völlig auf sich selbst gestellt zu sein.

Umso notwendiger ist es, die im Rahmen der Pflegereform vorgesehene Regelfinanzie­rung für Hospiz- und Palliativeinrichtungen für Kinder und Erwachsene rasch umzuset­zen und auf Bundes- und Landesebene gemeinsam danach zu trachten, in dieser Quer­schnittsmaterie zwischen Sozialem und Gesundheit sowie Sozialversicherungen zur ra­schen Umsetzung zu kommen.

In Coronazeiten wird oft – viel zu oft – davon gesprochen, wie viele Menschen in unse­rem Land sterben. Wir sollten vielmehr nach dem Wie fragen. Bei diesem sensiblen The­ma ist es besonders wichtig, dass man zuhört, miteinander redet und erst dann politische Positionen erarbeitet. Jeder Mensch ist Experte seines eigenen Lebens und jeder Mensch hat das Recht, in Würde und Sicherheit zu sterben. – Danke. (Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

21.54


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Sieber. – Bitte.


21.54.27

Abgeordneter Norbert Sieber (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Minister! Ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Zunächst von meiner Seite aus ein herzliches Danke für diesen Antrag, den wir alle miteinander einhellig beschließen können. Und ganz ehr­lich: Ich glaube, jeder Abgeordnete hat einmal in seiner Karriere so ein Highlight, und ich gebe zu, für mich stellt dieser Antrag in gewisser Weise schon ein Highlight dar, nicht, weil er vom finanziellen Ausmaß so umfangreich ist  ich durfte in der vorigen Koalition den Familienbonus durchs Parlament tragen, und dieser war natürlich wesentlich um­fangreicher , sondern weil mich dieser Antrag emotional wesentlich mehr berührt.

Vor einigen Wochen war im ORF ein Beitrag über eine Einrichtung hier in Wien zu sehen: Kinderhospiz Netz; meine Kollegin Gudrun Kugler hat mich darauf aufmerksam gemacht. Wir sind zu dieser Einrichtung gegangen, und was wir dort erleben durften, was wir dort erklärt bekamen, was wir sehen konnten, hat mich zutiefst beeindruckt. Ich möchte be­reits an dieser Stelle der Leiterin dieser Einrichtung, Frau Sabine Reisinger, und ihrem gesamten Team für ihr Tun ganz herzlich danken. Das, was sie machen, ist großartig! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

Damit Sie zu diesem Thema ein Gesicht vor Augen haben, möchte ich Ihnen hier in Absprache mit allen Verantwortlichen jemanden vorstellen (das Porträt eines Mädchens auf das Rednerpult stellend): Meine Damen und Herren, das ist Daniela. Daniela ist jetzt sechs Jahre alt. Daniela kam mit einer seltenen, unheilbaren Stoffwechselkrankheit auf die Welt, und zu allem Überfluss hat sie schwere epileptische Anfälle. Die Lebenserwar­tung, die Daniela gegeben wurde, war eine sehr geringe. Trotzdem haben die Eltern und der Bruder Daniela in die Familie aufgenommen und zu Hause mit allen Möglichkeiten, die ihnen gegeben waren, gepflegt. Allerdings mussten sie bald feststellen, dass sie da­bei an ihre Grenzen kamen.

Dann war es die Einrichtung Kinderhospiz Netz, die helfend eingesprungen ist und Mög­lichkeiten der Entlastung, der Betreuung, der Hilfestellung geboten hat. Das hat dazu geführt, dass Daniela heute, als sechsjähriges Kind, immer noch am Leben ist, in der Familie leben kann und von ihren Eltern und ihrem Bruder geliebt wird sowie auch von der ganzen Einrichtung Kinderhospiz Netz sehr geschätzt wird.

 


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