Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll75. Sitzung, 21. Dezember 2020 / Seite 113

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Ich habe nicht gehört, dass Sie mit jenen mitfühlen, die zu Hause keine Unterstützung bekommen, dass Sie mit jenen Oberstufenschülerinnen und -schülern mitfühlen, die in manchen Bundesländern heuer teilweise nur 85 Tage in der Schule waren und den Rest daheim ohne große soziale Kontakte verbringen mussten. Und ich habe auch nicht gehört, dass Sie mit den Studierenden, mit den Erstsemestrigen mitfühlen, wie es denen geht, denn über die spricht die Bundesregierung überhaupt gar nicht mehr.

Eine gute Führungskraft kann sich in andere hineinversetzen und trifft evidenzbasierte Entscheidungen. Ganz ehrlich, wenn Ihr Bildungsminister an einem Tag mit der Infor­mation ausreitet, dass die Ferien verlängert werden und davor getestet wird, und Sie am nächsten Tag sagen, dass die Schulen bis zum 18. Jänner eh nur eine Woche länger ins Distancelarning gehen, dann kann doch von evidenzbasierter Entscheidung keine Rede sein. Dann ist das einmal mehr ein Zeichen dafür, dass Sie alle overrulen und einfach Entscheidungen treffen, die für Sie gut und passend sind. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Das aktuell traurigste Beispiel ist wohl Moria. Ich finde es wirklich haarsträubend, wie Sie sich einerseits gegenseitig ein würdevolles und schönes Weihnachtsfest wünschen können, und andererseits wissen Sie und kennen Sie die Bilder, dass die Kinder in Moria im Dreck leben. Ich verstehe nicht, was daran würdevoll ist und wie das mit einem schönen Weihnachtsfest zusammenpassen kann. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

18.52


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Brückl. – Bitte.


18.52.38

Abgeordneter Hermann Brückl, MA (FPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bun­deskanzler! Werte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Vor nicht einmal zwei Wochen haben wir an dieser Stelle darüber diskutiert, dass sich unsere Kinder, unsere Jugend auf dem Weg befindet, zu einer Coronageneration zu werden. Herr Bundes­kanzler, nach Ihrer freitägigen Pressekonferenz haben wir unsere Kinder wieder einen Schritt weiter in diese Richtung gestoßen. Die Schulen sind zu, Sportstätten und Spielplätze dürfen nicht betreten werden, Fitnessstudios bleiben gesperrt, ein Vereins­leben existiert nicht.

Unsere Kinder und unsere Jugendlichen bleiben isoliert, und das alles, weil Sie, Herr Bundeskanzler, und Ihre Regierung wie sprichwörtliche Elefanten im Porzellanladen agieren. Mit Brachialgewalt werden offenbar die eigenen Interessen durchgeboxt, ganz nach dem Motto: „Koste es, was es wolle“ – wenn notwendig auch gegen die eigenen Kinder. Der Schaden, den Sie anrichten, ist enorm, er ist irreparabel und dramatisch.

Gerade bei unseren Kindern kommt dies zum Tragen. Die Schulschließungen führen zu Bildungsrückständen, zu Bildungslücken, zu Bildungsverlust. Genauso kommt es zum Verlust von Motivation und Tagesstruktur, und ganz schlimm ist die soziale Isolation, in die Sie unsere Kinder drücken. Mit dem Zusperren der Schulen ziehen Sie den Kindern und Jugendlichen den Boden unter den Füßen weg. Sie schreiben ein Drama mit unzähligen Kapiteln auf Kosten der Schüler, der Studierenden und der Jugend.

Herr Bundeskanzler, Ihre Abgeordneten von der ÖVP sprechen hier heraußen sehr gerne ihre persönliche Betroffenheit an. Ich schildere Ihnen meine persönliche Betrof­fenheit: Mein Sohn sitzt seit Februar dieses Jahres zu Hause, weil die Universitäten geschlossen sind, weil nur noch im Distancelearning unterrichtet wird. Er hat keinen Kontakt mit seinen Studienkollegen, außer gelegentlich bei Videokonferenzen, er hat keinen Kontakt zu seinen Freunden, er hat keine Möglichkeit, neue Freunde kennen­zulernen. Er hat keine Möglichkeit, eventuell auch eine Freundin fürs Leben zu finden. Das ist es, was Sie unserer Jugend mit Ihren Maßnahmen antun, Herr Bundeskanzler! (Beifall bei der FPÖ.)

 


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