Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll117. Sitzung, 8. Juli 2021 / Seite 197

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Es steht eine Novellierung des Denkmalschutzgesetzes bevor. Das heißt, daran wird gearbeitet. Ein Puzzlestein in dieser Novellierung wird das Unesco-Weltkulturerbe sein, das darin verankert werden soll. Damit soll auch sichergestellt werden, dass dem Bun­desdenkmalamt, das bis jetzt eigentlich keine Möglichkeit zu einer Stellung im Rahmen der Debatten über Welterbe oder Weltkulturerbe im Denkmalschutz hatte, ermöglicht wird, als Behörde zuständig zu sein.

Es wird aber auch um Fragen wie Umgebungsschutz oder historisches Zentrum gehen – wie schauen solche Definitionen aus? –, all das mit Perspektive auf die Erarbeitung einer Novellierung des Denkmalschutzgesetzes. Es ist aber vielleicht auch das Thema Ökologie und Denkmalschutz beinhaltet, weil das oft eine Frage ist, die thematisiert wird. Dazu gehört zum Beispiel die Frage der Fotovoltaik auf denkmalgeschützten Gebäuden, die im Einzelnen abzuwägen ist. Wir werden kaum hier im Innenhof etwas machen – wie Kollege Hammer und ich vorhin besprochen haben –, aber es gibt natürlich auch auf denkmalgeschützten Gebäuden viele Möglichkeiten. Dazu muss man auch die Landeskonservatoren ein bisschen ermutigen, das zuzulassen. (Beifall bei Grünen und ÖVP.)

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Windisch-Kaserne in Richard-Wadani-Kaserne umbenannt werden soll. – Danke. (Heiterkeit und Beifall bei Grünen und ÖVP.)

18.34


Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Harald Troch. – Bitte.


18.34.59

Abgeordneter Dr. Harald Troch (SPÖ): Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren! Ich glaube, es macht Sinn, dass wir die Frage des Umgangs mit den Welter­bestätten in Österreich auch bundesgesetzlich überlegen. Allerdings möchte ich zu bedenken geben: Das Welterbe umfasst ja nicht nur Kultur und Denkmäler. Das Welt­erbe umfasst Natur, Naturschutzgebiete, und das Welterbe der Unesco umfasst auch immaterielle Elemente wie zum Beispiel die italienische Pizza. Die italienische Pizza ist Weltkulturerbe. Wie aber soll ein Denkmalamt mit Pizza umgehen? – Das ist weder von den Beamten her noch sonst irgendwie darauf eingestellt.

Die Pizza oder vielleicht der Wiener Apfelstrudel, das Wiener Schnitzel, die Wiener Fiaker – ich bin jetzt ein bisschen wienzentriert –: Ich denke, das österreichische Denk­malamt wird mit diesen Themen schwer umgehen können.

Wir tendieren eher zu einem Welterbegesetz in Österreich, denn der Denkmalschutz als sehr objektorientiert – was Denkmäler, bauliche, architektonische Objekte betrifft – ist diesbezüglich einfach überfordert, alleine mit den zehn Welterbestätten in Österreich. Zu nennen sind der Neusiedlersee und die Landschaftszone um ihn herum – ich sage bewusst Landschaftszone –, die Buchenwälder der Karpaten, die bereits in Österreich beginnen, und auch die Wachau. Die Wachau ist natürlich in erster Linie eine Land­schaft, wenngleich auch eine Kulturlandschaft. Ob die Pfahlbauten der Steinzeit in Österreich jetzt wirklich vom Denkmalschutz her betrachtet werden? – Diese sind natürlich auch mit dem See, in dem sie sich befinden, verbunden, es sind Ensembles.

Damit kommen wir zum Thema Ensembleschutz. Ensembleschutz ist nicht primär ein Anliegen des österreichischen Denkmalschutzamtes und der entsprechenden Gesetze. Es ist ein Objektschutz. Das heißt, Ensembleschutz ist natürlich sehr stark Aufgabe der Gemeinden, und damit sind wir bei den Behörden und auch den politischen Institutionen vor Ort, den Kommunen. Hierbei geht es schon darum, Lösungen zu finden, die für die Bürger und Bürgerinnen vor Ort praktikabel sind. Es geht auch um Stadtentwicklung, um die Weiterentwicklung der Städte, und daher ist das Problem der Sichtachsen, auf die


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