"Gewalt hat keinen Platz in Demokratien", so die Kernaussage der Resolution, welche die Versammlung einstimmig verabschiedete. Gesamtheitlich sei laut der Berichterstatterin Elisabetta Gardini nämlich in allen Mitgliedstaaten des Europarates eine alarmierende Zunahme gewaltsamer Attacken auf Politikerinnen und Politiker festzustellen. Eine Vielzahl von Delegierten aller Fraktionen berichtete zudem von individuellen, oft mehrmaligen Gewalterfahrungen. Ob nun physischer, psychischer, sexueller oder wirtschaftlicher Natur, ob online oder offline, die Attacken führten stets zu einem "Abkühlungseffekt auf die demokratische Beteiligung", so Gardini. Im Resolutionstext fordert die Versammlung die Mitgliedstaaten daher zu gesetzlichen Schutzmaßnahmen auf, appelliert jedoch auch an die Abgeordneten und Parteien, aktiv eine Kultur des gegenseitigen Respekts zu fördern.
Bundesrätin Eder-Gitschthaler erinnerte in ihrer Rede daran, dass Gewalt oft bei schwer greifbaren, anonymen Gewaltformen beginne, wie etwa den Hassnachrichten im Netz. In Österreich gebe es hierzu mittlerweile effektive Rechtsmittel. Hier liege es jedoch "an uns als Abgeordnete, den Rechtsstaat ernst zu nehmen, und die Einhaltung der Gesetze einzufordern, vor allem da, wo sie uns selbst betreffen".
Dritte Nationalratspräsidentin Bures wies in ihrer Rede auf ein Paradoxon der liberalen Demokratie hin: "Einerseits schützt sie die Freiheit des Wortes – auch die schärfste Kritik. Andererseits darf sie nicht zulassen, dass diese Freiheit des Wortes zur Waffe gegen Menschen wird […]". Dass jede zweite Abgeordnete in Europa bereits massive sexualisierte Anfeindungen bis hin zu Todesdrohungen erlebt habe, sei kein individuelles Versagen, sondern spreche für einen strukturellen Handlungsbedarf.
Abgeordneter Kassegger, dessen Redebeitrag aufgrund der überlangen Rednerliste schriftlich eingereicht wurde, verwies darauf, dass Gewalt gegen politische Amtsträger auch ein Angriff auf die Grundregeln des demokratischen Zusammenlebens sei. Problematisch sei jedoch auch ein Doppelstandard, bei welchem dieser Grundsatz, je nach politischer Zugehörigkeit, nicht für alle gleichermaßen gültig sei. Man dürfe nicht zulassen, "dass sich eine Kultur etabliert, in der Angriffe auf "die anderen" als weniger schlimm gelten".
Bundesrätin Arpa, deren Redebeitrag ebenfalls schriftlich eingereicht wurde, wies auf die zunehmende Entgleisung der Debatte hin, bei der von der sachbezogenen Kritik der politischen Positionen abgegangen werde: "Eine Aussage wird aus dem Kontext gerissen, Empörung verstärkt, Algorithmen treiben die Verbreitung." Daraus entstehe ein digitaler Angriff, der zur Entmenschlichung führe. Die dadurch erzeugte Angst verhindere die Debatte und könne bis zum politischen Rückzug führen. Genau an diesem Punkt verliere aber die Demokratie.