News 28.05.2026, 14:12
Nachschau Tiktok-Livestream

Alma Zadić in "Fragestunde": "Habe 25.000 Hassnachrichten bekommen"

"Was wolltet ihr immer schon mal von einer Abgeordneten wissen?" lautete die Frage an die Tiktok-Community des Parlaments. Die Antwort: so einiges. Im Livestream hatten Userinnen und User die Möglichkeit, der Grünen-Abgeordneten und ehemaligen Justizministerin Alma Zadić ihre Fragen zu stellen. Das Spektrum erstreckte sich vom Arbeitsalltag als Parlamentarierin über fehlende Repräsentation junger Menschen im Hohen Haus bis hin zur Umsetzung einer Vier-Tage-Schulwoche.

Den gesamten Livestream vom Montag, 26. Mai, können Sie auf Youtube nachsehen:

"Das Schlimmste ist, wenn Frauen den digitalen Raum verlassen"

Ein großes Thema des Streams war Hass im Netz. Zadić berichtete von ihren Erfahrungen als Justizministerin: "Als ich Ministerin geworden bin, habe ich 25.000 Hass- und Hetzenachrichten bekommen". Viele davon seien strafrechtlich relevant gewesen. Von Hass im Netz seien besonders häufig Frauen betroffen. Wichtig sei es deshalb, Betroffene zu unterstützen und Hasskommentare konsequent zu melden und anzuzeigen, sagte Zadić. Sie appellierte an die Zuseherinnen und Zuseher, bewusst positive Kommentare zu schreiben – solche Gegenstimmen haben ihr damals Halt gegeben. Gleichzeitig warnte sie davor, dass sich Frauen aus Angst aus dem digitalen Raum zurückziehen könnten: "Dann bleiben nur noch die Täter zurück."

Einer Klarnamenpflicht kann Alma Zadić trotzdem nichts abgewinnen. Viele Menschen würden ohnehin mit Klarnamen kommentieren und es gebe die Möglichkeit der digitalen Nachforschung. "Es sollte schon möglich sein, dass man sich im Netz anonym äußern kann."

Für ein Social-Media-Verbot für Junge spricht sich Zadić klar aus. Ein Modell für ein Verbot der sozialen Medien für unter 14-Jährige wird derzeit von der Regierung diskutiert. Eine solche Einschränkung sei laut Zadić notwendig, weil soziale Medien Kinder und Jugendliche durch Algorithmen "fesseln" könnten. Zu viel Zeit auf Plattformen könne Angststörungen, Aggression oder Depressionen fördern. Kinder bräuchten Freiräume abseits sozialer Medien, sagte sie.

"Korruption ist Gift für die Gesellschaft"

Laut der "Jugendstudie des Demokratie Monitors 2025" fühlen sich nur 32 Prozent der jungen Menschen in Österreich durch das Parlament gut vertreten. Zadić sieht dafür mehrere Gründe: Einerseits seien junge Menschen im Parlament unterrepräsentiert, andererseits hätten viele das Gefühl, dass ihre Stimme "nichts wert" sei. Besonders Korruption schade dem Vertrauen in die Demokratie: "Wenn Menschen sehen, dass sich manche alles richten können, wenden sie sich von der Politik ab", sagte Zadić. Deshalb brauche es strenge Regeln und konsequente Strafverfolgung. "Korruption ist Gift für unsere Gesellschaft."

Gleichzeitig appellierte sie an junge Menschen, sich selbst politisch zu engagieren. Das Parlament müsse die Vielfalt der Gesellschaft besser widerspiegeln – sowohl in Bezug auf Alter als auch Herkunft oder Sprache. Österreich sei "ein Land der Vielfalt", betonte Zadić, die selbst als Kind aus Bosnien und Herzegowina nach Österreich flüchtete.

Wunsch nach Vier-Tage-Schulwoche und Sorge um leistbares Wohnen

Mehrfach stellten Userinnen und User Fragen rund um das Thema Bildung und Schule. Das derzeitige Schulsystem bezeichnete Zadić als "leider nicht so gut", weil es junge Menschen zu wenig auf aktuelle Herausforderungen wie künstliche Intelligenz vorbereite. Immer wieder kam im Chat der Wunsch nach einer Vier-Tage-Schulwoche. "Das fände ich spannend", sagte Zadić. Sie könne sich etwa ein Modell mit vier Tagen Unterricht und einem Tag für Projekte vorstellen. Schule müsse ein Ort sein, "wo Menschen gerne lernen".

Hohe Lebenserhaltungs- und Wohnkosten sind laut der Jugendstudie des Demokratiemonitors die brennendsten Anliegen Jugendlicher. Ein Ansatz für ein leistbares Leben seien laut Zadić tiefgreifende Reformen im Mietrecht. Gleichzeitig verteidigte sie ihre Forderung nach einer Erbschaftssteuer für Millionenerben: Wer Millionen erbe, zahle derzeit "keinen einzigen Cent Steuer", während Arbeit in Österreich hoch besteuert werde.

Vier Tage Schule und Döner um drei Euro waren häufige Forderungen im Tiktok-Livestream. Auch die Jugendstudie zeigt, dass die Teuerung junge Menschen besonders belasten. 

"Wir brauchen vor allem junge Stimmen"

Im Livestream sprach Alma Zadić darüber, warum sie selbst in die Politik gegangen ist. Ausschlaggebend sei für sie die gesellschaftliche Stimmung im Jahr 2017 gewesen: Sie habe zeigen wollen, dass Menschen mit Migrationsbiografie selbstverständlich Teil Österreichs seien. Heute ruft sie besonders junge Menschen dazu auf, sich selbst politisch einzubringen: "Es gibt viel zu tun in unserem Land und wir brauchen vor allem junge Stimmen."