News in einfacher Sprache 28.05.2026, 18:22

Alma Zadić in "Fragestunde": Habe 25.000 Hass-Nachrichten bekommen

"Was wolltet ihr immer schon mal von einer Abgeordneten wissen?" lautete die Frage an die Tiktok-Community des Parlaments. Die Antwort: so einiges. Im Livestream konnten die Userinnen und User der Grünen-Abgeordneten und ehemaligen Justizministerin Alma Zadić ihre Fragen stellen. Die Themen reichten vom Arbeitsalltag im Parlament über zu wenig Repräsentation junger Menschen im Hohen Haus bis hin zur Umsetzung einer 4-Tage-Schulwoche.

Den gesamten Livestream vom Montag, 26. Mai, können Sie auf YouTube nachsehen:

"Das Schlimmste ist, wenn Frauen den digitalen Raum verlassen"

Ein großes Thema war Hass im Netz. Zadić berichtete von ihren Erfahrungen als Justizministerin: "Als ich Ministerin geworden bin, habe ich 25.000 Hass- und Hetze-Nachrichten bekommen". Viele davon waren Fälle für das Strafrecht.

Frauen sind besonders oft von Hass im Netz betroffen. Es ist deshalb wichtig, dass man die Betroffenen unterstützt. Man soll Hass-Kommentare melden und anzeigen, sagte Zadić. Sie forderte die Zuseherinnen und Zuseher auf, bewusst positive Kommentare zu schreiben. Solche Gegenstimmen waren sehr wichtig für sie. Frauen sollen sich nicht aus Angst aus dem digitalen Raum zurückziehen: "Dann bleiben nur noch die Täter zurück."

Alma Zadić ist nicht für eine Klarnamen-Pflicht. Viele Menschen schreiben schon jetzt unter ihrem Klarnamen. Es gibt auch die Möglichkeit der digitalen Nachforschung. "Es sollte schon möglich sein, dass man sich im Netz anonym äußern kann."

Zadić ist klar für ein Social-Media-Verbot für Junge. Die Regierung diskutiert derzeit ein Modell für ein Verbot der sozialen Medien für unter 14-Jährige. Zadić hält eine solche Einschränkung für notwendig, weil soziale Medien Kinder und Jugendliche "fesseln" können. Zu viel Zeit auf Plattformen kann Angststörungen, Aggression oder Depressionen fördern. Kinder brauchen Freiräume ohne soziale Medien, sagte sie.

"Korruption ist Gift für die Gesellschaft"

Ein Ergebnis der "Jugendstudie des Demokratie Monitors 2025" ist: Nur 32 Prozent der jungen Menschen in Österreich fühlen sich durch das Parlament gut vertreten. Zadić sieht dafür mehrere Gründe: Zum einen gibt es zu wenig junge Menschen im Parlament. Zum anderen haben viele das Gefühl, dass ihre Stimme "nichts wert" sei. Vor allem Korruption, also Bestechung und Bestechlichkeit, schadet dem Vertrauen in die Demokratie: "Wenn Menschen sehen, dass sich manche alles richten können, wenden sie sich von der Politik ab", sagte Zadić. Es braucht daher strenge Regeln und entschlossene Strafverfolgung. "Korruption ist Gift für unsere Gesellschaft."

Zadić fordert junge Menschen auf, sich selbst politisch einzusetzen. Es ist wichtig, dass das Parlament die Vielfalt der Gesellschaft besser abbildet. Das gilt für Alter genauso wie für Herkunft oder Sprache. Österreich ist "ein Land der Vielfalt", betonte Zadić. Sie ist selbst als Kind aus Bosnien und Herzegowina nach Österreich geflüchtet.

Wunsch nach 4-Tage-Schulwoche und Sorge um Wohnen-Kosten

Die Userinnen und User Fragen stellten viele Fragen zum Thema Bildung und Schule. Das Schulsystem findet Zadić "leider nicht so gut". Es bereitet junge Menschen zu wenig auf aktuelle Herausforderungen wie künstliche Intelligenz vor. Immer wieder kam im Chat der Wunsch nach einer 4‑Tage‑Schulwoche. "Das fände ich spannend", sagte Zadić. Sie kann sich ein Modell mit 4 Tagen Unterricht und einem Tag für Projekte vorstellen. Schule muss ein Ort sein, "wo Menschen gerne lernen".

Hohe Kosten für Lebenserhaltung und Wohnen sind laut der Jugendstudie die wichtigsten Anliegen von Jugendlichen. Zadić sieht eine Möglichkeit in tiefgreifenden Reformen im Mietrecht. Gleichzeitig verteidigte sie ihre Forderung nach einer Erbschafts‑Steuer für Millionen‑Erben: Wer Millionen erbt, zahlt derzeit "keinen einzigen Cent Steuer". Arbeit wird in Österreich dagegen hoch besteuert.

4 Tage Schule und Döner um 3 Euro waren häufige Forderungen im Tiktok-Livestream. Auch die Jugendstudie zeigt: Die Teuerung belastet junge Menschen besonders.

"Wir brauchen vor allem junge Stimmen"

Alma Zadić sprach auch darüber, warum sie selbst in die Politik gegangen ist. Der Grund war die gesellschaftliche Stimmung im Jahr 2017, nachdem während der Flüchtlingskrise viele Menschen vor allem aus Syrien nach Österreich gekommen waren: Sie wollte zeigen, dass Menschen mit Migrations‑Biografie selbstverständlich Teil Österreichs sind. Heute ruft sie besonders junge Menschen dazu auf, sich selbst politisch einzubringen: "Es gibt viel zu tun in unserem Land, und wir brauchen vor allem junge Stimmen."

Audio-Artikel "Nachrichten in einfacher Sprache"

Jetzt kommt man noch leichter zu Informationen über Parlament und Demokratie. Denn man kann sich die Nachrichten in einfacher Sprache auch anhören.

Seit November 2025 bietet das Parlament alle Nachrichten in einfacher Sprache auch als Audio-Artikel. Man kann sich die Nachrichten also anhören. Man muss sie nicht mehr selbst lesen. Die Stimme ist von einer KI. Das ist die Abkürzung für Künstliche Intelligenz.

Es gibt jeden Tag neue Folgen. Man kann die Audio-Artikel auf diesen Kanälen hören: bei YouTube, Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music.

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