News 12.11.2025, 09:34

Zerfall der Monarchie: Wie die Erste Republik Österreich entstand

Vier Jahre ist die Habsburger Monarchie im Herbst 1918 schon im Krieg, die Ressourcen sind erschöpft, die Bevölkerung sehnt sich nach Frieden. In der Armee verweigern immer mehr Soldaten ihre Befehle und Arbeiterinnen und Arbeiter protestieren in den Rüstungsbetrieben. Die Völker des österreichisch-ungarischen Doppelstaats wollen aus der Monarchie raus. Sie konstituieren nationale Parlamente und erklären ihre Unabhängigkeit.

Die Regierung der Monarchie besteht noch auf dem Papier, ist aber de facto entmachtet.

Kurz: Die Monarchie zerfällt. Was bleibt, sind 208 Abgeordnete des Reichsrats. Sie kommen aus den deutschen Wahlbezirken der Wahl von 1911 und sie bilden die "Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich". Die Nationalversammlung will den neuen Staat organisieren und Wahlen vorbereiten.

Weder Staatsform noch Territorium

Das klingt zwar schon kompliziert, ist in der Realität aber noch um einiges schwieriger. Bei der konstituierenden Sitzung am 21. Oktober 1918 wissen die Abgeordneten weder, welche Staatsform der Staat haben soll, noch, was eigentlich das Staatsgebiet sein wird.

Am Ende geht es schnell: In Wien gehen tausende Demonstrierende auf die Straße und fordern einen Neubeginn. Am 11. November 1918 erklärt Kaiser Karl I., sich aus den Regierungsgeschäften herauszuhalten und die kaiserliche Regierung des Amtes zu entheben. Die Provisorische Nationalversammlung hat zu diesem Zeitpunkt für den nächsten Tag schon die Ausrufung der Republik angekündigt.

Feierlichkeiten und zwei Todesopfer

Am 12. November wird der neue Staat Deutschösterreich als demokratische Republik ausgerufen. Vor dem Parlament versammeln sich die Ringstraße hinauf hunderttausende Menschen, die Teil der Geschichte werden wollen.

Vor dem Parlament versammeln sich hunderttausende Menschen, um Teil der Geschichte zu werden.

Nachdem die gleichgestellten Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung Franz Dinghofer (Deutschnationaler) und Karl Seitz (Sozialdemokrat) auf der Parlamentsrampe ihre Ansprachen gehalten haben, sollte die rot-weiß-rote Fahne gehisst werden. Doch einige sozialistische Demonstrierende reißen das Weiß aus der Fahne, es kommt in der Folge zu Handgreiflichkeiten und einer Schießerei, bei der zwei Menschen sterben.

Kein Teil Deutschlands

Der zweite Artikel, den die Provisorische Nationalversammlung verkündet hat, besagt, dass das neue Deutschösterreich ein "Bestandteil der Deutschen Republik" sei. Damit hat man die staatliche Souveränität, die man im ersten Artikel ausgerufen hatte, de facto wieder aufgehoben.

Doch diese Idee kommt nicht zur Umsetzung: Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs untersagen den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und verpflichten Österreich mit dem Friedensvertrag von Saint Germain im September 1919 zur staatlichen Selbständigkeit. Wenige Wochen später wird aus Deutschösterreich die Republik Österreich.