News 28.04.2025, 17:58

Heinz Fischer teilte mit Schüler:innen Kindheitserinnerungen vom Krieg

Einen Tag nach den Gedenkfeierlichkeiten zur Unabhängigkeitserklärung von 1945 besuchte der langjährige Nationalratspräsident und Altbundespräsident Heinz Fischer die Demokratiewerkstatt des Parlaments. In einem Workshop schilderte er Schüler:innen einer siebenten Klasse des Wiener Piaristengymnasiums seine Erinnerungen über die Kriegsjahre und den Wiederaufbau nach 1945.

Die Fragen der Schülerinnen und Schüler drehten sich um die persönliche Wahrnehmung des Altbundespräsidenten zu den Lebensbedingungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Krieg ist nicht tauglich und akzeptabel, um Konflikte zu lösen

Die Kriegszeit sei für ihn eine schwierige Zeit gewesen, schilderte Fischer den Schülerinnen und Schülern. Als Kind habe er zwar die Dimension der Ereignisse nicht einschätzen können, die Zeit habe ihn aber so geprägt, dass er heute Krieg aus tiefstem Herzen ablehne. Dieser sei keine taugliche und akzeptable Form der Konfliktlösung und die schrecklichste Form der Konfrontation, betonte Fischer. Man müsse daher sehr bewusst daran arbeiten, Krieg zu verhindern, appellierte er.

Nachkriegszeit "alles andere als normal"

Mit der Unabhängigkeitserklärung 1945 habe zwar ein gewisser staatsrechtlicher Normalisierungsprozess eingesetzt, die Lebensumstände seien aber alles andere als normal gewesen, sagte der Altbundespräsident. So seien die wirtschaftliche aber auch die Ernährungslage "schrecklich" gewesen. Ebenso dominierten die Kriegsschäden an Gebäuden und an der Infrastruktur das Stadtbild.

Positiv bewertete der Altbundespräsident die Aufbruchsstimmung in der Bevölkerung zu dieser Zeit und den Willen, sich aus den Zuständen der Zerstörung und des Mangels herauszuarbeiten. So seien Schritte, wie die Fertigstellung von Kraftwerken oder Infrastrukturprojekten, als Meilensteine groß gefeiert worden, erläuterte Fischer. Die heutige positive Wahrnehmung vieler älterer Menschen dieser Zeit erklärte sich Fischer mit ebendieser großen Aufbruchsstimmung.

Herausforderungen Infrastruktur, Ernährung und Entnazifizierung

Neben der Ernährungslage und der beschädigten Infrastruktur sei für die Politik der Umgang mit den tausenden Exponenten des "verhassten Nazisystems" eine Herausforderung gewesen. Mit den Mitteln der Justiz sei in einem langen Prozess versucht worden, Gerechtigkeit zu schaffen.

Workshops der Demokratiewerkstatt im Jubiläumsjahr 

Im Rahmen des Jahresschwerpunktes 80 70 30 veranstaltet die Demokratiewerkstatt des Parlaments an mehreren Terminen Workshops mit Zeitzeug:innen. So sollen Jugendlichen die Gegebenheiten rund um Österreichs Beitritt zur Europäischen Union, das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Unterzeichnung der Staatsvertrages nähergebracht werden.