News 07.05.2026, 15:49
Speech-to-Text-System

KI und Kurzschrift – wie die „Stenos“ heute arbeiten

Wie ein Protokoll entsteht, ist seit 177 Jahren etabliert: Stenografinnen und Stenografen schreiben bei Plenarsitzungen mit. Früher konnten so die Protokolle am nächsten Tag in der Zeitung stehen. Seit circa 1970 gibt es Audioaufnahmen aus dem Plenarsaal als Ausgangsmaterial für Stenographische Protokolle. Und heute hilft die künstliche Intelligenz, Reden zu transkribieren. Damit kann ein Protokoll schneller fertig werden.

Stenographische Protokolle

Die Protokolle der Plenarsitzungen finden Sie hier.

Dass es Protokolle von Plenarsitzungen gibt, ist gesetzlich verankert. Dass es sie in schriftlicher Form und nicht nur als Videomitschnitt gibt, hat den Vorteil, dass man ein schriftliches Protokoll leichter auf Stichwörter durchsuchen kann.

Wie die „Stenos“ arbeiten

Die Stenografinnen und Stenografen der Parlamentsdirektion sitzen links oder rechts der sprechenden Abgeordneten. Aber sie schreiben deren Reden nur in Stichwörten mit, denn von diesen gibt es eine Audioaufzeichnung. Die Aufgabe der Stenos ist, alles andere im Plenarsaal zu hören, zu sehen und zu protokollieren – Zwischenrufe, Beifall, Lachen, Tafeln oder auch die Überreichung von Gegenständen. Nach zehn Minuten ist die Arbeit der Stenos im Plenarsaal zu Ende, sie werden im Team abgelöst.

KI erleichtert ihre Arbeit

Währenddessen haben im Büro sogenannte Eingabekräfte die Audioaufnahmen der Reden verschriftlicht. Seit heuer kommt für diese Arbeit eine künstliche Intelligenz in Form eines Speech-to-Text-Systems zum Einsatz. Es beschleunigt die Arbeit, betont Parlamentsstenograf und Projektkoordinator Dario Summer: "Die KI macht unsere Prozesse schneller, weil die Tipparbeit wegfällt. Sie kann wesentlich schneller transkribieren als ein Mensch tippen kann."

Die Stenografinnen und Stenografen kontrollieren in der Folge das Transkript der Eingabekräfte und ergänzen es um ihre Mitschriften aus dem Plenarsaal. Das Protokoll ist mithilfe des KI-Programms schneller fertig. Während einer Sitzung kann es zudem noch schneller in den Plenarsaal geliefert werden, wenn es angefordert wird. 

Wie die künstliche Intelligenz arbeitet

Das Speech-to-Text-System hat binnen weniger Minuten eine Rohversion der Rede erstellt. Die wird von den Eingabekräften kontrolliert. Gleichzeitig formatieren sie den Text, auf dass die Stenografinnen und Stenografen ihn fertigstellen können. Die fügen ihre Mitschrift aus dem Saal ein und korrigieren etwaige Versprecher, die das KI-System 1:1 wiedergegeben hat. Sie machen außerdem eine Übersetzung von mündlicher in schriftliche Sprache, da das Gesagte zwar beim Hören, aber manchmal nicht beim Lesen verstanden wird. Auch der eine oder andere österreichische Dialekt stellt das System noch vor Herausforderungen. In der Folge liest eine Endredaktion alle Reden abschließend noch einmal, bevor diese im Internet veröffentlicht werden.

KI-System im Haus entworfen

Die Stenographische Abteilung hat zusammen mit der IT-Abteilung der Parlamentsdirektion ein bestehendes Speech-to-Text-System an die eigenen Bedürfnisse angepasst und weiterentwickelt. Externe Anbieter solcher Programme seien regelmäßig an die Parlamentsdirektion herangetreten.

Man habe sich jedoch entschlossen, ein bestehendes Programm im Haus selbst weiterzuentwickeln, denn "Datensicherheit und Datenschutz waren wesentliche Gründe, das KI-Programm in Eigenregie mit dem eigenen Redaktionssystem und der Audioverwaltung zu vereinen", betont Parlamentsstenografin und Co-Entwicklerin des Speech-to-Text-Systems, Julia Schöllauf. Sie hat maßgeblich an der Entwicklung mitgearbeitet und sich dafür auch Kenntnisse im Programmieren angeeignet. Ein anderer wichtiger Punkt war die optimale Anpassung an die Workflows – denn nur so ist das System ein wirklicher Gewinn für die Arbeit.

Interesse anderer Institutionen geweckt

Die Abteilung Stenographische Protokolle bekommt regelmäßig Anfragen von anderen Institutionen und ist mit ihnen im regen Austausch. Denn ein KI-System in der öffentlichen Verwaltung müsse wasserdicht sein, betont Projektkoordinator Dario Summer. "Die Systeme müssen sicher sein, es muss der Datenschutz geklärt sein und jedes Gesetz eingehalten werden. Daher sind andere Institutionen interessiert, wenn bereits rechtliche Vorarbeiten geleistet wurden." Das KI-System der Parlamentsdirektion ließe sich aber nicht 1:1 in andere Redaktionssysteme implementieren.

Zur Zeit werden Plenarsitzungen mithilfe des KI-Systems transkribiert. In Zukunft sollen auch Veranstaltungen dazukommen.