News 15.05.2026, 09:35
Sitzungen am 20. und 21. Mai

Nationalrat: Plenarwoche mit Asylpaket und Steuersenkung auf Lebensmittel

Konkret sieht die von Finanzminister Markus Marterbauer vorgelegte Novelle zum Umsatzsteuergesetz vor, die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab dem 1. Juli von 10 % auf 4,9 % zu senken. Davon betroffen sind etwa Milch, Joghurt, Butter, Eier, diverses Gemüse und Obst, Reis, Weizenmehl, Nudeln, Brot und Salz. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Inflation zu dämpfen. Rund 100 € pro Jahr sollen sich private Haushalte dadurch durchschnittlich ersparen. Auf das Budget wirkt sich die Entlastung allerdings negativ aus: 400 Mio. € an Steuereinnahmen könnten nach Berechnung des Finanzministeriums künftig jährlich wegfallen.

Der Nationalrat tritt am 20. und 21. Mai zu seinen nächsten Sitzungen zusammen.

Umsetzung des europäischen Asyl- und Migrationspakts

Gleich vier Gesetzespakete liegen dem Nationalrat zur innerstaatlichen Umsetzung des europäischen Asyl- und Migrationspakts vor. Ziel des Pakts ist es unter anderem, die Effizienz und Geschwindigkeit von Asylverfahren zu steigern, Migrationsströme besser zu steuern und die nationalen Asyl- und Migrationssysteme somit nachhaltig zu entlasten. Für Österreich bedeutet das unter anderem, dass das Asylgesetz in einigen Punkten geändert werden muss. So ist etwa geplant, das bestehende Zulassungsverfahren für Asylwerberinnen und Asylwerber durch ein neues Screeningverfahren zu ersetzen. Zudem sind an den EU-Außengrenzen – in Österreich also an Flughäfen – künftig längere Anhaltungen erlaubt. Als unabhängige Überwachungsstelle für die neuen Grenzverfahren soll, geht es nach den Koalitionsparteien, die Volksanwaltschaft fungieren.

Darüber hinaus schlägt die Regierung eine Adaptierung der Bestimmungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor. Sie sollen künftig bereits ab dem Zeitpunkt ihrer Ankunft in Österreich in die Obsorge der jeweils zuständigen Kinder- und Jugendhilfe fallen. Zudem soll der Familiennachzug neu geregelt und in das Quotensystem nach dem Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz integriert werden.

Zur Umsetzung des europäischen Asyl- und Migrationspakts liegen dem Nationalrat gleich vier Gesetzespakete vor.

Energieausweise, Konsumkredite, Organhandel

Weitere Gesetzesvorhaben betreffen das Regularium für Konsumkredite und neue Vorgaben für Energieausweise für Gebäude. Dabei geht es zum einen darum, mit dem Verbraucherkreditgesetz künftig auch Online-Geschäftsmodelle wie "Buy Now, Pay Later" zu erfassen und die gesetzlichen Bestimmungen zur Prüfung der Kreditwürdigkeit neu zu regeln. Bei verpflichtenden vorvertraglichen Informationen soll zudem technischen Einschränkungen von Geräten wie Mobiltelefonen Rechnung getragen werden. Zum anderen wird man bei einem Verkauf bzw. der Vermietung von Wohnungen und Geschäftslokalen künftig in Inseraten nicht nur den Heizwärmebedarf, sondern auch den Endenergiebedarf und die Gesamtenergieeffizienzklasse angeben müssen.

Von Seiten des Gesundheitsausschusses liegt die Empfehlung vor, im Organtransplantationsgesetz verschärfte Werbe- und Gewinnverbote zu verankern. So soll etwa klargestellt werden, dass nicht nur die Organe selbst, sondern auch deren Vermittlung kein Gegenstand gewinnorientierter Rechtsgeschäfte sein dürfen. Damit wollen die Abgeordneten unlautere Geschäftspraktiken von sogenannten "Organtourismusunternehmen" und Vermittlungsplattformen unterbinden.

Staatliche Zahlungen an NGOs

Eine intensive Debatte ist im Plenum über den Abschlussbericht des Rechnungshof-Unterausschusses zum Thema staatliche NGO-Finanzierung zu erwarten. Auf Verlangen der FPÖ haben die Abgeordneten mehrere Monate lang sämtliche Zahlungen der Ministerien an gemeinnützige Vereine, Organisationen und Stiftungen unter die Lupe genommen, wobei es nicht nur um direkte Förderungen, sondern insbesondere auch um Leistungsvereinbarungen und andere Verträge ging. Über das Ergebnis der Beratungen gehen die Einschätzungen der Fraktionen weit auseinander.

Auch über Fluggastrechte und Regionalflughäfen werden die Abgeordneten in der Plenarwoche diskutieren.

Fluggastrechte, Rechtsextremismusbericht

Darüber hinaus werden sich die Abgeordneten mit den Weisungen des Justizministeriums und dem aktuellen Rechtsextremismusbericht befassen. Ebenso stehen Entschließungen zur Absicherung von Regionalflughäfen und zum Thema Fluggastrechte sowie mehrere Rechnungshofberichte zu Energiethemen zur Diskussion. Dabei geht es etwa um die Versorgungssicherheit im Gasbereich und die Umstellung der Stromzähler auf Smart Meter. Zwei Anträge der FPÖ – zum ORF-Transparenzbericht und zur Geschäftsordnung des Nationalrats – werden einer Ersten Lesung unterzogen.

Beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energieträger

Noch fraglich ist, ob das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) auf die Tagesordnung kommt. Ziel des Gesetzes ist es, durch raschere Genehmigungsverfahren und verbindliche Ausbauziele die Errichtung von Windkrafträdern und Photovoltaikanlagen zu beschleunigen. Allerdings braucht es für das Gesetzesvorhaben eine Zweidrittelmehrheit und damit die Zustimmung zumindest einer Oppositionspartei im Plenum. Zuletzt war diese noch nicht sichergestellt.

Die Sitzung am Mittwoch beginnt mit einer Aktuellen Stunde, deren Themenauswahl der ÖVP zukommt. Am Donnerstag steht eine Fragestunde mit Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner am Programm.