Es bleibt die zumindest einzige dokumentierte Schlägerei im österreichischen Parlament bis zum heutigen Tag: Im Jänner 1899 ertönen im damaligen Abgeordnetenhaus während der Rede des tschechischen Abgeordneten Karel Kramář (Jungtschechen) Rufe und Applaus aus der Journalistenloge. Sogleich drängen deutschnationale Abgeordnete auf die Galerie, auf der sich etwas später ein großes Handgemenge entfacht. 18 Vernehmungsprotokolle vom 27. und 28. Jänner rekonstruieren, was dann geschah.
Schlägerei in der Journalistenloge des Parlaments
Nationalitätenfrage und Antisemitismus
Einige Abgeordnete, darunter Karl Hermann Wolf (Deutschnationale Bewegung) und Franz Peschka (Fortschrittspartei) beobachten, wie der Journalist der Tageszeitung Narodni Listý, Josef Penižek, sich über die Brüstung beugt, laut klatscht und mit den Händen "herunteragiert". Der Polizei erklärt der Abgeordnete Wolf später, er habe den Journalisten daraufhin aus der Loge werfen lassen wollen, weil dieser schon mehrmals wegen solcher Szenen aufgefallen sei. Schon öfter habe der Journalist nämlich die Ausdrücke "deutscher Hund, Haderlumpen und Trothel" verwendet und sie wiederholt an Abgeordnete gerichtet.
Eine Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses
Die Schilderungen dessen, was sich genau zugetragen haben mag, unterscheiden sich inhaltlich stark voneinander. Zu seiner Verteidigung gibt der Journalist Penižek zu Protokoll, er habe lediglich der Äußerung des tschechischen Redners Kramář zustimmen wollen – indem er in die Hände geschlagen und dazu Bravo gerufen habe. Daraufhin habe ein Abgeordneter sich zur Journalistenloge umgedreht und gerufen: "Der Jude Penižek applaudiert! Hinaus mit ihm!", fügt Vilém Ryba, ein Redaktionskollege Penižeks, dem Protokoll hinzu.
Es fliegen die Fäuste
Letztendlich bleibt es nicht bei bloßen Zurufen: Übereinstimmenden Erzählungen zufolge begeben sich einige Abgeordnete in die Journalistenloge, nachdem Penižek ihren Aufforderungen, den Saal zu verlassen, nicht nachgekommen sei. Dort angekommen, bricht eine regelrechte "Wirtshauskeilerei" aus, wie einer der Journalisten der Polizei zu Protokoll gibt.
Ob es Verletzte oder Konsequenzen für die Beteiligten gab, ist nicht überliefert.
Die 18 polizeilichen Vernehmungsprotokolle können Sie mit einem Blick ins Archiv in voller Länge durchlesen.