News 17.03.2026, 13:42

Studie: Weniger als die Hälfte der jungen Menschen vertrauen Parlament

Im Rahmen des Projekts "Demokratie Monitor" befragt das Sozialforschungsinstitut Foresight für das Parlament jährlich zusätzlich 300 junge Menschen zwischen 16 und 26 zu ihrer Einstellung zur Demokratie und zum politischen System in Österreich. Für die Studie 2025 wurde das Sample deutlich erhöht und der Fragenkatalog ausgeweitet. Rund 1.000 Jugendliche und junge Menschen nahmen an der Telefon- bzw. Online-Befragung teil, deren Ergebnisse nun im Parlament vorgestellt wurden.

Studienautorin Martina Zandonella präsentierte die Ergebnisse der Jugendstudie im Parlament.

Interesse an Politik und Parlament

Dass die Jugendlichen und jungen Menschen politikverdrossen sind, wie immer wieder behauptet wird, lässt sich aus der von Martina Zandonella und Karoline Bohrn erstellten Studie nicht ableiten, im Gegenteil. So sind politische Themen im Alltag junger Menschen stärker präsent als noch vor dem Jahr 2020. Ebenso äußerten die Befragten ein hohes Informationsbedürfnis, was das Zustandekommen von Gesetzen und die parlamentarische Arbeit betrifft.

Der Blick der jungen Menschen auf das politische System in Österreich fällt laut Zandonella und Bohrn allerdings "ernüchternd" aus. Waren 2018 noch 69 % überzeugt, dass dieses gut funktioniert, sind es inzwischen nur noch 44 %. Gleichzeitig hat das Vertrauen in das Parlament (2020: 56 %, 2025: 41 %) und in die Regierung (2020: 51 %, 2025: 37 %) signifikant abgenommen. Allerdings haben junge Menschen immer noch eine positivere Sicht als der Durchschnitt der Bevölkerung: Bei den über 27-Jährigen denken laut Demokratiemonitor nur 33 %, dass das politische System gut funktioniert.

Junge Menschen fühlen sich nicht gut vertreten

Einen engen Zusammenhang sehen die beiden Studienautorinnen zwischen dem Vertrauensverlust in das politische System und einer abnehmenden Repräsentationswahrnehmung. Während 2018 noch nahezu zwei Drittel der jungen Menschen der Ansicht waren, im Parlament gut vertreten zu sein, sind es seit 2021 nur mehr halb so viele (32 %). Auch der Glaube daran, mit politischer Beteiligung tatsächlich etwas bewirken zu können, ging deutlich zurück. Wobei die unterschiedlichen Lebensrealitäten junger Menschen nach wie vor signifikante Einflussfaktoren sind: Wer höhere finanzielle Ressourcen hat, sieht sich im Parlament deutlich besser vertreten als jemand aus einkommensarmen Haushalten und bewertet auch die Funktionsfähigkeit des politischen Systems positiver. Gleiches gilt für junge Menschen mit Universitätsabschluss versus Menschen ohne tertiäre Bildung.

Aufschlussreich ist auch das Ergebnis, wonach sich zwar 39 % der jungen Männer, aber nur 27 % der jungen Frauen im Parlament sehr oder ziemlich gut vertreten fühlen. In diesem Sinn ist es wenig verwunderlich, dass junge Männer mit 44 % dem Parlament häufiger vertrauen als junge Frauen mit 37 %.

Auf hohem Niveau blieb die überwältigende Zustimmung junger Menschen zur Demokratie: Für 89 % der 16- bis 26-Jährigen ist die Demokratie nach wir vor die beste Staatsform – das sind ebenso viele wie im Jahr 2018.

Bei der Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Parlamentsfraktionen ging es auch um das Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige.

Vier Parteien für Altersbeschränkung bei Sozialen Medien

Analysiert wurden die Ergebnisse der Studie bei einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aller Nationalratsfraktionen. Dabei ging es auch um das in Diskussion stehende Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige. Sowohl die Abgeordneten der Regierungsparteien als auch Grünen-Abgeordnete Barbara Neßler werteten ein solches im Sinne des Kinder- und Jugendschutzes für geboten. Dass eine Altersbeschränkung Jugendlichen erschweren würde, sich über Politik zu informieren bzw. sich politisch zu engagieren, glaubt Neßler nicht. Es gehe nicht um Jugendliche im Wahlalter, sondern um Minderjährige machte auch SPÖ-Abgeordneter Paul Stich geltend. Er sei nicht akzeptierbar, wenn sich 12-Jährige etwa live zu Kriegshandlungen zuschalten könnten. Explizit gegen eine Social-Media-Verbot für Minderjährige sprach sich hingegen FPÖ-Abgeordneter Sebastian Schwaighofer aus.