News 11.05.2026, 10:11
Studie gibt Einblick

Was hat das Wählen mit 16 gebracht?

2008 durften in Österreich erstmals junge Menschen ab 16 Jahren zur Wahl gehen. Die Pro-Seite erwartete demokratiepolitisch positive Effekte, die Kontra-Seite bezweifelte unter anderem die "politische Reife" der 16- und 17-Jährigen.

Studien belegen, dass auch 16- und 17-Jährige ein hohes Interesse an Wahlen und politischer Teilhabe zeigen.

"First time voter effect" – weniger ausgeprägt als erwartet

Eine zentrale Grundlage zur Bewertung der Auswirkungen liefert die langfristige Wahlstudie AUTNES (Austrian National Election Study) der Universität Wien. Sie untersucht seit Jahren das Wahlverhalten verschiedener Altersgruppen. Erste Ergebnisse nach der Wahl 2008 sorgten für Aufmerksamkeit: Die Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen lag damals beinahe auf dem Niveau der Gesamtbevölkerung, während die nächsten Altersgruppen junger Wähler und Wählerinnen deutlich wenig an den Wahlen interessiert waren. Forschende sahen darin Hinweise auf den sogenannten "first time voter effect" – die Annahme, dass frühes Wählen die Wahlbeteiligung erhöht und auch langfristig zu höherer politischer Beteiligung führt.

Spätere Untersuchungen relativierten diesen Effekt jedoch. Bei der Nationalratswahl 2013 sank die Beteiligung der jüngsten Wählerinnen und Wähler deutlich und lag unter dem Durchschnitt. Forschende gehen heute davon aus, dass Faktoren wie die Bedeutung einer Wahl, politische Mobilisierung sowie persönliche Lebensumstände den größeren Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben und ein dauerhafter Gewöhnungseffekt kaum nachweisbar ist.

16- und 17-Jährige grundsätzlich an Wahlen interessiert

Dennoch bewerten viele Expertinnen und Experten die Senkung des Wahlalters insgesamt positiv. Daten zeigen, dass Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren weder weniger politisch interessiert noch schlechter informiert sind als etwas ältere Erstwählende. Auch Befürchtungen, junge Menschen würden stärker zu extremen politischen Positionen tendieren oder "unreif" wählen, konnte wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Vergleichbare Studien aus Deutschland und Großbritannien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders jüngere Erstwählende lassen sich durch Schule, Familie und gesellschaftliche Diskussionen politisch mobilisieren. Unterschiede bei politischem Wissen oder demokratischer Selbstwirksamkeit zwischen 16-Jährigen und älteren Jugendlichen konnten kaum festgestellt werden.

Ein eindeutiger wissenschaftlicher Konsens über die langfristigen Folgen von "Wählen ab 16" besteht allerdings weiterhin nicht. Während negative Auswirkungen auf den demokratischen Prozess ausbleiben, haben sich die Hoffnungen auf eine dauerhaft deutlich höhere politische Beteiligung bislang nur begrenzt erfüllt. Die Ergebnisse der Fachleute zeigen, dass die Senkung des Wahlalters kein "Allheilmittel" gegen Politikverdrossenheit sei.