News in einfacher Sprache 12.05.2026, 09:54

Was hat es gebracht, dass man früher wählen darf?

2008 durften in Österreich zum ersten Mal junge Menschen ab 16 Jahren wählen

Die Meinungen dazu waren geteilt:

  • Viele Menschen haben das gut gefunden. Sie haben erwartet, dass das der Demokratie hilft.
  • Andere Menschen waren dagegen. Sie haben bezweifelt, dass 16- und 17-Jährige schon reif genug sind.

Studien zeigen: Auch 16- und 17-jährige Menschen sind sehr interessiert an Wahlen. Sie wollen sich in der Politik einbringen.

Langfristige Studie der Universität Wien

Die Universität Wien führt die Studie AUTNES durch. Das steht für Austrian National Election Study, also österreichische nationale Wahl-Studie.

Die Studie läuft seit vielen Jahren. Sie untersucht das Wahl-Verhalten von Menschen verschiedenen Alters. Die Studie zeigt gut, was das Wählen ab 16 Jahren verändert hat.

Erste Wahl für 16- und 17-Jährige

Nach der Wahl 2008 haben die Ergebnisse der Studie für Aufmerksamkeit gesorgt: Es sind fast gleich viel Prozent der 16- und 17-Jährigen zur Wahl gegangen wie in der gesamten Bevölkerung. In der nächsten Altersgruppe haben deutlich weniger Menschen gewählt.

Man hat vermutet, dass das am "first time voter effect" liegt, also am Erstwähler-Effekt. Das bedeutet: Wenn Menschen früher wählen dürfen, steigt die Wahlbeteiligung. Langfristig beteiligen sich mehr Menschen an der Politik.

Nicht so stark wie gedacht

Spätere Studien haben gezeigt, dass der Effekt doch nicht so stark ist.

Bei der Nationalrats-Wahl 2013 haben deutlich weniger junge Menschen gewählt. Die Gruppe ist unter dem Durchschnitt gelegen.

Heutige Meinung

Heute geht man davon aus, dass das frühe Wählen keinen so großen Einfluss hat. Andere Punkte beeinflussen stärker, ob Menschen zur Wahl gehen. Zum Beispiel:

  • wie wichtig die Wahl ist
  • wie sehr die Politik Menschen motiviert, sich einzubringen
  • persönliche Lebensumstände

Das bedeutet: Man kann kaum nachweisen, dass frühes Wählen zu mehr Beteiligung führt.

Fachleute sehen frühes Wählen positiv

Trotzdem sehen es viele Fachleute positiv, dass man das Wahl-Alter auf 16 Jahre gesenkt hat.

Daten zeigen: 16- und 17-Jährige interessieren sich genauso für Politik wie ältere Jugendliche. Sie sind auch genauso gut informiert.

Manche Menschen haben befürchtet: Junge Menschen wählen eher extreme Parteien oder sie wählen unreif. Das bestätigen keine Studien.

Andere Länder

Auch in anderen Ländern gibt es Wahl-Studien, zum Beispiel in Deutschland und Großbritannien. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Jüngere Jugendliche lassen sich von ihrem Umfeld motivieren, dass sie wählen gehen. Zum Beispiel von der Schule, der Familie oder von Diskussionen in der Gesellschaft.

16-Jährige kennen sich in der Politik gleich gut aus wie ältere Jugendliche. Sie haben genauso das Gefühl, dass sie sich in Demokratie und Politik einbringen können.

Keine klare Meinung

Man weiß noch nicht genau, welche Folgen das Wählen ab 16 Jahren langfristig hat. Die Wissenschaft ist sich nicht darüber einig.

Bisher weiß man: Das frühe Wählen hat keine negativen Folgen für die Demokratie. Aber die Beteiligung an der Politik ist dadurch auch nicht deutlich gestiegen.

Diese Ergebnisse zeigen: Frühes Wählen alleine hilft nicht dabei, dass sich Menschen mehr an der Politik beteiligen.

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